Darum gehts
- Ein 14-Jähriger in Wetzikon ZH wurde brutal angegriffen, Video viral
- 87 Prozent von 8000 Umfrageteilnehmenden kritisieren Politik bei Jugendgewalt
- Knapp 12 Prozent fordern mehr Verantwortung von Eltern, Schulen und Plattformen
Brutale Bilder aus Wetzikon ZH sorgen für Entsetzen: Ein 14-Jähriger wird von mehreren Jugendlichen geschlagen und getreten, später hält ihm einer der Täter eine mutmassliche Schusswaffe an den Kopf. Die Aufnahmen verbreiten sich in den sozialen Medien rasant.
Kurz darauf melden sich die Eltern des Opfers zu Wort und berichten: Ihr Sohn sei bereits seit Februar von einer Gruppe Gleichaltriger eingeschüchtert worden. Die Attacke vom vergangenen Freitag sei deshalb kein Einzelfall, sondern der vorläufige Höhepunkt einer längeren Leidensgeschichte.
Während die Ermittlungen laufen, wirft der Fall Fragen zu den Hintergründen der Tat und zur zunehmenden Jugendgewalt auf.
«Sorgt endlich für Ordnung in diesem Land!»
In den Kommentarspalten unserer Beiträge diskutieren die Leserinnen und Leser intensiv und emotional. Das dominante Gefühl: Fassungslosigkeit. Über die Brutalität mit der die Jugendbande vorgeht, doch längst nicht nur. Es geht um viel mehr als das – denn es ist kein Einzelfall.
Die Diskussion kreist um die Frage: Ist die Politik zu nachlässig im Umgang mit Jugendgewalt? Dazu hat die Blick-Community eine klare Haltung, wie unsere Umfrage zeigt. So haben 87 Prozent der knapp 8000 Teilnehmenden auf «Ja» gedrückt: Ja, die Politik reagiert zu wenig konsequent und sollte dringend handeln. 12 Prozent sehen die Verantwortung woanders: Statt neuer Verschärfungen sollten Eltern, Schulen und soziale Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden, fordert diese Gruppe.
«Es ist schon zehn nach zwölf»
«Bedenkliche Zustände», kommentiert Hans Scheidegger. «Kein Wunder, wenn man sieht, wie sich die Jugendlichen täglich stundenlang in den sozialen Medien tummeln. Und sie dann meinen, dass dies die reale Welt sei.» Diese Verschmelzung der realen mit der fiktiven Welt führe dazu, dass es zu diesen Exzessen komme. «Leider werden solche Vorkommnisse in Zukunft noch zunehmen», so seine Befürchtung. «Für ‹Wehret den Anfängen› ist es schon zehn nach zwölf.»
Über die Gewaltbereitschaft wundert sich Gabi Merz nicht, wie sie selber schreibt. «Uns fehlen positive Beispiele. Wenn ich die Regierungen beobachte, wie sie Kriege anheizen und Sanktionen verhängen, hinterlässt das seine Spuren. Der Fisch stinkt vom Kopf her.»
«Ein Kind wird nicht als Schläger geboren»
Auch Leser Von Ramsau sieht einen grösseren Zusammenhang. «Irgendwo muss der Frust ja hin.» Da bleibe als letzter Ausweg fast nur noch die Schlägerei. «Und wenn danach keine spürbaren Konsequenzen folgen, wäre es ja fast unfair, von Eigenverantwortung zu sprechen.» Marcel Meister rückt derweil die Eltern ins Zentrum der Verantwortung: «Wo sind da die Eltern? Ein Kind wird nicht als Schläger geboren ...»
Gertrud Christen geht mit ihrem Kommentar in dieselbe Richtung, bringt aber auch die Integration ins Spiel. Ihrer Meinung nach liegt es an der Erziehung und an der Anpassung der Eltern in die hiesige Gesellschaft. «Wenn diese Werte den Jungen nicht vermittelt werden – sieht man jetzt, was passiert. Schönreden hilft da nicht.» Da würde es auch nicht helfen, dass Kinder mit Migrationshintergrund in der Schweiz zur Schule gingen und die gleiche Ausbildung wie alle anderen bekämen.
«Sorgt endlich für Ordnung in diesem Land!»
Das Thema Zuwanderung ist – wie so oft in diesen Tagen – auch in diesem Kontext dominant. Viele in der Leserschaft üben Kritik an der Migrationspolitik und sehen auch dort Handlungsbedarf.
Wie in der Umfrage wird auch in den Meinungsbeiträgen der Leserschaft von der Politik der Ruf nach dringenden Massnahmen laut: «Wir brauchen handelnde Politiker!», fordert etwa Giuseppe Bottazzi. «Sorgt endlich für Ordnung in diesem Land!» Daniel Schnyder geht da mit: «Bitte keine Erklärungsversuche, sondern knallharte Bestrafung aller Täter und Täterinnen.» Man muss nur wollen, so Marcel Schöni. «Selbstverständlich könnte man diese Strukturen verändern.»
«Die Schweizer Gesetze sind zu lasch»
Tamara Neukomm sieht es ebenso: «Die Schweizer Gesetze sind zu lasch, man ist dermassen naiv zu glauben, dass eine Anzeige oder eine Verwarnung abschreckt, das ist heute nicht mehr der Fall. Es muss endlich härter durchgegriffen und solche Gangs müssen sofort im Kern erstickt werden.» Noch härter im Ton wird Hanspeter Thüler: «Das sind hoch kriminelle Gestalten. Diese haben keinen Platz in unserer Gesellschaft.» Gründe wie schwieriges Elternhaus oder schlechter Umgang wolle er gar nicht hören.
Letztlich ist es eine Debatte, in der sich im Kern alle mehr oder weniger einig sind. «Für solche Taten gibt es keine Entschuldigung, ein Versagen der Eltern und der Politik, weil solche Kriminellen nicht bestraft werden», bringt es Steffi Gertsch auf den Punkt.