Darum gehts
- Parlament plant, kantonale Mindestlöhne durch nationale GAV-Löhne zu ersetzen
- Gewerkschaften warnen vor «Mini-Putsch» und rufen zu Referendum auf
- 3'500 CHF brutto in Zürich kaum für Lebenshaltungskosten ausreichend
Die kantonalen Mindestlöhne sind in Gefahr. Das Parlament sieht vor, dass die Mindestlöhne in einem national geltenden Gesamtarbeitsvertrag (GAV) künftig Vorrang haben. In diesem Szenario könnten GAV-Löhne die kantonalen Mindestlöhne in gewissen Fällen unterbieten. Nun wollen die Linken und die Gewerkschaften mit einem Referendum eingreifen.
«Hände weg von den Mindestlöhnen!», warnt der Gewerkschaftsbund. Auch SP-Co-Chef Cédric Wermuth (40) geht der Plan des Parlaments gegen den Strich. Er nennt es gar einen «Mini-Putsch gegen die verfassungsmässige Ordnung». Das letzte Wort dürfte das Volk haben. Bereits jetzt sprechen sich viele Leserinnen und Leser gegen den Angriff auf den Mindestlohn aus.
«Arbeitnehmer sollten von ihrem Lohn leben können!»
Der Grossteil der Community wehrt sich vehement gegen die Anpassung. Silvan Kummer ist einer von ihnen: «Arbeitnehmer sollten von ihrem Lohn leben können! Hier profitieren nur die Arbeitgeber.» Christian Ruckstuhl schliesst sich an: «Der Mindestlohn muss bleiben und erhöht werden! Guter Lohn für gute Arbeit!»
René Widmer fragt: «Wie soll jemand mit rund 3500 Franken brutto in Zürich leben? Regionale Mindestlöhne machen durchaus Sinn, wenn man die teils massiv unterschiedlichen Lebenshaltungskosten vergleicht. Es liegen Welten zwischen Jura und Zürich.» Heiri Meier teilt seine Argumentation: «Im Kanton Jura den gleichen Mindestlohn zu haben wie in den Kantonen Zug oder Zürich macht null Sinn.»
Viele wollen nun die grosse und kleine Kammer zur Verantwortung ziehen. Björn Gerber fordert: «Das Parlament sollte sich besser mal ums Volk kümmern, als bei Geringverdienern die Löhne zu drücken.» Michael Widmer schliesst sich an: «Bevor das passiert, sollte erstmal in der Politik gekürzt werden. Die scheinen nicht unsere Interessen im Sinn zu haben.» Linus Sennrich teilt ebenfalls seinen Unmut: «Mal wieder immer schön nach unten treten. Einmal mehr wird nur bei den Geringverdienenden genommen.»
«Wer nichts leistet, hat auch nicht mehr verdient»
Nur wenige Kommentierende stimmen mit der Mehrheit im Stände- und Nationalrat überein. Maria Eng hebt etwa hervor: «Man muss sich schon bewusst sein, dass Mindestlöhne erst einmal finanziert werden müssen. Zudem, wenn niemand zu weniger als dem Mindestlohn einen Job annimmt, kommt es aktuell automatisch zu einem Mindestlohn.»
Hendric Wyss stimmt zu: «Gute Arbeit sollte immer gut bezahlt werden. Aber die anderen, welche nicht so gut arbeiten, haben keinen Anspruch auf eben diesen guten Lohn.» Auch Mani Schwab schliesst sich an: «Wer nichts leistet oder das Minimum macht, hat auch nicht mehr verdient.»
Für Filippo Zanchi ist es im Zuge des aktuellen Arbeitsmarktes eine einfache Rechnung: «Ein garantierter Lohn, dafür aber keinen Job, oder einen garantierten Job, der ein wenig schlechter bezahlt ist. Die Wahl fällt mir leicht.»