Darum gehts
- Millionen Cyberangriffe registriert, zahlreiche Websites vorsorglich offline
- Leser fordern mehr Schutz vor Cyberangriffen und kritisieren fehlende Sicherheitsinvestitionen
- KI wird sowohl als Risiko als auch als mögliches Werkzeug zur Abwehr von Cyberbedrohungen diskutiert
Die massive Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP sorgt weltweit für Alarm. Auf PHP basiert ein grosser Teil des Internets: Über zwei Drittel aller Websites nutzen die Programmiersprache. IT-Firmen entdeckten die Schwachstellen mithilfe künstlicher Intelligenz. Millionen Angriffe wurden bereits registriert, zahlreiche Websites vorsorglich vom Netz genommen. Auch in der Schweiz waren Websites zeitweise nicht erreichbar – darunter jene der Universität Genf und der EPFL Lausanne. Der Vorfall rückt die Frage in den Fokus, wie gut persönliche Daten und digitale Infrastrukturen tatsächlich geschützt sind.
Angst vor dem digitalen Kontrollverlust
Die Sorge um die Sicherheit im Netz ist auch in der Blick-Community gross. In einer Umfrage geben 77 Prozent der Teilnehmenden an, sich um ihre vertraulichen Daten Gedanken zu machen – insbesondere angesichts der aktuellen PHP-Sicherheitslücke. 23 Prozent vertrauen hingegen darauf, dass ihre Daten sicher sind.
Die Vorfälle befeuern eine grundsätzliche Debatte über die Risiken der Digitalisierung und den Umgang mit künstlicher Intelligenz. Manuela Werner blickt mit Sorge auf die Entwicklung: «Wir verkaufen unsere Sicherheit für ein bisschen Bequemlichkeit. Mir macht diese Entwicklung Angst!» Sie fordert den Bund auf, nicht erst dann zu handeln, wenn der Schaden bereits entstanden ist. «Unsere Behörden, Spitäler und Unternehmen werden zunehmend digitalisiert, doch beim Schutz vor Cyberangriffen scheint man hinterherzuhinken.»
Noch deutlicher fällt die Kritik von Hans Ruedi Meyer aus. Er findet es «schlichtweg haarsträubend», dass die «glorreiche digitale Zukunft als Allheilmittel verkauft wird», während im Hintergrund das ganze Kartenhaus zusammenbreche. «Die Realität sieht genau so aus, wie die aktuellen Schlagzeilen zeigen: Riesen-Datenlecks, gelähmte Websites und Millionenschäden bei unseren Schweizer Betrieben.» Bürger und KMU würden in eine «lückenlose Digitalisierung» gedrängt, während die Verantwortlichen die Sicherheit «nicht im Ansatz im Griff» hätten. Das sei ein Schlag ins Gesicht all jener, die auf verlässliche, bodenständige Sicherheit setzten.
Auch Stefan Gubser sieht im technologischen Fortschritt eine wachsende Angriffsfläche. «Leider müssen wir in Zukunft immer mehr leben damit. Je weiter die Technologien voranschreiten, desto mehr Angriffsfläche ist vorhanden.» Die Schattenseiten gehörten für ihn offenbar zur Entwicklung dazu.
Widerspruch zur pauschalen KI-Kritik
Nicht alle sehen die Technologie selbst als Ursache des Problems. Jacques Boehmer warnt davor, künstliche Intelligenz pauschal zu verurteilen, und verweist stattdessen auf deren Missbrauch durch Kriminelle: «Es sind die kriminellen Hacker, die jede neue Technologie torpedieren und für sich missbrauchen. KI an und für sich ist nichts Schlechtes.» Vielmehr sei künstliche Intelligenz ein «durchaus sehr hilfreiches Werkzeug».
Auch Claudia Natres betont die Chancen von KI: «Statt KI nur zu verdammen, sollte vielleicht auch erwähnt werden, dass KI die Schwachstelle überhaupt erst entdeckt hat.» Das zeige, dass künstliche Intelligenz nicht nur Risiken berge, sondern auch zum Schutz vor Cyberbedrohungen beitragen könne.
Franz Sidler sieht die Ursachen der Sicherheitsprobleme derweil weniger in der Technologie selbst als vielmehr in fehlenden Investitionen und mangelndem Sicherheitsbewusstsein. «Sicherheit kostet Geld, und da dies Margen kostet, sind viele Manager nicht bereit, die notwendigen Mittel bereitzustellen.» Neben den Unternehmen nimmt er auch die Nutzerinnen und Nutzer in die Pflicht. «Der zweite wesentliche Punkt ist die Bequemlichkeit der Benutzer, die alles möglichst ohne ihr Zutun zur Verfügung haben wollen. Sicherheit ist für die Klick-Gesellschaft nur lästig», schreibt er.