Darum gehts
- ÖV testet «Be-in, Be-out»-System für automatische Ticketabrechnung in der Schweiz
- 60 Prozent der Fahrgäste nutzen bereits digitale Ticketlösungen wie SBB-Apps
- 13 Prozent kaufen weiterhin klassische Billette am Automaten/Schalter
Die ÖV-Branche testet derzeit ein neues Ticketsystem, das das Reisen in der Schweiz deutlich vereinfachen soll. 3000 Personen probieren während zwei Monaten das sogenannte «Be-in, Be-out»-System (Bibo) aus. Die Idee dahinter: Die Ticket-App erkennt automatisch, wann Fahrgäste in Bus, Tram oder Zug ein- und aussteigen, und berechnet im Anschluss den günstigsten Preis für die Strecke.
Damit geht das System einen Schritt weiter als die bisherige Easyride-Funktion, bei der Nutzer ihre Fahrt noch selbst starten und beenden müssen. Bibo wird von den SBB gemeinsam mit dem Technologieunternehmen Axon Vibe im Auftrag von Alliance Swisspass entwickelt. Ziel ist es, den Ticketkauf komplett zu automatisieren.
ÖV wird immer digitaler
Ein Blick auf die Nutzung heute zeigt, dass digitale Lösungen im ÖV bereits klar dominieren: In einer Leserumfrage mit über 6500 Teilnehmenden geben 60 Prozent an, ihre Billette über Easy Ride, die SBB-App oder andere Apps zu lösen. Klassische Billette vom Automaten oder Schalter spielen mit 13 Prozent nur noch eine Nebenrolle.
Gleichzeitig reisen 18 Prozent mit einem Abo wie GA oder Halbtax, während 9 Prozent den öffentlichen Verkehr kaum oder gar nicht nutzen. Die Zahlen deuten darauf hin, dass viele Fahrgäste bereits an digitale Angebote gewöhnt sind – ein vollständig automatisiertes System wie Bibo könnte für sie also ein nächster Schritt sein.
Lob für einfache Handhabung
In der Kommentarspalte sorgt das neue System derweil für ein geteiltes Echo. So schreibt Leserin Laura Kunz: «Ich finde den Ansatz spannend. Wenn die App wirklich zuverlässig funktioniert und man sich nicht mehr ums Ein- und Auschecken kümmern muss, wäre das für mich eine echte Erleichterung im Alltag. Gerade bei häufigen Fahrten könnte das viel Stress sparen.»
Andere verweisen auf Probleme mit bestehenden Apps – und sehen genau darin einen möglichen Vorteil des neuen Systems. So schreibt Heidi Obert: «Mit SBB von Bern HB bis Luzern HB gefahren, beim Aussteigen vergessen den Button zu drücken. Weiter mit dem Auto bis Würzenbach gefahren, dann wurde mir die Strecke Luzern – Würzenbach Endstation belastet. Das System hat nicht gemerkt, dass ich mit dem Auto gefahren bin. Ist ein gutes System, wenn man nicht vergisst, sich auszuloggen.»
Kritik am Pilotprojekt
Doch nicht alle Stimmen im Netz stehen dem Pilotprojekt positiv gegenüber. So schreibt Serge Scherrer: «Ich will im Voraus wissen, was mich die Reise kostet. Dafür bin ich sogar weiterhin bereit, wie bis anhin den Abfahrts- und den Zielort selbst in die App einzugeben.»
Auch Leser Urs Schmid sieht das Projekt skeptisch: «Ich weiss, es heisst, der Datenschutz sei gewährleistet. Trotzdem fühlt es sich für mich nicht ganz richtig an. Eine App, die ständig mitverfolgt, wo ich ein- und aussteige, ist schon ein Eingriff. Technisch ist das ohne Frage beeindruckend, aber man muss sich schon fragen, ob wirklich jede Möglichkeit auch ausgeschöpft werden muss. Der ÖV hat bisher auch funktioniert, ohne dass einem das Ticket komplett abgenommen wird.»