Darum gehts
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Pensionskassen, Ricardo, Supermarkt-Kühlschränke: Die Meldungen über erfolgreiche Hackerangriffe häufen sich. Der Hintergrund ist die KI-Revolution. Cyberkriminelle setzen zunehmend auf KI-Agenten, die die Angriffe nicht nur mathematisch perfektionieren und beschleunigen, sondern sie auch schwerer erkennbar machen. Was mittlerweile möglich ist, zeigte der Hack der US-Firma Hugging Face: KI-Agenten von OpenAI verliessen während eines Tests ihre Umgebung und griffen die Techplattform erfolgreich an. Hugging Face konnte den Angriff erst nach Tagen und nur mithilfe einer anderen KI abwehren.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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Sensible Daten in Gefahr – auch auf Schweizer Plattformen?
Was bedeutet das für unsere Daten, die millionenfach bei privaten Onlineportalen, dem RAV, Krankenkassen oder Pensionskassen hinterlegt sind? Nichts Gutes, warnt Matthias Stürmer, Professor an der Berner Fachhochschule (BFH) und Leiter des Instituts Public Sector Transformation. Das Risiko, dass auch Plattformen der öffentlichen Verwaltung gehackt und sensible Daten im Netz veröffentlicht werden, sei realistisch – ähnlich wie es kürzlich in Berlin geschah. Cyberkriminelle nutzen KI, um Sicherheitslücken zu finden, Plattformen zu infiltrieren und Daten für Erpressungen automatisiert zu verschlüsseln.
Einen ersten Fall solcher Ransomware, die rein über Texteingabe funktioniert, dokumentierte die Sicherheitsfirma Sysdig im Juli. Der KI-Agent Jadepuffer durchsuchte Netzwerke nach Zugangsdaten, erstellte eigene Admin-Konten und löschte oder verschlüsselte Daten – ganz ohne menschliches Eingreifen. Anschliessend hinterliess das Programm eine Textdatei mit einer Lösegeldforderung in Bitcoin und einer Kontaktadresse.
Bundesverwaltung scheint nicht vorbereitet
Vor solchen Angriffen schützen laut Stürmer nur KI-basierte Abwehrsysteme und klare Zuständigkeiten in einer Organisation. Genau dies fehlt in der Bundesverwaltung. Dass beim Datenmanagement und der Sicherheit grosser Handlungsbedarf besteht, belegt auch der neueste Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle (EFK). Die EFK brach die Überprüfung von Digitalisierungsprojekten in allen sieben Departementen vorzeitig ab. Die Mehrheit der Projekte blieb derart hinter den Erwartungen zurück, dass eine vertiefte Prüfung sinnlos gewesen wäre.
«Es mangelt in der Verwaltung leider oft an Digital Leadership und der Bereitschaft, Verantwortung für mutige IT-Entscheidungen zu übernehmen», sagt Stürmer, der die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung wie kaum ein anderer in der Schweiz kennt. Dieser Mangel verlangsame oder blockiere Prozesse. Das Resultat: Silodenken in den Ämtern, die auf eigene, isolierte Datenbanken setzen. Für die Karrieren der Verantwortlichen sei das oft nicht nachteilig, kritisiert Stürmer gegenüber dem Beobachter.
Auch externe Berater und IT-Unternehmen profitierten von unklaren und parallelen Strukturen, weil sie zusätzliche Aufträge generieren. KI-unterstützte Hacker können genau das für ihre Zwecke nutzen: «Wo viele Strukturen, geheime Codes und isolierte Datenbanken sind, gibt es möglicherweise auch mehr Einfallstore», so Stürmer.
Millionen Schweizer Daten auf unsicheren Plattformen
Ein weiteres Problem: Der Bund lagert hochsensible Personendaten teilweise an externe Firmen aus. Ein aktuelles Beispiel ist der Hack der PK Softech AG, eines Schweizer KMU, das Software für verschiedene Pensionskassen entwickelt hat. Brisant daran: Die Firma verwaltet auch Daten der Migros und der Post. Das sei ein normaler Vorgang, erklärt Kevin Illi, Cybersecurity-Spezialist beim Axa-Dienstleister für Cyberprävention (Silenccio AG). «Viele Organisationen hängen an denselben wenigen, spezialisierten Softwareanbietern. Das macht Dienstleister zu attraktiven Zielen, wie der aktuelle Fall zeigt.»
Trotz der steigenden Zahl an Hacks sieht Illi zwar keinen «digitalen Weltuntergang», das Zeitfenster zum Schliessen einer Sicherheitslücke werde jedoch deutlich kleiner.
Was heisst das für die Daten der Schweizer Bevölkerung? Illi sagt: «Das Risiko, dass Plattformen gehackt werden und sensible Daten im Netz landen, ist hoch und nimmt weiter zu. Bekannte Sicherheitslücken werden heute so schnell ausgenutzt wie noch nie.» Die Politik müsse handeln, sagt Matthias Stürmer. Und: Herr und Frau Schweizer können wenig tun, um die eigenen Daten zu schützen.
Die Finanzkontrolle macht in ihrem am 14. Oktober veröffentlichten Bericht konkrete Empfehlungen. Die Bundeskanzlei soll zusammen mit dem Data Board Bund die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten verbindlich festlegen. Bis wann das geschehen soll, lässt die EFK allerdings offen.
Dabei ist Dringlichkeit geboten. Die durchschnittliche «Breakout-Time» – die Ausbreitungszeit im Netzwerk nach einem Cyberangriff – betrug 2025 nur noch 29 Minuten. Der schnellste verzeichnete Angriff dauerte laut dem «Global Threat Report» von 2026 lediglich 27 Sekunden. Wenn Politik und Verwaltung nicht rasch aktiv werden, wird es künftig nicht bei gehackten Pensionskassen oder Supermarkt-Kühlschränken bleiben.