Speicherchips werden immer knapper – sogar Tech-Boss Musk schlägt Alarm
Werden unsere Autos und Handys jetzt teurer?

Sogenannte DRAM-Speicherchips werden immer knapper, weshalb Hersteller die Preise erhöhen. Computer könnten dieses Jahr um bis zu 20 Prozent teurer werden. Denn während mächtige KI-Giganten den Markt leerkaufen, schauen Elektronik- und Autohersteller in die Röhre.
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Speicherchips des Typs DRAM werden knapp. Es kommt zu Lieferengpässen und -verzögerungen.
Foto: Screenshot Digitec Galaxus

Darum gehts

  • Weil KI-Firmen wie OpenAI und Meta massenhaft Speicherchips aufkaufen, wird das Angebot zunehmend knapp
  • Drei Hersteller kontrollieren 70 Prozent des DRAM-Chip-Marktes weltweit
  • Sie geben die höheren Preise direkt an ihre Kunden weiter, weshalb es auch bei Endkonsumenten zu Preissteigerungen kommt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Sie sind klein, heiss begehrt – und knapp. In den letzten Monaten ist die Nachfrage nach sogenannten DRAM-Speicherchips regelrecht explodiert. Die hochleistungsfähigen Arbeitsspeicher sind essenziell für den Betrieb von fast allen Elektronikgeräten – von Laptops über Handys bis zu modernen Autos. Die derzeitigen Hauptabnehmer sind aber weder Elektronik- noch Fahrzeughersteller.

Es sind KI-Riesen wie OpenAI – zu dem unter anderem ChatGPT gehört – Anthropic oder Meta. Deren geplanten Mega-Rechenzentren benötigen eine riesige Menge an Chips. Deshalb kaufen die Konzerne kräftig bei den wenigen Produzenten ein. Die Folge: Die gewaltige Nachfrage treibt die Preise enorm in die Höhe. 

Für Endkonsumenten wirds teurer

Die Elektronik- und Fahrzeughersteller geben diese Mehrkosten wiederum an die Kundschaft weiter. Das Marktforschungsunternehmen International Data Corporation (IDC) rechnet mit einem durchschnittlichen Preisanstieg bei Smartphones von 3 bis 5 Prozent – «in einem moderaten Szenario», schreibt die Firma in der entsprechenden Studie.

In einem pessimistischen Szenario könnten die Preise um bis zu 8 Prozent steigen, heisst es weiter. Analysten des Instituts Counterpoint Research schätzen, dass die Produktionskosten von Handys bereits im vergangenen Jahr um 10 bis 25 Prozent gestiegen sind. Bis Mitte 2026 erwarten sie ein Plus von weiteren 10 bis 15 Prozent. 

Ein noch düstereres Bild zeigt sich bei Computern: Laut der IDC haben PC-Hersteller wie Dell, HP, Acer, Asus oder Lenovo Preiserhöhungen von bis zu 20 Prozent über das Jahr 2026 in Aussicht gestellt. 

Autobauer Tesla fehlt es an Chips

Auch die kriselnde Automobilindustrie ist direkt von der Chip-Knappheit betroffen. Produzenten benötigen die Speicherchips unter anderem für Infotainmentsysteme und Fahrassistenten.

Weil die zahlungskräftigen KI-Kunden bevorzugt werden, haben Autobauer zunehmend Mühe, an die Chips zu kommen – und zwar alle. Selbst der reichste Mann der Welt Elon Musk (54) und sein Konzern Tesla: An einer Konferenz zu den Tesla-Jahreszahlen Anfang Jahr erklärte Musk, dass die Zulieferer «nicht in der Lage sind, Tesla in den benötigten Mengen zu beliefern.»

Sein Notfallplan: Eine eigene Tesla-Chipfabrik in den USA bauen, «um die voraussichtlichen Engpässe in drei oder vier Jahren zu beseitigen». Ein Unterfangen, das ihn laut eigenen Angaben «Milliarden von Dollar kosten» wird. 

Alle wollen kaufen – aber nur drei Firmen produzieren

Was die Krise zusätzlich verschärft: Weltweit gibt es nur drei grosse Hersteller der DRAM-Chips, die rund 70 Prozent des gesamten Marktes kontrollieren. Micron aus den USA, Samsung Electronics und SK Hynix aus Südkorea. Bei Letzterem sind die Kapazitäten für das Jahr 2026 durch Vorabverträge bereits voll ausgelastet. Die Konzerne verdienen am KI-Boom kräftig mit, was Anleger freut: Alle drei Aktienkurse haben in den letzten Monaten massiv zugelegt. 

Wer nicht noch tiefer für neue Elektronik in die Tasche greifen will, sollte sich stattdessen nach Geräten aus zweiter Hand umsehen. Diese werden bei Schweizerinnen und Schweizern immer beliebter: Laut Digitec-Galaxus greifen immer mehr Kunden zu Secondhand-Smartphones, -Notebooks und -Tablets. So stieg der Absatz von gebrauchten Handys beim grössten hiesigen Elektronikhändler 2025 um 23 Prozent, während Neugeräte nur einen Zuwachs von 12 Prozent verzeichneten. Auch bei Tablets (plus 39 Prozent), PCs (plus 112 Prozent) und Laptops (plus 139 Prozent) boome der Markt.

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