Gefährlicher Trend
Das steckt hinter dem Phänomen «alpine Scheidung»

Gemeinsam hoch hinaus – und plötzlich steht man alleine im gefährlichen Gelände. Im Netz häufen sich Berichte über Wanderungen, die für Paare im Beziehungs-Debakel enden. Das Phänomen hat einen Namen: «alpine Scheidung». Aber was genau steckt dahinter?
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«Alpine Scheidung» beschreibt ein Phänomen, das in sozialen Medien immer häufiger vorkommt.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • «Alpine Scheidung»beschreibt Paare, die sich bei Wanderungen oder Klettertouren im Gebirge plötzlich trennen oder zurücklassen.
  • In sozialen Medien häufen sich Berichte über emotionale und teils gefährliche Situationen, wenn ein Partner im alpinen Gelände allein gelassen wird.
  • Der Fall Grossglockner zeigt, wie aus einer gemeinsamen Bergtour im schlimmsten Fall eine tragische und tödliche Situation werden kann.
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Gina Grace ZurbrüggRedaktorin News

Eigentlich fängt es harmlos an: Raus in die Natur, schwitzen, lachen und am Gipfel ankommen. Doch auf den Wanderwegen kriselt es gewaltig. Wenn das Tempo nicht stimmt, eine Person überfordert ist oder sich das Paar unterwegs verkracht, eskaliert die Situation im Steilhang schnell.

Das Problem: Wer einfach davonrennt, lässt den Partner oft ohne Handyempfang, Orientierung oder fremde Hilfe in einer gefährlichen Sackgasse zurück. Das ist kein Einzelfall, sondern hat System und darum hat das Phänomen sogar einen eigenen Begriff: «alpine Scheidung».

Wenn der Partner plötzlich verschwindet

«Es ist eine so häufige Sache», sagt Julie Ellison, ehemalige Chefredakteurin des Magazins Climbing und heutige Outdoor-Fotografin, zur britischen Zeitung «Guardian». Und weiter: «Es gibt dieses männliche Ego-Element, das nicht unbedingt böse oder böswillig gemeint ist, aber es hat normalerweise einen negativen Einfluss auf den Partner, der zurückgelassen wird.»

Auch Experten warnen: Die Outdoor-Kultur feiert oft Härte, Durchhalten und Unabhängigkeit – Werte, die in der Natur zwar wichtig sind, in Beziehungen aber schnell gefährlich werden können. Wer im Gelände nicht aufeinander achtet, riskiert mehr als nur Streit.

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«Er hat mich allein gelassen»

Auf Social Media beschreiben betroffene Frauen das Phänomen immer gleich: Beim Wandern oder Klettern läuft der Partner plötzlich davon. Sei es, weil er zu schnell geht und nicht wartet oder weil er nach einem Streit wütend davonstürmt. Das bittere Ende vom Lied: Die Frauen werden schlicht im Gelände ausgesetzt. Nach solchen Touren folgt meist die Trennung.

Ein TikTok-Video mit über 4,2 Millionen Likes zeigt eine Frau, die weinend und erschöpft einen felsigen Abstieg bewältigt. Ihre Worte: «Er hat mich allein gelassen, ich hätte nie mit ihm kommen sollen.» Der Clip ging viral – und löste eine Welle ähnlicher Geschichten aus.

Eine Nutzerin berichtet von einer zwölfstündigen Rückreise aus dem Grand Canyon, nachdem ihr Partner sie zurückgelassen hatte. Hilfe bekam sie später zufällig von einem fremden Wanderer aus Norwegen. 

Der Fall Grossglockner landete vor Gericht

Dass dieses Verhalten tödliche Folgen haben kann, zeigt ein Drama in Österreich. Thomas P.* (37) liess seine Freundin Kerstin G.* im Jahr 2025 während einer Tour am Grossglockner, dem höchsten Berg des Landes, zurück. Die beiden waren gemeinsam unterwegs, doch im Verlauf der Wanderung kam es offenbar zu Spannungen und einer Trennung auf dem Weg.

Die Frau blieb schliesslich allein im alpinen Gelände zurück – und überlebte die eisige Bergnacht nicht. Rettungskräfte konnten nur noch ihren Tod feststellen. Der Fall sorgte für grosse Bestürzung. Jetzt zog die Justiz die Konsequenzen: Ein Gericht in Innsbruck verurteilte den Mann im Jahr 2026 zu fünf Monaten Haft.

Eine frühere Freundin sagte später aus, der Mann habe sie bereits 2023 während einer gemeinsamen Wanderung auf einem Weg zurückgelassen. «Das war also die letzte Bergexpedition, die wir gemeinsam unternommen haben», so ihre Aussage. Der Eindruck eines wiederkehrenden Musters stand damit früh im Raum.

* Name bekannt 


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