Darum gehts
- Gebrauchtes iPhone 13 verliert kaum noch an Wert: 3 statt 25 Prozent
- Händler Digitec verkauft gleich viele Handys, die Preise stiegen nur leicht
- Digitalexperte rät: Zielpreis setzen statt auf den perfekten Moment warten
Ein gebrauchtes iPhone 13 verlor beim Schweizer Händler Revendo bisher jedes Jahr rund ein Viertel seines Werts. Dieses Jahr sind es nur gerade drei Prozent. Seit Juni steigt der Preis sogar wieder – und das im Sommer, wenn er sonst fällt. «Der Preiszerfall, mit dem man in den letzten Jahren rechnen konnte, hat aufgehört», sagt Revendo-Gründer Aurel Greiner.
Das iPhone 13 ist die Ausnahme, noch: Übers ganze Sortiment sind gebrauchte iPhones laut Revendo 17 Prozent günstiger als vor einem Jahr. Die Wende beginnt laut Greiner bei den gefragten Basismodellen der letzten zwei, drei Generationen. Ältere Geräte und Pro-Varianten verlieren weiter an Wert.
Die Ursache liegt in den Chipfabriken: KI-Rechenzentren kaufen den Weltmarkt für Speicherchips leer – Bauteile, die ebenfalls in Laptops und Handys stecken. Die Preise haben sich in den letzten Monaten vervielfacht und damit die Produktionskosten. Apple hat Macs und iPads deshalb bereits verteuert.
Am 9. September lädt Apple zur nächsten Keynote, wie der Konzern am Mittwoch bekannt gab. Es wird ein Anlass der Premieren: laut Bloomberg erstmals mit einem faltbaren iPhone und erstmals mit John Ternus als CEO auf der Bühne. Eine weitere Neuerung hingegen dürfte weniger Applaus erhalten: die wohl höchsten Preise, die Apple je verlangt hat. Was heisst das, wenn man ein iPhone kaufen will? Es kommt darauf an, wo man kauft.
Neugeräte: Wenig passiert
Erster Schauplatz: der Neumarkt. Beim grössten Schweizer Onlinehändler Digitec Galaxus sind die Preise für Smartphones aller Marken in den ersten sieben Monaten des Jahres um drei Prozent gestiegen, von 542 auf 557 Franken pro Gerät. Die Verkaufszahlen: stabil. Die iPhone-Lager: gut gefüllt. «Wir sehen keinen Grund, jetzt auf Vorrat zu kaufen», sagt Sprecher Manuel Wenk. Es gebe keine Anzeichen, dass die Preise in zwei Monaten drastisch höher oder tiefer liegen werden. Digitec geht davon aus, dass die Situation mit teurerem Speicher noch mindestens 1,5 Jahre anhält. Auch nach dem Apple-Event im September rechnet Wenk mit dem gewohnten Muster: Die Vorgängermodelle werden günstiger und verkaufen sich dann besonders gut.
Gebraucht: Preise drehen
Anders sieht es auf dem zweiten Schauplatz aus, dem Occasionsmarkt. Bei gebrauchten Macs stehen die Preise seit einem halben Jahr praktisch still – in einer Kategorie, die sonst zweistellig an Wert verliert. Das sei «die klarste Spur der Speicherverteuerung» in Schweizer Zahlen, sagt Greiner, dessen Firma vom Occasionsboom profitiert. Dasselbe erwartet er nun bei den iPhones, zumal im Herbst Nachschub fehlt: Weil das Basismodell iPhone 18 laut übereinstimmenden US-Medienberichten erst 2027 kommt, rechnet Greiner mit 15 bis 25 Prozent weniger Eintauschgeräten.
Die Ausweichbewegung läuft laut dem Händler bereits – auch wenn Greiner einräumt, dass das eigene Wachstum die Zahlen mitprägt. Revendo, das neben Occasionen auch neue iPhones verkauft, setzt mittlerweile deutlich mehr gebrauchte Modelle über 800 Franken ab: Die Neugeräteverkäufe im eigenen Shop sanken derweil um rund ein Viertel. «Wir lesen das als Hinweis darauf, dass Leute, die früher ein Neugerät gekauft hätten, jetzt zu einem Pro-Modell aus zweiter Hand greifen», so Greiner.
Kaufen oder warten?
Bleibt die Frage nach dem richtigen Moment. Jean-Claude Frick, Digitalexperte vom Vergleichsdienst Comparis, rät: Wer jetzt ein Gerät braucht, soll sich «nicht von der Apple-Keynote verrückt machen lassen». Alle anderen sitzen die zwei Wochen besser aus – nicht wegen des Preises, sondern weil danach die Unsicherheit weg ist. Dann lasse sich vergleichen, ob die neuen Funktionen den Aufpreis wert sind.
Denn dass die neuen Modelle teurer werden, erwartet auch Frick. Sein Argument, um sich für ein Gerät der älteren Generation zu entscheiden: «200 Franken Rabatt spürt man sofort, den Unterschied zwischen zwei Chipgenerationen im Alltag häufig kaum.» Wer ein iPhone 17 vier oder fünf Jahre nutze, fahre mit dem Rabatt besser als mit dem Prestige des neusten Modells. Und den perfekten Moment? «Auf den perfekten Kaufzeitpunkt kann man bei Elektronik ewig warten.» Sinnvoller sei ein Zielpreis: zuschlagen, sobald ein passendes Gerät ihn erreicht. Bei Android lohnt sich Geduld eher: Die Strassenpreise geben laut Frick nach der Vorstellung stärker nach, rund zwei Monate später ist der Boden erreicht. Und wer auf den Black Friday Ende November hofft, den bremst Digitec: Auf Apple-Geräte gibt es dort selten hohe Rabatte.
Einen letzten Rat hat Greiner für alle, die ihr altes Handy verkaufen wollen: damit nicht mehr allzu lange zu warten. «Der Wertverlust läuft weiter, auch wenn er sich verlangsamt hat.»