«Ich lebe und atme diese Figur»
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Sydney Sweeney:«Ich lebe und atme diese Figur»

Hollywood-Thriller
So wurde Sydney Sweeney zum Hausmädchen

Mit Doppeldeutigkeiten kennt sich Superstar Sydney Sweeney seit ihrem Jeans-Werbe-Skandal aus. Jetzt bringt sie das Thema im gerade angelaufenen Thriller «The Housemaid» ins Kino. Und spricht mit Blick über Schein und Sein.
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Amanda Seyfried und Sydney Sweeney bei der Premiere des Thrillers «The Housemaid» in Los Angeles.
Foto: imago/Future Image

Darum gehts

  • Der Thriller «The Housemaid» zeigt dunkle Geheimnisse hinter einer perfekten Fassade
  • Hauptdarsteller sind Amanda Seyfried (40), Sydney Sweeney (28), Brandon Sklenar (35)
  • Regisseur Paul Feig nutzt geschickte Wendungen für Spannung und Überraschungen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Caroline KälinRedaktorin Gesellschaft

Das Haus ist gross, hell und makellos. Es strahlt Luxus und Eleganz aus, aber auch Charme. Hier lebt die wohlhabende Familie Winchester: Mutter Nina, Vater Andrew und Tochter Cecelia. Als sie eine neue Haushälterin suchen, taucht Millie Calloway auf. Sie ist frisch aus dem Gefängnis entlassen, ohne Geld, ohne Wohnung. Der Job ist für sie Rettung und Neuanfang zugleich.

Millie zieht in das Haus ein, putzt, kocht, räumt auf, bleibt im Hintergrund. Endlich ein Dach über dem Kopf, endlich Stabilität. Doch schon bald spürt sie, dass hinter der polierten Fassade etwas gärt. Millie, gespielt von Sydney Sweeney (28), beobachtet genau. Ihre Chefin Nina Winchester, verkörpert von Amanda Seyfried (40), schwankt zwischen überschwänglicher Nähe und plötzlicher Kälte. Mal sucht sie Vertrautheit, dann wieder Kontrolle. Ihre Stimmung kann abrupt kippen, ihre Worte treffen gezielt. Andrew Winchester, gespielt von Brandon Sklenar (35), wirkt dagegen ruhig, freundlich, fast beschützend. Er hört zu, zeigt Verständnis, vielleicht ein wenig zu viel.

Mit jedem Tag verdichten sich die Irritationen. Blicke bleiben zu lange hängen, Gespräche wirken doppeldeutig, Grenzen verschwimmen. «The Housemaid» erzählt seine Geschichte in Schichten. Immer wieder glaubt man zu erkennen, wer hier Macht ausübt und wer ausgeliefert ist. Doch kaum hat man sich festgelegt, verschiebt sich das Gefüge. Sicher ist nur eines: In diesem Haus ist niemand so harmlos, wie er oder sie scheint.

Zwischen zwei Gesichtern 

Auch für Amanda Seyfried (40) und Sydney Sweeney (28) lebt der Film stark vom Moment. Beide beschreiben ihre Arbeit als ein bewusstes Eintauchen in die Figur. «Ich glaube, dass ich jeweils ein Gefäss für meinen Charakter bin», sagt Sweeney. Wenn die Kamera laufe, werde sie diese Person, höre zu und reagiere. Vorbereitung sei wichtig, aber zu viel Planung könne im Weg stehen. «Ich will ehrlich agieren, nicht etwas Abgesprochenes abspielen.»

Gerade bei «The Housemaid», der nicht chronologisch gedreht wurde, sei Präzision entscheidend gewesen. «Wir mussten genau verstehen, wo unsere Figuren stehen und was sie zu diesem Zeitpunkt wissen und was nicht», sagt Seyfried. Diese Klarheit habe erst den nötigen Spielraum geschaffen. Wenn alle auf derselben Seite seien, könne man loslassen und instinktiv reagieren.

Für Brandon Sklenar (35) liegt der Reiz seiner Rolle genau in dieser Unsicherheit. Andrew Winchester sei eine Figur mit ausgeprägter Dualität. «Es ist selten, dass man jemanden spielen darf, der so klar zwei Seiten hat», sagt er. Seine Aufgabe habe darin bestanden, beide Versionen gleichzeitig präsent zu halten und genau zu wissen, wann der Kipppunkt erreicht ist. Thriller ziehen ihn ohnehin an. «Filme waren für mich immer eine Art Therapie», sagt Sklenar. «Sie ziehen dich rein und lassen dich für eine Weile alles andere vergessen.»

Das Genre Thriller 

Regisseur Paul Feig (63) liebt genau dieses Spiel mit Erwartungen. Thriller seien das Genre, das er privat am liebsten schaue, sagt er. Ihn reizten die hohen Einsätze und die Möglichkeit, das Publikum gezielt in die Irre zu führen. Nach den «A Simple Favor»-Filmen habe er Lust gehabt, «noch ein bisschen dunkler zu gehen». Als das Buch zu «The Housemaid» auftauchte, sei schnell klar gewesen, dass diese Geschichte dafür ideal sei. «Man kann unglaublich mit dem Publikum spielen», sagt Feig. «Und mit all den Wendungen macht das riesigen Spass.»

Die literarische Vorlage ist der gleichnamige Bestseller von Freida McFadden. Feig sieht den Grund für den Erfolg im zentralen Thema des Films: Schein und Sein. «Wir beurteilen Menschen nach dem, was sie uns zeigen», sagt er. «Aber wenn man ein wenig unter die Oberfläche schaut, ist oft alles ganz anders.» Gerade in einer Zeit, in der Täuschung und Manipulation allgegenwärtig seien, treffe diese Geschichte einen Nerv.

Optisch tarnt sich der Thriller lange als elegante Wohlfühlwelt. Feig beschreibt den Film als «einen Nancy-Meyers-Film, der schrecklich schiefgeht». Ein schönes Zuhause, das sich langsam gegen seine Bewohner richtet. Licht, Kamerawinkel und Inszenierung kippen die Stimmung, während die dunklen Geheimnisse im Haus an die Oberfläche drängen.

Als Zuschauerin bleibt man bis zum Schluss angespannt. Der Film überrascht immer wieder mit Plot-Twists und verschiebt die Machtverhältnisse. Und er wird deutlich brutaler, als es der elegante Anfang vermuten lässt. Was leise beginnt, wird zunehmend finster und kompromisslos.

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