Darum gehts
- Züricher Kantonsrat beschliesst Kopftuchverbot für Schulen für Lehrerinnen und Schülerinnen
- Gegner warnen vor Einschränkungen der Religionsfreiheit und gesellschaftlicher Teilhabe
- Leserumfrage: 92 Prozent der 8400 Befragten befürworten das Verbot
Nun zieht auch Zürich in den Kampf gegen Kopftücher. Der Kantonsrat hat sich am Montag knapp für ein Kopftuchverbot an Schulen und Kindergärten entschieden. Dieses soll nicht nur Schülerinnen, sondern auch Lehrerinnen mit einschliessen. Die SVP will mit dem Vorstoss gegen die frauenfeindliche Auslegung von Religion vorgehen. Ausserdem will sich die Partei laut eigenen Aussagen für die Schule als Ort der freien Entfaltung einsetzen.
Nun muss die Regierung des Kantons Zürich in den nächsten zwei Jahren einen Gesetzesvorschlag ausarbeiten. Die Gegnerschaft im Kantonsrat will strikte Vorschriften verhindern. SP-Kantonsrätin Mandy Abou Shoak (37) ist es ein Anliegen, dass Musliminnen selbst über ihre Kleidung entscheiden dürfen. Ein Verbot könne ihre gesellschaftliche Teilhabe erschweren. Auch in unserer Leserschaft polarisiert das Thema.
So positioniert sich die Community zum Kopftuchverbot
In einer Leserumfrage mit über 8400 Teilnehmern sprechen sich ganze 92 Prozent für das Kopftuchverbot an Schulen aus. Sie sind gar der Ansicht, eine solche Prohibition sollte schweizweit gelten.
Dementgegen sind nur 8 Prozent gegen das Verbot. Für diese Lesergruppe sind religiöse Kleidung und Symbole keine Staatsangelegenheit, sondern Privatsache. In den Kommentaren spaltet das Thema Religion die beiden Lager deutlich.
«Diese Unterdrückung der Frau brauchen wir in der Schweiz nicht»
Eine Mehrheit der Leserinnen und Leser befürwortet die Entscheidung des Kantonsrats. André Beetschen lobt: «Sehr fortschrittlich. Diese Unterdrückung der Frau brauchen wir in der Schweiz nicht.» Für Mirjam Kamal war den Entscheid längst überfällig: «Als Nächstes sollte das Kopftuch aus dem öffentlichen Dienst verschwinden.» Auch Oliver Paulsen positioniert sich klar: «Ein Kopftuch gehört einfach nicht ins Schulzimmer! Gerne nach dem Unterricht.»
Gaby Roche fragt: «Ja, die Frauen und Mädchen sollten selbst entscheiden dürfen. Aber tun sie das wirklich?» Auch für Claudia Conus ist Fremdbestimmung das Problem: «Wo das Kopftuch nicht freiwillig getragen wird, sondern Ausdruck von Druck, Kontrolle oder einem traditionellen Rollenbild ist, sehe ich Unterdrückung – und das sollten wir auch so benennen.»
Florian Bloch ergänzt zudem: «Die Schule sollte grundsätzlich frei von religiösen Symbolen bleiben, so wie der Staat. Die Kirchen und der Staat wurden aus gutem Grund getrennt.» Silvan Kummer kann nur zustimmen: «Es braucht keine Kopftücher, Kreuze und Kippas an Schulen. Trennung von Staat und Religion!»
«So viel zur Religionsfreiheit in der Schweiz»
Doch auch die Opposition verschafft sich in den Kommentaren Gehör. Stefan Wunderlin kritisiert wie einige andere: «So viel zur Religionsfreiheit in der Schweiz.» Hans-Rudolf Freund schreibt gar: «Die missachten die Religionsfreiheit vollkommen. Was macht der Zürcher Regierung so Angst, dass sie ein religiöses Tuch verbieten?»
Auch Beat Zingg kommentiert: «Ich finde es absolut lächerlich, dass der Staat einem vorschreibt, was man tragen darf und was nicht. Gerade in der Schule.» Daniel Kaufmann findet den Tenor in der Kommentarspalte bedenklich: «Im Ausland sieht man oft Frauen mit Kopftuch, und es juckt niemanden. Wie kann es hier denn so ein grosses Problem sein?»
Für Claudio Koster handelt es sich schlicht um Doppelmoral: «Sobald die Kippas und Kreuze aus der Schule verbannt werden, wehrt man sich dann aber wieder wegen Religionsfreiheit.» Michael Schnegg bläst ins selbe Horn: «Dann können wir ohrenbetäubendes Kirchengebimmel und Kreuzketten auch gleich verbieten, oder?»