So extrem trocknet die Schweiz aus
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Satellitenbilder zeigen:So extrem trocknet die Schweiz aus

Seine Wiesen sind auffallend grün
Wie ein Aargauer Bauer der Jahrhundert-Dürre trotzt

Die Landwirtschaft leidet unter Hitze und Trockenheit. Doch einige Höfe weniger als andere – weil sie etwas Ungewöhnliches gemacht haben.
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Lange Hecken ziehen sich über die Weiden von Pirmin Adler – sie dienen auch als Futter.
Foto: Raphael Brunner

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Landwirtschaft leidet unter Dürre und Hitze seit April 2026
  • Pirmin Adler nutzt Agroforstwirtschaft, hat 3500 Gehölze auf 22 Hektaren
  • 700 Bauern fordern nachhaltigen Klimaschutz, kein Geld für Agroforstwirtschaft
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Raphael Brunner
Beobachter

Wer durch die Schweiz fährt, sieht auch jetzt, nach fast drei Monaten ohne richtigen Regen, immer noch ein mehrheitlich grünes Land. Doch es ist ein mattes, fahles Grün. Oliv mit viel Gelb. Und immer mehr braune Flecken.

So zeigt sich die Landschaft auch auf dem Weg zum Hof von Pirmin Adler im Freiamt, dem Gebiet im Südosten des Kantons Aargau entlang der Reuss. Knallig weiss brennt die Mittagssonne an diesem heissen Nachmittag Ende Juli auf die borstigen Wiesen, die kaum noch rasenhoch sind.

Bauernverband in der Kritik

Die Landwirtschaft leidet an diesem Jahrhundertsommer, der gemäss den Klimaszenarien nur ein Vorbote für die Zukunft ist. Es wächst kein Gras mehr, Ernten sind klein, das Futter geht aus. Bauern müssen Kühe notschlachten, Schweine schmachten in Ställen, und es fehlt an Wasser. Längst fordern auch SVP-Politiker mehr Klimaschutz. Und der Bauernverband gerät in Kritik. 700 Personen, die meisten Landwirtinnen und Landwirte, verlangen in einem offenen Brief, er solle den Tatsachen endlich ins Auge sehen und sich für «einen wirksamen und nachhaltigen Klimaschutz einsetzen» statt für den Autobahnausbau.

Auch Pirmin Adler kämpft auf seinem Hof mit Dürre und Hitze. Dennoch ist auf dem Hof Adlerzart, die Reuss am Horizont, vieles anders. Die Wiesen sind auffallend grün. Das Gras ist lang. Rund 60 Limousin-Rinder, 20 Muttertiere, der Rest Munis und Kälber, kauen gemächlich auf der Weide, kämpfen nur mit den Fliegen auf den Nüstern. «Den Tieren geht es gut», sagt der 49-Jährige und lässt eine Kuh an seiner Hand schnuppern.

Artikel aus dem «Beobachter»

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

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Hier spenden Gehölze – die auch jetzt bei Hitze und Trockenheit noch immer gut wachsen – Schatten, brechen den Wind, sorgen für Feuchtigkeit und lockern mit ihren Wurzeln den Boden. Und die Zweiglein und Blätter dienen den Kühen als schmackhaften Futterzusatz. Während das Gras auf der Wiese im Frühling besonders saftig und nährstoffreich ist, sind es die Hölzer vor allem im Sommer. «Die Kombination passt perfekt zum Jahresrhythmus der Natur», sagt Adler zum «Beobachter».

Aha-Erlebnis durch einen Zufall

Der Landwirt ist auf dem Hof aufgewachsen und hat ihn von seinem Vater übernommen. Dieser hat einst von Milchwirtschaft auf Mutterkuhhaltung umgestellt und damit den Weg eingeschlagen, den sein Sohn weiterführen will. Landwirtschaft muss ökologisch sein, um langfristig Erträge zu liefern, ist er überzeugt. «Wenn die Schäden der intensiven Landwirtschaft immer höhere Kosten verursachen, geht die Rechnung nicht auf.»

Pirmin Adler kennt jeden Spitzwegerich auf seinem Hof, den er allein führt und zusammen mit Partnerin und Eltern bewohnt. Ein Tüftler und Autodidakt, der viel beobachtet und stark auf seine Intuition vertraut. Umfassend kann er über die organischen Substanzen und Nährstoffe im Kuhdung dozieren – immer wieder bricht dabei die Freude an seiner Arbeit hervor. «Es wirkt wunderbar beruhigend, den Kühen beim Kauen zuzusehen, nicht?», sagt er dann unvermittelt und lächelt verschmitzt.

Mit Agroforst hat Adler vor vier Jahren angefangen. Als er Zweighäcksel ins Stroh seiner Rinder mischte, wurden sie rasch robuster und die Qualität des Mists besser. Was ihn beeindruckt: «Einmal bot ich den Tieren Nussbaumblätter zum Fressen an. Sie haben es ignoriert – ausser einer Kuh, die an heftigem Durchfall litt. Sie stürzte sich geradezu darauf, und schon nach kurzer Zeit ging es ihr besser.»

Heute stehen rund 3500 Gehölze auf seinen 22 Hektar Weide- und Ackerland, was einem durchschnittlichen Familienbetrieb im Mittelland entspricht. Das Ziel sind doppelt so viele, also 200 bis 300 pro Rindvieh. Am Anfang ist der Aufwand hoch, die Pflanzen brauchen Schutz und Pflege. Mit der Zeit übernehmen immer mehr die Tiere, von der fressenden und düngenden Kuh über die bestäubende Biene bis zum wühlenden Wurm im Boden. Dazu kommen Beeren, Nüsse und Obst. «Die wirklich tollen Effekte ergeben sich erst in 20 Jahren», sagt Adler gegenüber dem «Beobachter».

Es ist eine Art des Bauern, die sich ziemlich stark von der intensiven Landwirtschaft unterscheidet, wie sie in Adlers Heimat, dem Freiamt, und generell im Mittelland fast ausschliesslich betrieben wird. Während andere ganz auf Arbeitsteilung und Spezifizierung setzen, macht der frühere Hobby-Radquerfahrer alles selbst; von der Aufzucht der Tiere bis zur Verpackung des Fleischs und zum Verkauf ab Hof, Adlers Haupteinnahmequelle. Während viele auf immer grössere Herden setzen, will Pirmin Adler seinen Rindviehbestand verkleinern – und dafür eventuell in Zukunft auch Weideschweine halten. Sie sollen ebenso in die Agroforstwirtschaft integriert werden wie die 200 bis 300 Bressehühner, die Adler zusätzlich hält und Eier und Fleisch liefern. Die Hühner finden in den Hecken Körner, Käfer und Würmer und tragen mit ihrem Mist zur sogenannten Kreislaufwirtschaft bei, die mit möglichst wenig Futter und Dünger von ausserhalb des Hofs auskommen will.

Parlament strich Förderung raus

Die Schweizer Landwirtschaftspolitik behandelt die Agroforstwirtschaft bisher stiefmütterlich. Für seine Nutzhecken erhält Pirmin Adler kein Geld. Zwar sah die Botschaft des Bundesrats für die Agrarpolitik ab 2022 vor, Agroforst zu fördern. Nachdem der Bauernverband und die bürgerlichen Parteien das Vorhaben aber zwischenzeitlich sistiert und danach im Parlament die meisten Bestimmungen zum Umweltschutz rausgestrichen haben, ist davon nichts übrig geblieben. Die Hoffnung liegt jetzt auf der Strategie des Bundes für die Agrarpolitik nach 2030, der AP30+.

«Jeder Bauer und jede Bäuerin spürt den Klimawandel», sagt Pirmin Adler. Und bei vielen wachse die Überzeugung, dass die Landwirtschaft ökologischer werden muss, um darin bestehen zu können. Er blickt auf seine grünen Hecken, die aus dem weitläufig ausgedorrten Boden spriessen. Grüne Inseln im Gelb. «Das Gute ist, die Natur bietet alles an, was es dafür braucht. Wir müssen einfach mehr mit ihr arbeiten statt gegen sie.»

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