Darum gehts
- Im November stimmt die Schweiz über die AHV-Finanzierung ab
- Jungfreisinniger fordert Erhöhung des Rentenalters, wirft Gesundheitsministerin Arbeitsverweigerung vor
- Leserumfrage mit 600 Stimmen: 54 Prozent gegen Rentenalter-Erhöhung, 40 Prozent dafür, 6 Prozent unentschlossen
Im November entscheidet das Volk darüber, wie die AHV künftig finanziert werden soll. Jungfreisinnigen-Präsident Jonas Lüthy (23) warnt bereits jetzt vor der Strategie des Parlaments. Dort setzt man aktuell rein auf eine Mehrwertsteuererhöhung. Lüthy sieht in dem Vorschlag reine Pflästerlipolitik. Die Last werde ausschliesslich von der jungen, arbeitenden Bevölkerung getragen, ohne die systematischen Probleme der AHV zu lösen.
Eine Erhöhung des Rentenalters ist in den Augen des Jungpolitikers die beste Lösung. Zudem fordert er die angekündigte, aber bisher ausgebliebene AHV-Reform von Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (SP) ein. Er wirft der Bundesrätin gar Arbeitsverweigerung vor. Seine Worte lösen in unserer Community eine polarisierende Diskussion aus.
AHV teilt die Leserschaft
Eine Leserumfrage zeigt: 54 Prozent der Teilnehmenden sind gegen Lüthys Ansatz. Sie sind überzeugt, es gäbe bessere Lösungen zur Stabilisierung der AHV als die Erhöhung des Rentenalters. Dementgegen stehen 40 Prozent, für die ein höheres Rentenalter klar notwendig ist, um systematische Probleme zu lösen. Die verbliebenen 6 Prozent sind unentschlossen. Auf beiden Seiten gäbe es Vor- und Nachteile. Auch in den Kommentaren ist die Community gespalten.
«Länger arbeiten, aber keiner stellt ältere Arbeitnehmer ein»
Ein grosser Anteil der Leserschaft kritisiert Lüthy für seine Kritik. Leserin Monica Tschudy ist eine von ihnen: «Möchte diesen 23-Jährigen in 40 Jahren wieder hören, wenn er mal so lange gearbeitet hat.» Auch Daniela Meierhans ist sich sicher: «In 40 Jahren sagt Lüthy das Gegenteil. Wenn nicht schon in 30 Jahren.»
Laut Franz Beta ist ein höheres Rentenalter nicht zu Ende gedacht: «Länger arbeiten, aber keiner stellt Arbeitnehmer ab 50 ein. Bevor ihr dieses Problem nicht gelöst habt, hört auf, Luftschlösser zu bauen.» Felix Raschle stimmt zu: «Für ein höheres Rentenalter müssen erst richtige Grundlagen geschaffen werden. Firmen müssen über 50-Jährige auch wirklich beschäftigen.»
«Die Schere geht immer weiter auseinander!»
Die spätere Rente finden in den Kommentaren jedoch auch viele Befürworter. Markus Berger gibt dem Jungpolitiker recht: «Die Schere zwischen Arbeitsjahren und Bezugsjahren geht immer weiter auseinander! Das ist Mathematik und nicht Politik. Ich würde auch gerne mit 60 in Rente. Geht aber schlicht nicht.»
Walter Hegglin ist ebenso überzeugt: «Ein bis zwei Jahre länger arbeiten ist doch heute kein Problem mehr. Für Bauarbeiter, Maurer und Strassenarbeiter lässt sich eine humane Lösung finden.» Ralf Neumann erinnert: «In anderen Ländern wurde das AHV-Alter bereits erhöht. Auch bei uns sind dringendst Reformen nötig. Das jetzige System funktioniert schlicht nicht mehr.»
Leser Juerg Suter fügt an: «Das längere Arbeiten ist rechnerisch tatsächlich die einfachste Lösung. Leider fehlt heute dieser Gestaltungswille in der Politik zunehmend.» Mathias Kasdorf befürchtet: «Je mehr Zeit vergeht, desto mehr werden junge Wähler überstimmt. Sie werden schlichtweg immer weniger. Die Alten werden auch hier bestimmen.»