Darum gehts
- Eine Fake-Version der Krypto-App Ledger klaute 7,4 Millionen Franken von 50 Nutzern
- Opfer tippten ihre geheimen Wiederherstellungsphrasen in die App, dann war alles weg
- Apple hat die App inzwischen entfernt
Der Musiker G. Love hatte jahrelang Bitcoin gespart. Dann lud er auf seinem neuen Mac eine App herunter und verlor alles. «Mein Erspartes weg. In Sekunden», schrieb er auf X. 5,9 Bitcoin, rund 340'000 Franken, verschwanden im Handumdrehen. Die Story des US-Musikers ist kein Einzelfall.
Zwischen dem 7. und 13. April kursierte im offiziellen App-Store von Apple eine gefälschte Version von Ledger Live, einer App zur Verwaltung von Kryptowährungen. Die App stammt vom Publisher Leva Heal Limited. Das Konto hat nichts mit dem echten Ledger-Entwicklerteam zu tun.
9,5 Millionen Dollar flossen ab
Der Ablauf des Betrugs war relativ simpel. Die App forderte Nutzer auf, ihre sogenannte Seed Phrase einzugeben. Das ist eine Abfolge von bis zu vierundzwanzig Wörtern, die als Generalschlüssel für die gesamte Krypto-Wallet dient. Wer sie eingibt, gibt den Angreifern vollständigen Zugriff. Das Geld wurde nach der Eingabe innerhalb von Sekunden transferiert. Insgesamt flossen 9,5 Millionen Dollar ab, also umgerechnet rund 7,4 Millionen Franken (Stand 16. April 2026).
Was viele nicht wussten: Ledger bietet bietet die Mac-App ausschliesslich auf der eigenen Website an, aber nicht über den App-Store. Diese Lücke nutzten die Täter aus. Und die Betrüger haben sich Mühe gegeben: Innerhalb von wenigen Tagen veröffentlichten sie gleich mehrere Versionen, um Usern eine seriöse Historie vorzutäuschen. Apple prüft Apps vor der Veröffentlichung. Wie die Fälschung in den Store kam, ist zurzeit unklar.
Geld floss zu Krypto-Börse
Der Blockchain-Ermittler ZachXBT verfolgte die Transaktionen und fand drei Opfer. Die verloren in den Währungen Bitcoin, Ethereum, Solana, Tron und XRP umgerechnet je 3,2 Millionen, 2,08 Millionen und 1,95 Millionen Dollar. Die Beute landete dann bei der Kryptobörse Kucoin, wo sie durch über 150 Adressen lief. Von dort floss das Geld zu einem sogenannten Mixing-Dienst, der gegen hohe Gebühren die kriminelle Herkunft von Krypto-Geldern verschleiert.
Kucoin hat die betroffenen Konten gesperrt. 2025 musste Peken Global Limited, der Mutterkonzern von Kucoin, in den USA rund 300 Millionen Dollar Strafe wegen der Verletzung von Geldwäschevorschriften zahlen. Im Februar 2026 verbot die österreichische Finanzmarktaufsicht der Kryptobörse neue User aus der EU aufzunehmen.
Droht Apple nun Sammelklage?
Apple hat die Fake-Ledger-App inzwischen aus dem Store entfernt. Eine Stellungnahme blieb bisher aus. ZachXBT schreibt, der Fall könnte zur Grundlage einer Sammelklage gegen Apple werden, schreibt die Plattform coindesk.com. Die Frage: Warum schlüpfte die gefälschte App durch die Überprüfung? Für G. Love und die anderen Opfer kommt dies zu spät. «Alles weg, wofür ich zehn Jahre gearbeitet habe», schrieb er. «Seid vorsichtig da draussen.»