Darum gehts
- Am feministischen Streiktag bleibt die Frage: Braucht es Feminismus weiterhin?
- Frauen könnten Männer durch kollektive Aktionen aus ihrer Lethargie holen
- In der Schweiz bestehen weiterhin Gender Pay Gap und ungleiche Care-Arbeit
Jedes Jahr taucht am feministischen Streiktag die gleiche Frage auf: Brauchts es das noch oder kann das weg? Solange es Femizide, Gewalt gegen Frauen, den Gender Pay Gap und ungerecht verteilte Care-Arbeit gibt, ist die Antwort klar: ja.
Aber streiken reicht nicht. Denn der Feminismus hat, Stand jetzt, nicht nur ein Männer-, sondern auch ein Frauenproblem.
Ja, nicht alle Männer sind Täter. Aber viele Männer sind sich ihrer Privilegien im Patriarchat gar nicht bewusst. Es sind nicht sie, die umgebracht werden beim Versuch, ihre Frau zu verlassen. Ihr Lohn hängt weder von ihrem Geschlecht ab noch davon, ob sie Kinder haben oder nicht. Weshalb also sollte sich etwas ändern?
Womit wir bei den Frauen wären. Die Einzigen, die die Männer aus ihrer Lethargie holen könnten, sind wir. Indem wir ihnen ihr bequemes Leben unbequem machen. Und zwar im Kollektiv. Das Problem: Wir sind zu beschäftigt damit, über unsere eigenen Füsse zu stolpern und einander gegenseitig Steine in den Weg zu legen.
Raus aus dem Boys Club!
Was wir Frauen tun könnten: Aufhören, andere Frauen runterzumachen, zu be- und verurteilen. Anfangen, einander gegenseitig zu unterstützen. Anfangen, Anforderungen an Männer zu stellen.
Ein Mann hört erst dann mit sexistischen Witzen auf, wenn jede einzelne Frau am Tisch aufsteht und geht. Inklusive seiner Mama. Und wenn jede einzelne Frau danach jedem einzelnen Typen, der gelacht hat, den Kopf wäscht. Ein Mann ändert sein Verhalten erst dann, wenn er Konsequenzen spürt. Und zwar nicht hin und wieder von einzelnen Frauen, sondern von allen Frauen in seinem Leben.
Leider ist der Weg über männliche Akzeptanz immer noch der einfachere für Frauen. Aber die Mitgliedschaft im Boys Club ist ein trügerisches Privileg. Weiblicher Zusammenhalt wäre nachhaltiger.