Darum gehts
- Reallöhne in der Schweiz sind erstmals seit 1950 gesunken
- Top-Einkommen stieg 2016 bis 2024 um 16,8 Prozent, tiefste Löhne sanken 0,5%
- 49 Prozent der 2000 befragten Leser sagen, ihr Lohn stagniere wegen Teuerung
Die Reallöhne in der Schweiz sind erstmals seit 1950 im Vergleich zum Niveau vor fünf Jahren gesunken. Besonders stark betroffen sind die tiefsten Einkommen: Sie gingen real um 0,5 Prozent zurück – trotz steigender Produktivität. Laut dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) profitierten davon vor allem Arbeitgeber und Aktionäre. Während das Einkommen der untersten Lohnklassen sank, stieg das Monatseinkommen des obersten Prozents zwischen 2016 und 2024 um 16,8 Prozent.
Besonders Frauen gehören laut dem neuen Verteilungsbericht zu den Verliererinnen dieser Entwicklung: Sie verdienen weiterhin deutlich weniger als Männer. Die Hälfte der Frauen verdient weniger als 5000 Franken pro Monat, bei den Männern liegt diese Grenze bei 7000 Franken.
Kaufkraftverlust wird spürbar
Die Zahlen sorgen für Diskussionen. Unsere Leserinnen und Leser spüren die Entwicklung unterschiedlich: In einer Umfrage mit über 2200 abgegebenen Stimmen gaben 22 Prozent an, ihr Lohn sei in den vergangenen Jahren gestiegen. 49 Prozent sagen hingegen, ihr Lohn stagniere wegen der Teuerung und reiche heute weniger weit. Weitere 29 Prozent berichten sogar von einer effektiven Lohnsenkung.
In den Kommentaren zeigt sich ein ähnliches Bild. Viele Leserinnen und Leser kritisieren, dass die steigenden Lebenshaltungskosten die Lohnentwicklung auffressen würden. Leser Marco berichtet: «Mein Kaufkraftverlust seit 2016 beträgt mittlerweile einen ganzen Monatslohn, obwohl ich seitdem vier Weiterbildungen absolviert habe. Ich werde demnächst die Firma verlassen, nachdem ich es immer wieder angesprochen habe.»
Wenn Leistung sich nicht mehr auszahlt
Auch andere Leserinnen und Leser äussern ihren Frust über ausbleibende Lohnerhöhungen. Leser Manuel Hering schreibt: «Seit fünf Jahren habe ich keine Lohnerhöhung erhalten. Die Begründung lautet jedes Mal, es sei kein Budget vorhanden.» Gleichzeitig werde am Ende des Geschäftsjahres immer betont, dass das Unternehmen gute Zahlen geschrieben habe. «Für andere Investitionen sind dann plötzlich genug Mittel vorhanden. Man fragt sich irgendwann, welchen Stellenwert die eigene Leistung noch hat!»
Patrik Peyer kritisiert ebenfalls, dass sich zusätzliche Leistung finanziell kaum noch auszahle: «Teils sind Güter fast doppelt so teuer wie vor zehn Jahren. Leiste ich mehr, wird das nicht gedankt, sondern ich habe am Schluss einfach mehr Arbeit auf dem Tisch.» Eine kleine Lohnerhöhung von 100 Franken pro Jahr würde zumindest helfen, die steigenden Krankenkassenprämien abzufedern, schreibt er. «Nur noch das Minimum zu machen, ist kein Resultat fehlender Leistungsbereitschaft. Es ist die Folge davon, dass Leistung heute nicht mehr so honoriert wird wie noch vor 30 Jahren.»
Ähnliche Worte findet Leser Roland Rohrbach: «Seit mehr als 15 Jahren ist die Kaufkraft regelmässig gesunken. Die Teuerung frisst vieles weg. Und die stetig steigenden Krankenkassenprämien bringen viele Menschen an den Rand der Armut.»
Der Ruf nach politischen Lösungen ist entsprechend laut. Leserin Eva Betschart fordert: «Jeder, der in der Schweiz arbeitet und seine sozialen Beiträge zahlt, sollte am Ende des Monats einen Lohn erhalten, mit dem er ohne schlaflose Nächte überleben kann!»