Darum gehts
- Schweizer Handys wechseln im Grenzgebiet oft ins ausländische Mobilfunknetz
- 74 Prozent berichten von Netzwechseln, 29 Prozent erlebten hohe Kosten
- Bundesrat lehnt EU-Roaming-Verhandlungen ab, trotz Beschwerden
Wer am Grenzgebiet lebt oder Ferien macht, kennt es sicher: Eine SMS vom Mobilfunkanbieter taucht auf dem Handy auf. Man befinde sich im ausländischen Netz, obwohl man noch auf Schweizer Boden ist. Dieses Problem kennen viele, auch auf der anderen Seite.
In Baden-Württemberg wurde nun ein Vorstoss gegen das Problem eingereicht. Im Bundesrat wehrt man sich jedoch gegen ähnliche Bemühungen. Dort hält man Verhandlungen zum Beitritt in das EU-Roaming-Abkommen derzeit für «nicht opportun». Das, obwohl viele Schweizer von dem Netzchaos betroffen sind.
In einer Blick-Umfrage mit über 3800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gaben ganze 74 Prozent an, dass sich ihr Handy schon mal im Grenzgebiet ins ausländische Netz eingewählt hat. Zwar hatten 45 Prozent damit keine Probleme, die anderen 29 Prozent erhielten teure Handyrechnungen.
11 Prozent gaben des Weiteren an, dass ihnen so etwas ab und zu passiert, während 15 Prozent so etwas noch nie erlebt haben. In den Kommentaren teilen Leser ihre Erfahrungen.
«Mein Handy verbindet sich täglich mit drei verschiedenen Netzen»
Urs Tschopp berichtet von sich selbst: «Das ist ganz normal bei uns in Basel-Kleinhüningen, man ist immer im deutschen Netz. Aber als kleine Schweiz hat man keine Chance, was dagegen zu tun.» Auch Karl Adler schreibt Ähnliches: «Ich wohne im Appenzeller-Vorderland. Mein Handy ist praktisch IMMER im deutschen Netz, weil wir so einen himmeltraurigen Empfang haben.»
Hans Limacher erlebt Ähnliches bei der Anfahrt an die Grenze: «Oft wird schon fünf bis acht Kilometer vor der Grenze die Deutsche Telekom auf meinem Handy angezeigt.» Er fragt sich, warum die Regierung die Sache totschweige.
«Roaming-Gebühren gehören längst abgeschafft»
Viele in der Leserschaft kritisieren den Bundesrat in der Angelegenheit. Heidi Keller schreibt: «Roaming-Gebühren gehören schon längst abgeschafft, der Bundesrat müsste handeln.» Das tue er aber nicht, weil Lobbyisten der Telefonanbieter in Bern gut daran verdienen würden. Sie fügt an: «Und wieder einmal werden wir abgezockt.»
Roaming bedeutet vereinfacht gesagt, dass ein Handy im Ausland (oder manchmal auch in Grenznähe) das Mobilfunknetz eines fremden Anbieters nutzt. Telefoniert, gesurft oder gestreamt wird dann über dieses Netz.
Die Schweizer Mobilfunkanbieter bezahlen den ausländischen Anbietern eine Gebühr, damit man als Schweizerin oder Schweizer deren Netz nutzen kann – oftmals zu einem Aufpreis.
Roaming bedeutet vereinfacht gesagt, dass ein Handy im Ausland (oder manchmal auch in Grenznähe) das Mobilfunknetz eines fremden Anbieters nutzt. Telefoniert, gesurft oder gestreamt wird dann über dieses Netz.
Die Schweizer Mobilfunkanbieter bezahlen den ausländischen Anbietern eine Gebühr, damit man als Schweizerin oder Schweizer deren Netz nutzen kann – oftmals zu einem Aufpreis.
Hans-Rudolf Freund stimmt zu: «Schon klar, warum der Bund nicht will. Das würde weniger Geld in die Kassen bringen.» Und Daniel Stufer kritisiert: «Das ist extrem mühsam, und völlig unnötig. Die ganze EU kommt ohne Roaming aus, nur der Sonderfall Schweiz wieder Mal nicht.»
«So hat man keine Überraschungen nach den Ferien»
Die Gegenposition versucht, den Betroffenen praktische Tipps zu geben. So Lukas Perossi: «Ich empfehle, per App oder Webseite das Roaming-Budget selber einzustellen! So hat man keine Überraschungen nach den Ferien.»
Eine andere Strategie verfolgt Stefan Füldner: «Darum habe ich für Deutschland eine Sim und ein Natel mit zwei Kartenslots. Einfach an der Grenze umschalten.»
Marcel Lüthi setzt auf eine noch unkompliziertere Lösung: «Endgeräte kann man auch fix auf einen Provider einstellen. Oder einfach das Roaming ausschalten.»