«Ich bin ein Nerd»
Er machte den grössten Schweizer Krypto-Deal der Geschichte

Hany Rashwan hat sein Schweizer Krypto-Start-up für über eine Milliarde an eine US-Firma verkauft. Der 35-jährige Ägypter zählt damit zu den reichsten Unternehmern unter 40 Jahren. Jetzt hat er neue Pläne.
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Hany Rashwan bezeichnet sich selber als Nerd. Sein Umfeld sieht ihn als Unternehmer, der Trends früh erkennt, aber nicht auf jeden Hype aufspringt.
Foto: Gian Marco Castelberg für BILANZ

Darum gehts

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Erich Bürgler
Bilanz

Zu Hause bei Hany Rashwan liegen im Wohnzimmer PlayStation und Nintendo Switch bereit. Die Weltraumrakete aus Legosteinen daneben befindet sich noch im Bau. Schon fertiggestellt sind hingegen ein Bonsai-Baum und die Cheopspyramide von Lego, die oberhalb des Fernsehers platziert sind. «Schlussendlich bin ich ein Nerd», sagt Rashwan und strahlt dabei. Viel Zeit zum Spielen hatte er zuletzt allerdings nicht. Die vergangenen Monate waren hektisch. Er hat gerade sein 2018 gegründetes Schweizer Unternehmen 21Shares verkauft. Über eine Milliarde Dollar war das auf börsengehandelte passive Kryptoprodukte spezialisierte Unternehmen laut Marktschätzungen dem Käufer wert. Neuer Besitzer: die US-Handelsplattform FalconX. Schon vor dem Deal stand der 35-jährige Ägypter in der BILANZ-Liste der 300 Reichsten, bei den Vermögenden unter 40 steht er in der Rangliste der Unternehmer ganz oben.

Dass Hany Rashwan den Besuch nicht in einem Büro oder Sitzungszimmer zum Gespräch empfängt, sondern in seiner Wohnung mitten in der Zürcher Altstadt, hat einen guten Grund: Hier startete er mit der heute 32-jährigen Ophelia Snyder in einer dreistöckigen Wohngemeinschaft das gemeinsame Business. Statt einer Couch standen im ersten Geschoss im hohen Raum mit Blick auf die Limmat die Schreibtische für die Mitarbeitenden. Darüber waren die Schlafzimmer von Rashwan und Snyder. Eine steile Holztreppe führt ins ehemalige Sitzungszimmer unter einer markanten Dachschräge, getragen von schweren, dunklen, gealterten Holzbalken. Früher standen hier Whiteboards, Laptops und halbvolle Kaffeetassen, heute ist der Raum ein Gästezimmer.

Die Mütter gaben den Impuls

Auf die Idee, 21Shares zu gründen, brachten die seit dem Studium befreundeten Geschäftspartner ihre Mütter, erzählt Rashwan. Sie investierten schon früh in Kryptowährungen, hatten aber mit komplexen Prozessen beim Kauf zu kämpfen, die zudem mit Risiken verbunden waren. «Es gab zwar schon Produkte am Markt, aber sie waren unsicher, einige der Firmen gingen in Konkurs.» Die beiden Freunde wollten das ändern. «Wir dachten: Wie schwer kann es schon sein, zuverlässige Kryptoprodukte anzubieten? Am Ende stellte sich heraus: sehr schwer. Aber das wussten wir damals nicht», sagt Rashwan.

Artikel aus der «Bilanz»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

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Vom Potenzial von Kryptowährungen war Rashwan selbst derweil nicht von Anfang an überzeugt. Er zählt nicht zu den Bitcoin-Pionieren, die das 2008 veröffentlichte Whitepaper gelesen und sich von der Vision eines dezentralen, technisch völlig neuen Geldsystems haben begeistern lassen – im Gegenteil: «Als ich das erste Mal von Bitcoin hörte, hielt ich das für ziemlich nutzlos.» Das war um das Jahr 2011, genau kann er sich nicht erinnern. Er lernte damals Tim Draper kennen, einen Kryptovordenker aus dem Silicon Valley. Der erzählte ihm vom Potenzial der Kryptowährung und schenkte ihm Bitcoin im Gegenwert von rund 50 Dollar auf einem Flashdrive. Rashwan hörte zu, hatte aber anderes im Sinn – er war gerade damit beschäftigt, eines seiner früheren Start-ups aufzubauen –, und den USB-Stick verlor er irgendwann. Heute wäre er Hunderttausende Franken wert.

Er hat nicht nur viele Regionen der Schweiz bereits bereist – er kennt sich auch in der Geschichte des Landes bestens aus.
Foto: Gian Marco Castelberg für BILANZ

Erst Jahre später weckte Bitcoin sein Interesse. «Menschen aus Ländern, die in einer Wirtschaftskrise steckten, wählten als Fluchtwährung Bitcoin. Das öffnete mir die Augen», sagt Rashwan. «Die Grundidee hinter Bitcoin ist eine dezentralisierte, nicht staatlich, sondern von der Allgemeinheit kontrollierte Währung – dafür sehe ich weiterhin ungebrochene Nachfrage.»

Kursrückschläge von Bitcoin, wie sie in den vergangenen Monaten passierten, sieht Rashwan nur als vorübergehende Phase. «Ich denke, dass Bitocin locker die Marke von einer Million Dollar erreichen kann.» Den Zeitrahmen, in dem das passieren soll, hält er derweil weit offen. «Das kann in fünf oder in zwanzig Jahren passieren.» Kritikern, die der Ansicht sind, dass Kryptoanlagen als Spielgeld betrachtet werden sollten und sich angesichts eines fehlenden materiellen oder staatlich garantierten Wertes für den langfristigen Aufbau von Vermögen nicht eignen, hält er entgegen: Die Anzahl Bitcoins sei auf 21 Millionen beschränkt und die Währung deshalb wie Gold eine endliche Ressource. Dies im Gegensatz zu traditionellen Währungen. «Das Angebot ist beschränkt, aber immer mehr Menschen nehmen Bitcoin in ihre Anlagestrategie auf.» Dieser Trend werde auch auf längere Sicht Bestand haben. «Viele Länder halten zudem mittlerweile Bitcoin als strategische Reserven.»

Grösster Schweizer Kryptodeal

Ein Durchbruch für die Kryptounternehmen war die Zulassung der ersten Bitcoin-ETFs in den USA Anfang 2024, womit eine neue Anlageklasse entstand. Danach sorgte der Amtsantritt des Kryptofans Donald Trump für Euphorie in der Branche. Einen Monat nach seiner Wahl durchbrach der Bitcoin die Marke von 100’000 Dollar. Trump hat zuletzt angekündigt, verschiedene Kryptos für den Aufbau strategischer Währungsreserven zu verwenden. Zudem will er die private Altersvorsorge in den USA für Digitalwährungen öffnen. Trotz dieser positiven Nachrichten brachen die Kryptowährungen in den letzten Wochen zeitweise ein. Der Bitcoin-Kurs schwankte stark. Die Angst vor überhitzten Technologieaktien greift zunehmend auf den Kryptomarkt über. Beide Bereiche sprechen ein ähnliches Anlegerprofil an und reagieren entsprechend sensibel auf Stimmungsschwankungen. Doch im längerfristigen Vergleich zeigt die digitale Währung einen eindrücklichen Aufwärtstrend.

US-Präsident Donald Trump ist ein grosser Kryptofan. Jamie Dimon, Chef der grössten US-Bank J.P. Morgan, äusserte sich dagegen öfter kritisch zu Bitcoin.
Foto: Getty

21Shares verwaltete beim Verkauf an FalconX Vermögen von über elf Milliarden Dollar und hat über 50 verschiedene Produkte im Angebot, die an zwölf Börsen gehandelt werden. Seit Bekanntgabe des Deals im Oktober sind die verwalteten Vermögen allerdings aufgrund der jüngsten Kursentwicklungen vorerst deutlich gesunken. Der Zeitpunkt für einen Verkauf war ideal, sagen Stimmen aus der Szene. Dies, weil Riesen wie Blackrock ins ETF-Business eingestiegen sind und für mehr Konkurrenz sorgen. Die Bewertung von 21Shares war nach einer Investitionsrunde im Jahr 2022 laut der Agentur Reuters schon mal bei zwei Milliarden Dollar. Doch selbst mit dem in der Branche geschätzten Betrag von gut einer Milliarde ist der Verkauf an FalconX auch aus internationaler Perspektive eine bedeutende Transaktion im Universum der Kryptounternehmen. Weil rund die Hälfte des Kaufpreises in Aktien floss, gehört Rashwan Family Office nun zu den grössten Aktionären von FalconX, sitzt aber weder in deren Verwaltungsrat, noch hat er eine operative Funktion inne. Zuvor besassen er mit seiner Familie und Ophelia Snyder rund 70 Prozhent an 21Shares. 

Denn Rashwan sprich immer von «wir» und meint damit seine Familie. Das Family Office der Rashwans war im Unternehmen 21Shares investiert. «Meine Familie hat mich in all meinen Start-up-Projekten unterstützt», sagt er ohne Umschweife. Die Familie betreibt unter anderem Spitäler in den USA und im Nahen Osten. Sein Vater ist Mediziner, wie viele andere Mitglieder der Familie. Die Affinität zu Technologie weckte sein Grossvater, der ihm seinen ersten Computer kaufte. Damals war Rashwan gerade mal elf Jahre alt und lebte in der ägyptischen Stadt Alexandria. Der Grossvater, ein ehemaliger Armeegeneral, war Kryptologe, knackte Codes für die Entschlüsselung von Nachrichten und machte nach seiner Pensionierung einen Abschluss in Computerwissenschaften. Von ihm erwarb Rashwan seine ersten Programmierkenntnisse, und schon bald setzte er diese erfolgreich kommerziell ein. Mit 14 Jahren betrieb Rashwan Gaming-Websites, die ihm mit Werbegeldern Einnahmen von mehreren Hunderttausend Dollar bescherten. Nicht alle späteren Aktivitäten, für die er nach San Francisco zog, waren erfolgreich. «Mein erstes Start-up war eine ziemliche Katastrophe, und ich lernte dabei vor allem, wie man es nicht machen sollte.» Das war eine Paymentservice-Firma. Sein zweiter Versuch war ein «moderater Erfolg», ein Fintech namens Payout, das er 2016 verkaufte.

Die Schweiz schlägt Dubai

Danach vergingen von der Idee der Gründung eines Kryptounternehmens bis zur Wahl des Standorts in der Schweiz eineinhalb Jahre. Hany Rashwan und Ophelia Snyder sprachen mit Dutzenden von Behörden aus verschiedenen Ländern. Am Schluss waren neben der Schweiz noch Singapur und Dubai im Rennen. Zug war als «Crypto Valley» in der internationalen Szene ein Begriff. Der damalige Bundesrat Johann Schneider-Ammann rief 2017 gar die «Crypto Nation Switzerland» aus, und Ueli Maurer besuchte fleissig Start-ups aus der Szene. Das machte Hany Rashwan Eindruck. Die Botschaft der Regierung war klar: Die Schweiz heisst Unternehmen aus der Branche willkommen und räumt Hindernisse aus dem Weg.

Mittlerweile wird die Kryptoindustrie erwachsen. In der Schweiz haben sich verschiedene Player etabliert. Darunter der Kryptobroker Bitcoin Suisse, der mit der Gründung im Jahr 2013 als Schweizer Pionier gilt – Turbulenzen inklusive. Nach einem verlustreichen Jahr 2022 wurde ein Drittel der Belegschaft entlassen. Ein Jahr davor hatte die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma dem Unternehmen wegen «Mängeln im Geldwäscherei-Abwehrdispositiv» die Banklizenz verweigert. Inzwischen hat der Firmen-Mitgründer Andrej Majcen den CEO-Posten übernommen und treibt die internationale Expansion voran. Das in Zug ansässige Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitenden schrieb zuletzt Gewinne.

Eine Schweizer Banklizenz besitzt die Zürcher Sygnum Bank. Unter der Leitung des Mitgründers Mathias Imbach hat das auf Dienstleistungen rund um digitale Vermögenswerte spezialisierte Institut nach einer Finanzierungsrunde Anfang 2025 mit einer Bewertung von über einer Milliarde Dollar den Einhorn-Status erreicht. Das Angebot reicht von Krediten gegen Kryptosicherheiten über die Verwahrung digitaler Währungen bis hin zum regulierten Handel für Privatkunden und institutionelle Anleger. Mit der Zuger Amina Bank verfügt ein zweites Institut über eine Finma-Lizenz.

Rashwans Vision war es, Kryptowährungen in einfach handelbare Produkte zu verpacken. Die Umsetzung der Idee entpuppte sich als sehr anspruchsvoll.
Foto: PR

Daneben produzierte die Schweizer Kryptoszene auch Flops wie Monetas, Covario und zuletzt das Ende der Kryptohandelsplattform Lykke. Allerdings sind derartige Fehlschläge in der Start-up-Welt keineswegs ein exklusives Merkmal von Kryptofirmen.

Dem Erfolg von 21Shares zollen Branchenkenner grossen Respekt. Mathias Ruch, CEO der auf Blockchain fokussierten Venture-Capital-Firma CV VC bezeichnet Rashwan als Visionär mit viel Umsetzungskraft. «Das ist eine tolle Leistung der Gründer. Sie hatten früh die Idee, Bitcoin und andere Kryptowährungen in einfach handelbare Produkte zu verpacken, und sie haben das konsequent durchgezogen.»

Nicolo Stöhr, CEO der Crypto Finance Conference, eines der global wichtigsten Krypto-Kongresse, der jeweils in St. Moritz stattfindet, spricht von einer grossen Erfolgsgeschichte für die Schweiz. «Die Übernahme durch FalconX ist in ihrer Dimension international bedeutsam – und einen Deal dieser Grössenordnung hat es in der Kryptobranche in der Schweiz noch nie gegeben.» Die Transaktion sei Beleg dafür, dass 21Shares auf einem soliden Fundament stehe.

Mitunter vollzogen etablierte Finanzinstitute eine Kehrtwende beim Thema digitale Assets. Darunter Koryphäen wie Jamie Dimon, CEO der grössten US-Bank J.P. Morgan. 2017 sagte er an einer Investorenkonferenz, er würde jeden J.P.-Morgan-Trader «innerhalb einer Sekunde feuern», wenn er ihn beim Handel mit Bitcoin erwische. Mittlerweile kann auch die Kundschaft von J.P. Morgan Bitcoin kaufen, und vor einigen Monaten hat die Bank eine strategische Partnerschaft mit der Kryptohandelsplattform Coinbase bekannt gegeben. Die Anlageberater der Bank of America empfehlen neu einen Bitcoin-Anteil von bis zu vier Prozent im Portfolio, wie das Institut jüngst informierte. Marktkenner erwarten, dass bald weitere M&A-Aktivitäten und Partnerschaften folgen werden. «Auch traditionelle Firmen aus der Finanzindustrie sind an der Branche interessiert», sagt Mathias Ruch.

Lieber Start-up als Studium

Vom Deal zwischen 21Shares und FalconX soll der Standort Schweiz profitieren. Die Büros von 21Shares mit über 50 Mitarbeitenden sind mittlerweile wenige Gehminuten vom Paradeplatz entfernt gelegen. «Ich bin überzeugt, dass 21Shares mit FalconX in Zürich weiter wachsen wird», sagt Rashwan.

Seine nächsten Projekte will er aus der Schweiz heraus angehen. Die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor funktioniere und die Schweiz habe eine lange Tradition, sich für Innovationen zu öffnen, sagt der Entrepreneur, der einst sein Studium in Computerwissenschaften abgebrochen hat. Zum Bachelor trieb ihn weniger eigener Ehrgeiz als das Unbehagen seiner Mutter, die den Gedanken kaum ertrug, einen Sohn ohne Uni-Abschluss zu haben. Er entschied sich für ein Geschichtsstudium an der Columbia University in New York. Sein Interesse an historischen Zusammenhängen ist unverkennbar. Gleich um die Ecke seiner Altstadtwohnung liegt die Froschaugasse. «Dort gründete Christoph Froschauer 1519 eine Druckerei, aus der später Orell Füssli entstand, eines der ältesten Unternehmen der Schweiz», erzählt Rashwan begeistert.

Solche historischen Exkurse ist sein Umfeld längst gewohnt. «Hany kennt die Geschichte und das politische System der Schweiz ausgesprochen gut, und er hat viele Regionen des Landes bereist», sagt Julian Bär, der Gründer des Vermögensverwalters Arctos Capital und Nachkomme der Gründerfamilie der Bank Julius Bär. Er hat Hany Rashwan vor mehr als zehn Jahren in den USA kennengelernt und ihm viel von der Schweiz erzählt. «Er verfügt über eine Weitsicht, erkennt Trends, rennt dabei aber nicht jedem Hype hinterher», sagt Bär.

Einer, der Rashwan besonders gut kennt, ist sein enger Freund Naguib Sawiris. «Ein Abendessen mit Hany wird schnell zur Geschichtslektion über Ägypten, die USA oder die Schweiz», sagt der 34-Jährige, der mit seinem Vater Samih Sawiris den Immobilienbetreiber Andermatt Swiss Alps managt und Präsident von Orascom Development ist, die in Ländern wie Ägypten Ferienresorts entwickelt hat. Naguib und Hany kennen sich aus ihren Gründerjahren in San Francisco, wo sie um das Jahr 2011 parallel versuchten, ihre Start-ups zum Fliegen zu bringen. Sie tauschten Tipps aus, teilten ihre Erfolge und Rückschläge und wurden später zu Investoren in den Geschäften des anderen. «Naguib ist wie ein Bruder für mich», sagt Rashwan.

Investitionen in den Tourismus

Von der Schweiz aus arbeiten die beiden auch an gemeinsamen Projekten für die Zukunft. Rashwan will mit der Familienholding Amun, die ihren Sitz gerade von Zypern in die Schweiz verlegt, unter anderem in Tourismusprojekte in Ägypten investieren. Das Land, das zuletzt jährlich rund 16 Millionen Besucherinnen und Besucher verzeichnete, habe noch viel Potenzial. «Die Regierung will bis 2030 rund 30 Millionen Touristen anziehen. Dazu braucht es etwa 300’000 neue Zimmer.» Interessant seien einerseits die Regionen rund ums Rote Meer, aber auch das Zentrum der ägyptischen Hauptstadt. «Wir schauen uns Investitionen rund um den Bereich Gesundheit in Verbindung mit Tourismus an, insbesondere in El Gouna. Wir glauben, dass es in diesen Bereichen eine wachsende Nachfrage gibt», sagt er. Ein weiteres Thema brennt Rashwan unter den Nägeln: der Energiesektor. «Historisch gilt Energie als Infrastrukturinvestition. Ich glaube jedoch, dass der Sektor in den nächsten Jahren durch den Einfluss von KI und Krypto Renditen wie im Private-Equity- oder gar Venture-Capital-Bereich erzielen wird.» Der Energieverbrauch werde dramatisch zunehmen. Der derzeitige Boom von KI-Sprachmodellen wie ChatGPT und Gemini, aber auch das Schürfen von Kryptowährungen treibt den Strombedarf rasant in die Höhe. «Wind- und Sonnenenergie, Wasser- oder Kernkraft – wir müssen viel mehr in die Stromgewinnung investieren», sagt Rashwan. Dabei gebe es Möglichkeiten von Grönland bis Nordafrika, um Kapazitäten auszubauen. «Ich interessiere mich sehr für den Energiesektor und seine Verknüpfung mit Technologie.» Die Familienholding der Rashwans besitzt bereits eine Beteiligung an Radiant, einem auf portable Mini-Kernreaktoren spezialisierten Unternehmen.

Dabei soll es nicht bleiben. Hany Rashwan wälzt rund 50 Ideen. «Ich verbringe viel Zeit damit, herauszufinden, was ich zuerst anpacken soll, wie ich es am besten tue und in welcher Reihenfolge», sagt er und fügt an: «Ich plane weiterhin, gemeinsam mit meiner Familie in der Schweiz zu investieren.» Fintech sei nach wie vor ein Thema, das in sehr interessiere.

Ophelia Snyder und Hany Rashwan verkauften ihr gemeinsames Start-up für über eine Milliarde Dollar.
Foto: Keystone

Und da ist noch die Rashwan Family Foundation. «Wir haben die gemeinnützigen Aktivitäten meiner Familie gerade in einer neuen Schweizer Stiftung gebündelt. Wir fokussieren uns auf Investitionen in die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Ägyptens.» Seine Frau Serra, die bis vor Kurzem für ein Tech-Unternehmen in den USA tätig war, möchte sich künftig in diesen Projekten engagieren.

Hany Rashwan will sich nach der hektischen Phase im Vorfeld des Verkaufs seines Start-ups auch etwas Zeit nehmen, um die Batterien aufzuladen. «Ich will einfach einen Schritt zurückzutreten, um nachzudenken, denn ich war so sehr in meiner eigenen kleinen Welt gefangen, dass ich meine Sicht auf das globale Umfeld vielleicht erst wieder auffrischen muss.»

In der Schweiz steht ein Besuch bei Naguib Sawiris in Andermatt fix auf dem Programm. «Ich kann Ski fahren, wenn auch nicht wirklich gut.» Und wie sieht das sein bester Freund? «Hany ist ein herausragender Unternehmer, aber ich glaube, er fährt immer noch Ski wie ein Ägypter», stichelt Sawiris. In Andermatt wird Hany Rashwan jedenfalls in Zukunft öfter anzutreffen sein. Eine Ferienwohnung im neusten Sawiris-Projekt «The Alpinist» hat er bereits reserviert.

Womöglich macht er diesen Winter auch einen Abstecher nach Ägypten. Abschalten beim Wassersport am Roten Meer – vom Tauchen bis zum Speerfischen –, so kann er den Kopf freibekommen. Und auch Raubfische können ihn dabei nicht aus der Ruhe bringen. Einem Hai zu begegnen, sei etwas völlig Normales. Im Wasser fühlt er sich zweifellos heimischer als auf dem Schnee. «Europäer sind gute Skifahrer, haben aber Angst vor Haien. Wir sind keine guten Skifahrer, dafür schwimmen wir mit Haien.» Weitblick zu haben, bedeutet für Hany Rashwan auch, zwischendurch abzutauchen – im Roten Meer, in den Bergen oder gelegentlich an der PlayStation.

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