Darum gehts
- Alliance Swisspass testet mit 3000 Personen neues Ticket-System «Be-in, Be-out»
- Bibo erkennt automatisch Ein- und Ausstieg per Bluetooth, ohne Check-in nötig
- Fahrzeuge seit 2023 mit Beacons ausgestattet, Datenschutz laut Fairtiq gewährleistet
Was ist neu?
Alliance Swisspass, die Branchenorganisation des öffentlichen Verkehrs, arbeitet an einem neuen Ticketsystem: 3000 Personen testen in den nächsten zwei Monaten das Konzept «Be-in, Be-out» (Bibo). Dieses soll die bisherige Easyride-Funktion erweitern, bei der mit nur einem Wisch die Reise ein- und ausgecheckt wird. Im Nachgang ermittelt die App die gefahrene Strecke und berechnet den günstigsten Preis.
Bei Bibo fällt neu auch das Ein- und Auschecken weg. Die App erkennt von allein, wenn ein Nutzer in Bus, Tram oder Zug ein- und wieder aussteigt. Das soll es für die Fahrgäste noch einfacher machen. Hinter der Lösung steht das Schweizer Unternehmen Fairtiq. Dieses spricht bei Bibo von «GA-Komfort für alle». Soll heissen: Man braucht sich keine Gedanken mehr über das Lösen von Tickets zu machen. Solange man sein Smartphone dabei hat, übernimmt die App den Rest.
Was sind die Vorteile gegenüber Easyride?
Die Anwendung Easyride führt immer wieder zu Diskussionen. Wer die Fahrt nur wenige Sekunden zu spät startet, erhält eine Busse. Nutzerinnen und Nutzer berichteten auch wiederholt von Fällen, in denen die App während der Fahrt abstürzte oder bei denen sie den Check-out vergessen hatten. Ein weiteres Problem: Gewisse Fahrgäste missbrauchten das System, um Geld zu sparen. Wer auf einer längeren Zugstrecke nach der Billettkontrolle die Fahrt auf der App beendet, kann darauf spekulieren, dass der Kontrolleur kein zweites Mal vorbeikommt – um so den letzten Teil der Reise schwarzzufahren. Um diesen Easyride-Betrügern auf die Schliche zu kommen, kontrollieren die SBB neu dieselben Fahrgäste mehrfach. Alle diese Probleme sollen mit Bibo neu wegfallen.
Wie funktioniert das Bibo-System?
Damit die Transportunternehmen wissen, wann und wo die Gäste ein- und aussteigen, sind alle Fahrzeuge mit einem Bluetooth-Sender – einem sogenannten Beacon – ausgestattet. Dieser kommuniziert direkt mit der Ticket-App. Die Fahrgäste müssen dafür ihr Smartphone dabei und die Bluetooth-Funktion eingeschaltet haben. Zusätzlich müssen auch die Benachrichtigungen aktiviert sein, damit die App darauf hinweisen kann, falls Geräteeinstellungen die Erfassung von Daten verhindern.
Für die Verkehrsbetriebe ändert sich nichts. Ihre Verkehrsmittel sind bereits seit 2023 mit den kleinen Bluetooth-Sendern ausgestattet. Diese kommen schon heute bei Easyride zur Anwendung, wenn – wie im Falle von Tiefbahnhöfen – kein GPS-Signal empfangen werden kann. Auch an Stellen, wo mehrere Bus- oder Bahnlinien parallel verlaufen, wird bereits heute auf Bluetooth gesetzt, um die Einnahmen korrekt unter den verschiedenen Betrieben aufteilen zu können.
Wie läuft der Bibo-Test ab?
Bereits seit zwei Jahren läuft mit Myride ein grossangelegter Test zu einem neuen Preissystem. 3000 ausgewählte Personen testen seither eine Tarifberechnung über die zurückgelegte Distanz und nicht – wie heute – über festgelegte Tarife und Zonen. Der Test von Bibo ist Teil des Myride-Feldversuchs. Das bedeutet: Nur diese 3000 Personen können in den nächsten zwei Monaten das neue System testen.
Muss ich bei Bibo mitmachen?
Nein. Die Mediensprecherin von Alliance Swisspass, Michaela Ruoss, betont gegenüber Blick, dass die Kunden – wenn Bibo im ÖV eingeführt wird – nach wie vor die Möglichkeit haben, Billetts auf den alten Wegen zu kaufen. Sei dies in der App, am Automaten oder am Schalter. Auch die Funktion mit dem «Ein- und Auschecken» wie bei Easyride bleibe erhalten. Bibo ist deshalb nur eine Ergänzung zum bestehenden Angebot.
Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?
Alliance Swisspass betont auf Blick-Anfrage, dass der Datenschutz gewährleistet ist. Gegenüber SRF teilte der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte mit, man stehe mit der Alliance Swisspass betreffend die Einführung des neuen Systems in Kontakt und begleite das Projekt – um allenfalls «beratend oder aufsichtsrechtlich tätig werden» zu können.
Wie geht es nach dem Test weiter?
Einen genauen Fahrplan, wie es nach dem Bibo-Test weitergeht, gibt es laut Alliance-Swisspass-Sprecherin Ruoss noch nicht. Beim jetzigen Versuch werde getestet, wie zuverlässig die automatische Reiseerfassung heute funktioniert, wie genau die Preise berechnet werden und wie Reisende das neue System annehmen. Aus diesen Erkenntnissen leite man dann das weitere Vorgehen ab. Ein genaues Datum für den Launch gebe es deshalb noch nicht. Sicher sei nur: Bibo kommt irgendwann für die ganze Schweiz.