Streit um WM-Rückkehr
«Russland sperren, aber die USA hofieren?»

Russland darf ab 2027 wieder auf der internationalen Eishockey-Bühne mitmischen – doch der Entscheid sorgt für heftigen Widerstand. Auch unsere Community fordert mehrheitlich einen Boykott durch die Schweiz.
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Darf Russland ab 2027 wieder um den WM-Pokal im Eishockey spielen?
Foto: imago images/CTK Photo

Darum gehts

  • Russland soll weiterhin nicht an internationalen Turnieren teilnehmen dürfen
  • Der finnische Eishockeyverband will möglichst viele Länder vereinen, um Russlands Rückkehr zu verhindern
  • Leserinnen und Leser kritisieren, dass sich der Schweizer Eishockeyverband bisher nicht deutlich positioniert hat
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Mehrere europäische Verbände stellen sich quer und wollen nicht gegen die russische Nationalmannschaft antreten, solange der Angriffskrieg gegen die Ukraine andauert. Besonders deutlich fällt die Reaktion aus Finnland aus: Der Verband will möglichst viele Länder hinter sich vereinen, um die Rückkehr Russlands zu verhindern.

Auch Norwegen, Schweden, Lettland und weitere Länder kündigten inzwischen an, nicht gegen Russland spielen zu wollen. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Gastgeber und den Weltverband IIHF. In Kanada soll die russische Auswahl gar nicht erst einreisen dürfen, und auch die Stadt Turku stellt sich gegen einen Auftritt des russischen U20-Teams. In Deutschland wird derweil sogar über eine Rückgabe der Männer-WM 2027 nachgedacht. Damit droht die Rückkehr Russlands zu einer Zerreissprobe für den internationalen Eishockeysport zu werden.

Mehrheit fordert Schweizer Boykott

Doch wie weit soll der Protest gehen? Ist es richtig, Russland weiterhin vom internationalen Sport auszuschliessen, oder sollte die Rückkehr auf das Eis möglich sein? Die Haltung der Blick-Leserinnen und -Leser fällt deutlich aus. In einer Leserumfrage sprechen sich 87 Prozent dafür aus, dass auch die Schweiz die Eishockey-WM boykottieren soll. Russland habe angesichts des anhaltenden Angriffskriegs in der Ukraine im internationalen Eishockey nichts verloren. Nur 13 Prozent sind dagegen und vertreten die Ansicht, dass Sport und Politik getrennt werden sollten.

Auch in der Kommentarspalte erhält der Widerstand gegen Russland viel Zuspruch. Zahlreiche Leserinnen und Leser begrüssen insbesondere die Haltung Finnlands und fordern, dass die Schweiz nachzieht. «Und wo bleibt die neutrale Schweiz? Bitte nachziehen, so eine Mannschaft wie Russland hat nichts an einer WM verloren», schreibt Hans Meier.

Marcel Boesch hofft ebenfalls auf weitere Länder, die sich dem Widerstand anschliessen: «Hoffe, es werden noch mehr Nationen so entscheiden wie Finnland. Eine Nation mit Rückgrat, Bravo! Unsere wird wieder abwarten und abwägen, was für Vorteile möglich sein könnten.»

Kritik gibt es auch am Schweizer Eishockeyverband, der sich bisher nicht klar positioniert habe. «Es ist eine Schande, dass sich der Schweizer Eishockeyverband dazu ausschweigt», findet Peter Berger. Auch Urs Kumli fordert ein deutliches Zeichen: «Schweiz soll nachziehen! Es ist kein Ende des Krieges in Sicht. Täglich wird die Ukraine noch bombardiert!»

Vorwurf der Doppelmoral

Neben der Forderung nach einem Boykott gibt es auch kritische Stimmen. Mehrere Leserinnen und Leser stören sich daran, dass Russland ausgeschlossen werden soll, während andere Länder trotz militärischer Konflikte weiterhin an internationalen Wettbewerben teilnehmen dürfen. «Entweder gelten für alle Nationen die gleichen Regeln oder für niemanden. Ohne Ausnahme und ohne doppelte Moral», schreibt Samuel Frey.

Michael Schneider verweist in diesem Zusammenhang auf die US-Militärschläge gegen den Iran und das Vorgehen in Venezuela. Er kritisiert unterschiedliche Massstäbe im Umgang mit internationalen Konflikten: «Russland sperren, aber die USA hofieren? Willkommen im Kasperlitheater des europäischen Eishockeys!» Die IIHF müsse einheitliche Regeln durchsetzen, statt dass einzelne Verbände mit Boykottdrohungen reagierten. «Oder gelten Moral und Völkerrecht nur dann, wenn es politisch gerade passt? Sport braucht Regeln statt politischer Doppelmoral. Wer mit zweierlei Mass misst, verspielt jede Glaubwürdigkeit!», ergänzt er.

Sport und Politik trennen?

Ein weiterer Teil der Diskussion dreht sich um die Frage, ob Sportler für die politischen Entscheidungen ihrer Regierungen verantwortlich gemacht werden sollten. «Das hat mit den Sportlern nichts zu tun. Es sind die Verbände. Russland muss wieder zugelassen werden», findet Mario Aeschlimann.

Auch Christian Bender spricht sich gegen einen Ausschluss aus und kritisiert die Vermischung von Sport und Politik: «Diese Heuchelei, als könnten Sportler was dafür. Politik und Sport sollte man nie mischen, das spaltet statt zu verbinden.»

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