Darum gehts
- RCS 3.0 bringt verschlüsselte Nachrichten zwischen iPhone und Android, ohne Zusatz-App
- In der Schweiz bleibt verschlüsseltes RCS vorerst inaktiv, Einführung aber ab 2026 geplant
- Salt erwartet frühestens 2027, Sunrise schweigt, Swisscom «von Herstellern abhängig»
Es ist das Ende einer Ära. Jahrelang war der Short Message Service, kurz SMS, das Fossil auf unseren Handys: unsicher, veraltet und so nützlich für die Kommunikation wie ein Fax im Glasfaserzeitalter. Wer Bilder, Videos oder sensible Infos verschicken wollte, flüchtete zu Whatsapp, Signal oder Threema.
Jetzt kommt ein neuer Standard, der die reguläre Nachrichten-App sicherer macht: Ende-zu-Ende-verschlüsselte RCS (Rich Communication Services). Das Universal Profile 3.0 verspricht mehr Sicherheit. Bisher war es so: Wer von iPhone zu iPhone schrieb (iMessage) oder innerhalb der Android-Welt (Google Messages) kommunizierte, war geschützt unterwegs. Doch beim Brückenschlag zur «anderen Seite» war diese Sicherheit dahin: Man landete bei der unsicheren und unverschlüsselten SMS.
RCS: SMS auf Steroiden
Mit dem neuen RCS 3.0 laufen die Nachrichten in Zukunft nicht mehr über die alten Telefonprotokolle, sondern als verschlüsselte Datenpakete – und zwar plattformübergreifend. Der Clou: Man braucht keine zusätzliche App für die Kommunikation zwischen iPhone und Android. Neben verbesserter Sicherheit bringt RCS 3.0 weitere Funktionen, die man bisher nur von anderen Messengern kennt, direkt in jede Nachrichten-App: RCS sind quasi SMS auf Steroiden. Man sieht neu endlich, ob die Nachricht angekommen ist und das Gegenüber gerade etwas schreibt. Nachrichten können nachträglich bearbeitet, der Versand rückgängig gemacht oder mit beliebigen Emojis (Tapbacks) kommentiert werden. Fotos und Videos werden ausserdem in höherer Auflösung verschickt. Ein Schloss-Symbol über der Konversation signalisiert künftig, dass die Verbindung verschlüsselt ist. Wer maximale Privatsphäre will, sollte trotzdem bei Signal und Co. bleiben: RCS verschlüsselt zwar neu den Inhalt, nicht aber die Metadaten, also wer wann mit wem schreibt.
Damit das funktioniert, müssen Android-Nutzer sicherstellen, dass ihre Google-Messages-App auf dem neuesten Stand ist. iPhone-Nutzer müssen auf die Betriebssystemversion iOS 26.5 aktualisieren und in den Einstellungen > Apps > Nachrichten den Punkt RCS-Nachrichten aktivieren. Doch jetzt kommt das grosse «aber». Noch sieht man diesen Punkt hierzulande nicht in den Einstellungen.
Schweiz im Funkloch
Denn beim Blick auf die Verfügbarkeit folgt die Ernüchterung. Ennet der Grenze, in Deutschland und Österreich, ist die Zukunft angekommen und in der Testphase. Die Schweizer Provider hingegen wirken wie müssige Mobilfunker. Wieso? Blick hat nachgefragt: «Swisscom arbeitet mit Apple und Google zusammen, um den RCS-Service 2026 lancieren zu können», erklärt Mediensprecherin Annina Merk. Man sei jedoch bei der Freigabe von den Herstellern abhängig und könne deren Rolloutplan nicht direkt beeinflussen, heisst es. Salt geht davon aus, dass «eine Verfügbarkeit frühestens ab dem zweiten Quartal 2027 möglich sein wird». Sprecherin Ana Biljaka verweist auf «technische Entwicklungen und Vorgaben der Plattformanbieter», die diesen Zeitplan bremsen. Kurios: Sunrise hüllt sich komplett in Schweigen. Aus «Wettbewerbsgründen» gebe man «keine weiteren Details bekannt», sagt PR-Director Rolf Ziebold.
Besser spät als nie?
Die Frage bleibt: Kommt dieser Vorstoss in einen Markt, wo Whatsapp de facto Standard ist, überhaupt rechtzeitig? Das fragen sich auch hiesige Provider. Aus Sicht von Salt ist das plattformübergreifende RCS eine relevante Weiterentwicklung der klassischen SMS mit mehr Sicherheit und besserer Nutzererfahrung. «Gleichzeitig ist der Schweizer Messaging-Markt heute stark von internetbasierten Diensten geprägt», so Biljaka.
Die Idee eines sicheren Standards ohne Drittanbieter-Zwang ist zwar toll, doch die Umsetzung war ein Trauerspiel in Zeitlupe. Google hatte RCS für Android-Nutzer schon vor Jahren im Alleingang eingeführt, während Apple den Standard blockierte. Erst externer Druck zwang die iPhone-Macher zum Einlenken – allerdings nicht aus Brüssel, sondern aus Peking, berichtet der Tech-Blogger John Gruber mit Verweis auf interne Quellen beim Hersteller. Denn in China verlangen neue Regeln RCS-Unterstützung auf allen Geräten. Die Zukunft ist ungewiss: «Ob und in welcher Form RCS langfristig zu einer stärkeren Nutzung providerbasierter Messaging-Dienste beitragen kann, wird wesentlich von der Akzeptanz bei Kundinnen und Kunden sowie der weiteren Entwicklung des Standards abhängen», sagt Biljaka.