Darum gehts
- Schweizer Bauern erhalten 54 Mio. Fr. zinslose Kredite wegen Dürreschäden
- Im Juli 2026 wurden 50% mehr Tiere geschlachtet als 2025
- Zusätzliche 17,5 Mio. Fr. jährlich für hitzebedingte Waldschutzmassnahmen
Der Hitzesommer hat die Schweizer Landwirtschaft hart getroffen. Wegen der Trockenheit fehlt vielerorts Futter, gleichzeitig drohen Ernteausfälle. Im Juli wurden laut Bund 50 Prozent mehr Tiere geschlachtet als im Vorjahr. Nun will der Bundesrat betroffenen Landwirtschaftsbetrieben einmalig 54 Millionen Franken an zinslosen Krediten zur Verfügung stellen. Das Geld soll Liquiditätsengpässe überbrücken. Allerdings müssen die Bauern die Darlehen zurückzahlen.
Auch für den Wald sind zusätzliche 17,5 Millionen Franken pro Jahr vorgesehen. Weitere Massnahmen gegen die Folgen von Hitze und Trockenheit sollen bis Ende Oktober geprüft werden.
Community sagt Ja – aber ...
Die geplante Unterstützung für die Landwirtschaft stösst in der Community mehrheitlich auf Zustimmung. Gemäss einer nicht repräsentativen Umfrage mit 600 Teilnehmenden spricht sich eine knappe Mehrheit für eine Unterstützung der Bauern aus. Doch auch Befürworter sehen die 54 Millionen Franken nicht vorbehaltlos.
Leser Michael Ronner bezeichnet die zinslosen Darlehen als «einen richtigen ersten Schritt». Für ihn sind Landwirte «Unternehmer, die unter extremen Wetterlagen unverschuldet in Liquiditätsengpässe geraten». Die gezielte Hilfe könne Existenzen sichern, «ohne den Steuerzahler dauerhaft zu belasten oder unnötige Bürokratie aufzubauen». Gleichzeitig sei dieses Hilfsangebot nur eine kurzfristige Lösung: «Die Departemente tun gut daran, bis Oktober weitere Massnahmen zu präsentieren und nicht zuzuwarten.»
Auch Dani Meier findet Hilfe angesichts der aussergewöhnlichen Dürre richtig, mahnt aber: «Solidarität braucht gleiche Massstäbe. Wenn in Krisenzeiten schnell Millionen bereitgestellt werden können, sollte bei Familien, Rentnern und steigenden Lebenshaltungskosten nicht um jeden Franken gestritten werden.»
«Laufen Gefahr, dass es zu Lebensmittelknappheit kommt»
Für Rolf Benedetti wiederum darf es nicht bei finanzieller Hilfe bleiben. Er fordert mit Blick auf die Zukunft «weniger Tiere und hitzeresistentere Pflanzen». Zudem sei es wichtig, das Grundwasser sauber zu halten.
Damit rückt der Klimawandel ins Zentrum der Debatte. Thomas Leu warnt: «Zwei, drei weitere solche Sommer, und wir laufen Gefahr, dass es zu Lebensmittelknappheit kommt.» Peter Huber kommentiert auf derselben Linie: «Der menschgemachte Klimawandel ist real, und die meisten hier suchen irgendetwas, um sich rauszureden.»
In den Kommentaren üben einige Community-Mitglieder unverblümt Kritik an einer finanziellen Spritze bei Trockenheitshilfe. Dabei stellen sie grundsätzlich infrage, dass der Staat bei solchen Ertragsausfällen einspringen soll. René Widmer bezweifelt, dass Darlehen das Problem lösen: «Wenn Landwirte heute schon zu wenig Geld haben, werden sie den Kredit nicht zurückzahlen können.» Es werde für die Bauern immer schwieriger. Deshalb brauche es aus seiner Sicht strukturelle Veränderungen.
«Gerade die Bauern müssten auf solche Perioden vorbereitet sein»
Auch Tita-Nina Francheschi sieht die Landwirte stärker in der Pflicht. «Gerade die Bauern müssten auf solche Perioden vorbereitet sein und Rücklagen haben», schreibt sie. Sie kritisiert, dass bei Bauern staatliche Hilfe fliesse, während ein normales KMU bei Schäden durch Trockenheit oder Nässe selbst dafür aufkommen müsse.
Kritik gibt es zudem an den Bedingungen, unter denen Lebensmittel produziert und verkauft werden. Andy Jost sieht auch Grossverteiler und Konsumenten in der Verantwortung: «Unsere Grossverteiler und die Kunden tragen hier eine Mitverantwortung. Klimaschutz, Ernährungssicherheit – aber nur perfekte Früchte? Finde den Fehler».