Darum gehts
- Belp führt Viertagewoche mit 46 Schulwochen und weniger Ferien ein
- 67 Prozent der Leser lehnen das Modell laut Umfrage ab
- Ein ähnliches Projekt der Aargauer FDP-Fraktion scheiterte 2024 deutlich im Grossen Rat
Nur vier Tage Schule, dafür weniger Ferien: Was in der Berner Gemeinde Belp bald Realität wird, sorgt nun auch im Aargau für neue Diskussionen. In Belp sollen die Schülerinnen und Schüler künftig 46 Schulwochen absolvieren und nur sechs Wochen Ferien haben. Die Betreuung dauert täglich von 8 bis 16.30 Uhr und kombiniert klassische Schule mit Tagesschule. Das Modell soll Kinder, Eltern und Lehrpersonen entlasten.
Während ein ähnlicher Vorschlag im Aargau vor drei Jahren deutlich gescheitert ist, bringt die FDP das Thema nun überraschend schnell wieder aufs politische Parkett. Sie will wissen, ob ein ähnlicher Pilotversuch auch im Aargau möglich wäre und stellt dem Regierungsrat Fragen zu pädagogischer Qualität, Belastung der Kinder und Vereinbarkeit von Schule und Familie. Entsprechend polarisiert das Modell – und genau diese Spannungen spiegeln sich nun auch in den Reaktionen der Leserinnen und Leser wider.
Wenig Zuspruch aus der Community
In einer Leserumfrage mit über 1000 Teilnehmern zeigt sich klare Skepsis gegenüber der Viertagewoche: 67 Prozent der Teilnehmenden halten das Modell für ungeeignet und sind überzeugt, dass es nicht funktionieren wird. 22 Prozent wollen erst die Ergebnisse des Pilotprojekts abwarten, während nur 11 Prozent die Viertagewoche für sinnvoll halten und sie auf jeden Fall einführen würden.
Diese Haltung zeigt sich auch in den Kommentaren. «Habe mit der Einstellung dieser Politiker wirklich Mühe. Eigentlich müsste man das schulische Leben der Kinder angenehmer gestalten: also mehr Schulstunden, dafür langsamere Stoffvermittlung, damit die Kinder besser mitkommen, anstatt alles noch weiter zu komprimieren und sie zu überfordern», kritisiert Henry Loosli.
Michael Probst warnt vor anderen Konsequenzen: «Wo sind wir? Nur noch vier Tage in die Schule, dann wird die Jugend fauler, und man wird sie nie mehr auch nur minimal in der Arbeitswelt belasten können. So steuern wir auf die Zustände der Drittweltländer zu – in Mitteleuropa!»
Auch eine weitere Nutzerin reagiert scharf: «So ein Quatsch! Kinder gehören von Montag bis Freitag in die Schule – dafür ist sie da. Oder sollen sie beim Einstieg ins Berufsleben gleich einen Gehirnschaden kriegen, weil fünf Arbeitstage plötzlich zu viel sind? Und die Eltern? Klar, die haben ja alle massenhaft Zeit, um das aufzufangen. Einfach realistisch bleiben: Schule und fertig.»
«Hoffentlich setzt sich das schweizweit durch»
Doch neben den vielen Kritikern gibt es auch Stimmen, die der Viertagewoche positiv gegenüberstehen. «Überall, wo man das getestet hat, wie in Island, hat man sehr gute Erfahrungen gemacht. Hoffentlich setzt sich das schweizweit durch, auch bei der Arbeit», kommentiert Leser Tim Wagner.
Auch für Matthias Müller ist die Viertagewoche ein Schritt hin zu moderner Bildung. «Super, die Schweiz bewegt sich endlich in die richtige Richtung!», schreibt er. Die Viertagewoche habe sich bereits vielerorts in Europa als positiv bestätigt. «Die Produktion bleibt gleich oder steigt sogar, trotz weniger Arbeitszeit. Ein zusätzlicher Erholungstag stärkt Motivation und Moral. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Viertagewoche eingeführt wird.»
Eine weitere Nutzerin betont, dass die Viertagewoche mit weniger Ferien insbesondere für berufstätige Eltern eine Erleichterung darstellen kann. «Ausserdem verlernen Kinder in den Ferien viel von dem, was sie vor den Ferien gelernt haben. Dazu gibt es Studien. Solange die drei freien Tage am Stück stattfinden, würde ich behaupten, dass ein Pilotprojekt eine gute Idee ist.»