Missbrauch mit K.-o.-Mitteln erschüttert
«Der Graben zwischen den Geschlechtern wird grösser»

Der Fall des ehemaligen Aargauer Grossrats, der seine Partnerin und deren Tochter mutmasslich über Jahre mit K.-o.-Mitteln betäubt und missbraucht haben soll, erschüttert – besonders Frauen. Blick hat nachgefragt: Was löst dieser Fall in unserer Gesellschaft aus?
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Iwona L. und ihre Tochter Paula bei einer Mahnwache gegen sexualisierte Gewalt in Untersiggenthal AG.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Elf Frauen schildern, welche Gefühle der mutmassliche Missbrauchsfall bei ihnen auslöst
  • Der Vertrauensbruch schockiert. Viele fordern härtere Strafen und mehr Solidarität mit den Opfern
  • Frauen äussern sich zu mutmasslichen K.-o.-Tropfen-Erlebnissen

Am schlimmsten ist der Vertrauensbruch: Frauen äussern sich bei einer Strassenumfrage gegenüber Blick zum Fall Patrick F.* Sie sprechen über Wut, Angst und wachsendes Misstrauen – aber auch über den Wunsch nach mehr Solidarität und konsequenterem Handeln.

Laura (31)

Wütend: Laura ärgert sich über die Behörden, weil sie die Opfer ausschaffen wollten.
Foto: Linda Käsbohrer


«Mich überrascht dieser Fall leider nicht. Gewalt gegen Frauen passiert jeden Tag, oft durch Männer aus dem engsten Umfeld. Wütend macht mich vor allem, wie die betroffenen Frauen von den Behörden behandelt wurden. Statt sie zu schützen, kam es zur Täter-Opfer-Umkehr. Dass das 2026 noch immer passiert, macht mich fassungslos. Wut kann aber auch verbinden. Ich hoffe, dieser Fall führt dazu, dass Frauen und Männer genauer hinschauen.»

Renate (63)

Schockiert: Renate macht sich Sorgen, dass dies kein Einzelfall ist.
Foto: Linda Käsbohrer

«Mich hat erschreckt, dass so etwas überhaupt möglich ist. Nach dem Fall Pelicot in Frankreich dachte ich, schlimmer könne es kaum werden. Jetzt zeigt sich, dass es offenbar kein Einzelfall ist. Die Vorstellung, betäubt und ausgenutzt zu werden, ist furchtbar. Gleichzeitig geraten wegen einzelner Täter plötzlich alle Männer unter Verdacht. Viele müssen mit diesem Misstrauen leben, obwohl sie es nicht verdient haben.»

Anna (31)

«Ich finde es schockierend, wenn ein Politiker mit Vorbildfunktion so etwas tut. Gleichzeitig überrascht es mich fast nicht mehr. Man fragt sich, wie Menschen mit einem solchen Verhalten in Machtpositionen gelangen. Ich habe das Gefühl, es gibt mehr solche Fälle, als man denkt. Trotzdem möchte ich nicht alle Männer in einen Topf werfen. Solche Fälle machen Angst und fördern Misstrauen, obwohl es nach wie vor viele gute Männer gibt.»

Nicole (60)

Erschüttert: Für Nicole ist die Beziehung ein Ort, an dem sich beide Partner sicher fühlen sollten.
Foto: Linda Käsbohrer


«Der Fall hat mein Vertrauen erschüttert, nicht in meinen Partner. Aber eine Beziehung sollte ein Ort sein, wo sich beide sicher fühlen können. Was mich schockiert, ist, dass ein Mensch, dem man völlig vertraut, zu solchen Taten fähig sein kann. Ich wünsche mir, dass Männer, die Gewalt gegen Frauen klar ablehnen, Haltung zeigen. Das Thema geht uns alle an.»

Elaine (59)

Unbegreiflich: Elaine versteht nicht, wie man der eigenen Frau so Schlimmes antun kann.
Foto: Linda Käsbohrer


«Was da passiert ist, schockiert mich zutiefst. In letzter Zeit hört man immer häufiger von Männern, die ihren Partnerinnen schreckliche Dinge antun. Das macht mir Angst und lässt mich Männern gegenüber misstrauischer werden. Ich habe zwei Söhne und hoffe einfach, dass sie zu anständigen, respektvollen Männern heranwachsen. Was ich nicht begreife: Wie kann jemand einer Frau, die er liebt und die ihm vertraut, so etwas antun?»

Linda (41)

«Das Weltgeschehen hat mich Männern gegenüber misstrauischer gemacht. Ich unterstelle ihnen heute eher schlechte Absichten und frage mich oft, ob jemand einfach nett ist oder sexuelle Hintergedanken hat. Es fällt mir schwerer als früher, nicht alle Männer über einen Kamm zu scheren. Früher war das anders – dieses Misstrauen hat sich erst in den letzten Jahren entwickelt.»

Judith (61)

Feige: Für Judith (61) ist der Missbrauch ein perfider Vertrauensbruch.
Foto: Linda Käsbohrer


«Ich finde diese Tat wahnsinnig feige. Der Täter täuscht Vertrauen vor und nutzt es aus. Das ist ein perfides Doppelspiel. Ich habe gemerkt, dass ich Männern gegenüber misstrauischer geworden bin. Vielleicht hilft mir auch mein Alter und meine Lebenserfahrung – ich weiss, wo ich stehe. Junge Frauen, die von einem Partner abhängig sind oder Kinder haben, sind in einer ganz anderen Situation. Ich finde, solche Taten müssen viel härter bestraft werden. Es braucht Strafen, die abschrecken.»

Cristina (43)

Grosse Angst: Christina hat zwei Töchter und fordert strengere Strafen für Täter.
Foto: Linda Käsbohrer


«Es ist schrecklich. Ich habe zwei Töchter. Der Gedanke, dass ihnen so etwas passieren könnte, macht mir grosse Angst. Ich finde, die Gesetze gegen sexualisierte Gewalt sind nicht streng genug. Die Politik müsste mehr tun und Täter härter bestrafen. Viele solche Fälle passieren im familiären Umfeld. Ganz sicher sein kann man leider nie. Aber meinem Mann und meinen Brüdern vertraue ich.»

Natascha (32)

Ausgeliefert: Laut Natascha spielt der körperliche Unterschied zu Männern eine Rolle.
Foto: Linda Käsbohrer


«Mich macht dieser Fall vor allem wütend. Dass Täter selbst nach solchen Verbrechen teils nicht konsequent zur Verantwortung gezogen werden, schockiert mich. Ich brauche lange, bis ich Männern vertraue – auch wegen eigener schlechter Erfahrungen. Durch den körperlichen Unterschied fühlt man sich als Frau oft ausgeliefert. Ich bin misstrauischer geworden. Sexualisierte Gewalt muss viel früher thematisiert werden, am besten bereits in der Schule.»

Kate (23)

Schrecklich: Kate fühlt mit den betroffenen Frauen mit.
Foto: Linda Käsbohrer

«Es ist schrecklich. Man hat das Gefühl, niemandem mehr vertrauen zu können. Die Opfer tun mir unendlich leid. Sie müssen mit den Folgen dieser Taten leben. Ich reise oft allein und fühle mich als Frau nicht immer sicher. Ich verlasse mich auf mein Bauchgefühl und meide riskante Situationen. Umso erschütternder ist dieser Fall: Die Betroffenen glaubten, bei einer Vertrauensperson sicher zu sein. Trotzdem verurteile ich Männer nicht pauschal.»

Franka (56)

«Mich schockieren solche Fälle sehr. Ich höre von jungen Frauen in meinem Umfeld, die Angst vor K.-o.-Tropfen haben. Zwei Bekannte waren bereits betroffen. Eine wachte nach einer Weihnachtsfeier zu Hause auf und wusste nicht mehr, was passiert war. Das erschüttert mein Vertrauen. Ich finde es schlimm, dass der Graben zwischen Männern und Frauen immer grösser wird. Mehr Männer sollten klar Stellung beziehen und zeigen, dass so etwas nicht akzeptabel ist. Auch die Behörden müssen konsequenter handeln. Es darf keine Täter-Opfer-Umkehr geben.»

* Name bekannt



 


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