Reaktionen auf Migros-Umbau
«Wäre es besser, man hätte einfach weitergewurstelt?»

Die Migros will ihre zehn Regionalgenossenschaften abschaffen und sich neu aufstellen. Bei der Community kommt der radikale Umbau unterschiedlich an: Die einen begrüssen den Schritt, andere befürchten, dass damit ein Stück Migros verloren geht.
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Die zehn regionalen Genossenschaften werden abgeschafft. An der Pressekonferenz in Bern waren alle ihre Chefs vor Ort.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Migros plant radikalen Umbau: Die zehn Regionalgenossenschaften sollen zusammengeführt werden
  • Community gespalten: 58 Prozent begrüssen den Umbau, 25 Prozent lehnen ihn ab
  • Migros-Chef Mario Irminger tritt Mitte 2027 zurück
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Die Migros plant einen grundlegenden Umbau: Die zehn Regionalgenossenschaften, der Migros-Genossenschafts-Bund und die Supermarkt AG sollen zu einer zentralisierten Gruppengenossenschaft zusammengeführt werden. Damit will der orange Riese Doppelspurigkeiten abbauen, effizienter werden und jährlich 300 bis 400 Millionen Franken einsparen. Über die Reform stimmen die Genossenschafterinnen und Genossenschafter voraussichtlich Mitte 2027 ab.

Gleichzeitig kommt es an der Spitze zum Wechsel: Migros-Chef Mario Irminger und Supermarkt-AG-Chef Peter Diethelm treten ab. Für die Mitarbeitenden verspricht die Migros, dass es in den Regionen bis Mitte 2028 keine Entlassungen geben soll. Für die Kundschaft sollen die Auswirkungen zunächst gering bleiben: Die vertrauten Filialen, bekannten Mitarbeitenden und regionalen Produkte sollen erhalten bleiben. Langfristig könnte die neue Struktur auch tiefere Preise ermöglichen.

Mehrheit begrüsst den radikalen Umbau

Doch wie kommt der geplante Umbau bei der Kundschaft an? In einer Blick-Umfrage mit über 11'500 Teilnehmenden begrüssen 58 Prozent die Abschaffung der Regionalgenossenschaften und halten sie für längst überfällig. 25 Prozent hingegen sehen darin den falschen Schritt und befürchten, dass die Migros dadurch ihre regionale Verankerung verliert. Weitere 16 Prozent lässt die Reform kalt – für sie zählen vor allem die Preise und der Erhalt der Filialen.

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Auch in der Kommentarspalte gibt es zahlreiche Stimmen, die die Reform begrüssen. «Dieser Reorganisation war schon längst überfällig», schreibt etwa Walter Grätzer. Er findet, die Zusammenführung der zehn Regionalgenossenschaften mache «in jeder Beziehung Sinn». Die bisherige Organisation sei «schwerfällig» und durch «enorme Doppelspurigkeiten» ein erheblicher Kostentreiber.

Auch Thomas Leu findet, der Schritt sei «höchste Zeit». Als Beispiel führt er Coop an: «Coop hat 2001 die 14 regionalen Coop-Genossenschaften und die Coop Schweiz zur heutigen Coop zusammengeführt und ist damit gut gefahren.» Er fragt deshalb: «Warum sollte Migros dies nicht auch tun und statt zehn Marketing-, Einkaufs-, Verkaufs-, Personal- und Finanzabteilungen eine Abteilung für zentrale Dienste einführen?» Für Leu ist die Zentralisierung eine Frage des Wettbewerbs: «Jeder Konzern funktioniert so, um zu überleben; auch eine Migros, die im Wettbewerb steht.»

Für User Thierry Steiner ist der Umbau ebenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. «Die Migros unternimmt endlich etwas gegen die Fehler der Expansionsstrategie, die finanziell nicht mehr richtig funktionierte, und löst sich von altem Ballast», schreibt er. Als Konsument stelle er bei Früchten, Gemüse und Milchprodukten bereits eine «merkliche Preissenkung» fest. An die Kritiker richtet er die Frage: «Wäre es besser, Migros hätte nichts gemacht und weitergewurstelt?» Zwar gebe es «noch viel zu tun», doch gerade die Abschaffung der Regionalgenossenschaften sei «im Zeitalter der KI» angebracht.

Gegenstimmen zweifeln am Kurs

Doch der geplante Umbau stösst nicht überall auf Zustimmung. Chris Kast hofft, «dass die Genossenschaften dieser Idee nie zustimmen werden». Der Umbau widerspreche der Ideologie von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler, findet er. Auch mit der heutigen Führung geht er hart ins Gericht: «Es ist gut, wenn die Teppichetage geht. So kann es mit solch einer Schweizer Institution nicht weitergehen», schreibt er. Mit Blick auf die Entwicklung des Unternehmens fordert er deshalb einen Neuanfang.

Leser Marcel Mankaka zweifelt vor allem am Versprechen, dass es vorerst keinen Personalabbau geben soll. Zwar sei die Migros-Organisation «veraltet und überholt», doch gleichzeitig von einem grossen Einsparpotenzial zu sprechen und Stellenabbau auszuschliessen, sei eine «Frechheit», findet er. «Optimierungen im Detailhandel erfolgen praktisch ausschliesslich über Personalabbau», argumentiert Mankaka.

Auch Peter Wald äussert seine Sorgen: «Ich glaube, Migros macht da wieder mal einen Fehler. Migros lebt davon, regional verwaltet zu sein», schreibt er. Die Abschaffung der Regionalgenossenschaften könnte aus seiner Sicht genau jenes Image gefährden, das die Migros für viele Kundinnen und Kunden ausmacht.

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