Darum gehts
- Generalsekretär Bichsel soll Klimabegriffe aus offiziellen Texten streichen
- Umfrage: 64 Prozent der 1250 Teilnehmenden lehnen die Streichung von Klimabegriffen ab
- Kritik: Leser bezeichnen Vorgehen als «Verleugnung», Befürworter loben Ausbleiben von «Hysterie»
Umweltminister Albert Rösti (59) tritt mit seiner Klimapolitik ins nächste Fettnäpfchen. Einen Teil der Schuld trifft dieses Mal auch seinen Generalsekretär Yves Bichsel (55). Mehrere Quellen aus der Bundesverwaltung berichten, dass der SVP-Hardliner die Begriffe «Klimaerwärmung» oder «Klimawandel» aus offiziellen Texten und Kommunikationen streichen lässt. Das bestätigt etwa der ehemalige Direktor des Bundesamts für Verkehr, Peter Füglistaler (67).
Die Aversion gegenüber Klimabegriffen ist auch in Berichten des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) sichtbar. In einem Protokoll heisst es, man möge das Wort «Klima» besser komplett weglassen, weil dieses nicht länger erwünscht sei. So auch der Begriff «Biodiversität». In einem weiteren Entwurf wurde ein Klimabegriff als Reizwort bezeichnet und schliesslich gestrichen. Röstis Sprecherin Franziska Ingold streitet derweil ein Begriffsverbot ab. Unsere Community hat derweil klare Positionen zum Begriff «Klima».
So steht unsere Leserschaft zum Begriffseklat
Eine Leserumfrage mit 1250 Teilnehmern zeigt: Für 64 Prozent sind Klimabegriffe ganz und gar nicht tabu. Wie am Uvek nach sprachlichen Ausweichmöglichkeiten zu suchen, ist für diese Gruppe mehr als befremdlich.
Dementgegen ist der Begriff «Klima» für 36 Prozent sehr wohl ein Reizwort, vor allem wegen seiner hohen Präsenz in Politik und Alltag. Die Ergebnisse der Umfrage decken sich mit der Debatte in der Kommentarspalte. Auch dort wird das mögliche Sprachtabu hitzig diskutiert.
«Das ist Realitätsbewältigung auf dem Level von Vierjährigen»
Viele Leserinnen und Leser äussern Kritik gegenüber der Streichung von Klimabegriffen. Chris Hoss belächelt das Uvek: «Das ist auch eine Strategie, einfach das Problem totzuschweigen.» Für Felix Raschle ist klar: «Wenn man den Begriff Klimawandel aus Dokumenten streicht, ist das für mich gleichbedeutend mit Verleugnung und Zensur!» Fritz Ackermann schreibt gar: «Jetzt wendet Rösti schon die gleichen Strategien wie die Trump-Regierung an.»
Adrian Burri beanstandet zudem: «Noch schlimmer als die Wortklauberei finde ich, wie bewusst Zweifel an der Wissenschaft geschürt werden.» Für Christine Käser ist klar: «Rösti ist nicht der Richtige für das Amt als Umweltminister, das beweist er immer wieder.»
Ernst Schulze hebt hervor: «Nur weil man etwas nicht erwähnt, ist es nicht aus der Welt geschafft. Ausgeschrieben oder nicht, der Klimawandel findet statt!» Sascha Klanke schreibt: «Das ist Realitätsbewältigung auf dem Level von Vierjährigen.»
«Wie oft müssen wir noch vom Sorgenkind Klima hören?»
Andere würden es wiederum begrüssen, wenn das Wort «Klima» weniger zur Anwendung kommt. Hans Meyer lobt das Uvek und den Umweltminister: «Rösti macht das gut, weiter so. Nur nicht in Hysterie und Panik verfallen wie alle anderen.» Edi Mösch bläst ins selbe Horn: «Endlich hat es jemand begriffen. Hört endlich auf mit der Angstmacherei durch all eure Buzzwords.» Peter Haldemann fragt: «Wie oft müssen wir noch vom Sorgenkind Klima hören, bis es genug ist?»
David Menzi relativiert: «Niemand, der etwas im Kopf hat, leugnet den Klimawandel. Aber Hysterie mit Kampfbegriffen ist fehl am Platz.» So kommentiert auch Dave Rohrfeld: «Das ist mal vernünftig. Der Kampfbegriff der Klimapanik-Profiteure. Mit all den Trigger-Worten will man nur Schreckensszenarien vermitteln.»