Darum gehts
- Zwei Juso-Vertreter planten in Paris mit 27 Organisationen einen internationalen Jugendstreik
- Die Juso koordiniert Schweizer Proteste gegen Militarisierung und Sparpolitik am 20. November
- Nach Ausschreitungen in Paris erwartet Berthod in der Schweiz keine ähnliche Gewalt
Die beiden Schweizer Juso-Vertreter Julien Berthod und Antonin Fournier waren am Samstag bei der Grossdemonstration in Paris dabei. Nun wollen sie den Protest in die Schweiz tragen. «Hast du gesehen, was gerade in Frankreich passiert ist? Am 20. November streiken wir auch in der Schweiz!», kündigen sie in einem Instagram-Post an. Die Juso koordiniert die Aktionen gemeinsam mit den Jungen Grünen und weiteren Organisationen. Sie richten sich gegen die Militarisierung und die Sparpolitik in Europa.
Dass die Proteste in der Schweiz ein ähnliches Ausmass annehmen könnten wie in Paris, glaubt Berthod nicht. Die Ausschreitungen in Frankreich seien unter anderem Ausdruck der schwierigen sozialen Lage und der Verzweiflung vieler Menschen. In der Schweiz seien die Voraussetzungen anders: Das soziale Netz sei stabiler und die direkte Demokratie biete mehr Möglichkeiten, politischen Unmut auszudrücken.
Juso-Pläne stossen auf heftigen Widerstand
Die geplanten Jugendstreiks sorgen nicht nur in der Politik, sondern auch in der Blick-Community mehrheitlich für hitzige Reaktionen. In unserer Leserumfrage sprechen sich 83 Prozent der über 7700 Teilnehmenden gegen die geplanten Proteste aus und halten diese für den falschen Weg. Weitere 15 Prozent können sich mit den Demonstrationen anfreunden, solange es nicht zu Gewalt und Vandalismus kommt. Lediglich 2 Prozent begrüssen die Proteste als Möglichkeit, wirklich etwas zu bewegen.
Vor allem die möglichen Folgen der Proteste geben vielen Lesern zu denken. So schreibt Rolf Stäheli: «Wenn die Juso verspricht, dass es am 20. November friedlich bleibt, ist das eine Illusion. Sie haben weder die Kontrolle noch den Willen, Eskalationen zu unterbinden – im Gegenteil.» Er fordert deshalb, Extremismus von links wie rechts konsequent zu bekämpfen und fragt: «Wann sieht die Politik endlich, dass die Gefahr real ist?»
Monika Lutz stellt derweil die Gründe für die geplanten Proteste infrage. «Wogegen wollen die Jusos denn demonstrieren?», fragt sie und gibt zu bedenken, dass die Zustände in der Schweiz kaum mit jenen in Frankreich vergleichbar seien. Stattdessen werde heutzutage offenbar «gegen alles und jedes» demonstriert. Auch sie befürchtet, dass es nicht friedlich bleiben könnte: «Die Chaoten warten nur darauf, wieder alles zerstören zu können.»
Userin Sarah Keller kritisiert ebenfalls die Verantwortlichen für die geplanten Jugendstreiks. «Die Initianten wissen genau, dass in Frankreich viele Kleinkriminelle am Werk waren und nehmen das und noch viel Schlimmeres als Kollateralschaden in Kauf.» Auch die SP kommt in ihrer Kritik nicht gut weg: Diese streichle den Verantwortlichen auch noch «lobend übers Köpfchen», schreibt Keller.
«Worte nützen leider nichts»
Vereinzelt finden die geplanten Proteste in der Community aber auch Zuspruch. «Die Forderungen der Demonstranten in Paris und anderswo sind legitim. Dass sich Chaoten und Randalierer unter die Hunderttausende gemischt haben, ist bedauernswert, negiert aber nicht die Anliegen», schreibt etwa Mario Camerone. Mit Blick auf die Sparpolitik des Bundes, steigende Krankenkassenprämien und die geplante Mehrwertsteuererhöhung findet er es richtig, «dass die Jugend dagegen protestiert».
Robert Konrad sieht die Ursache der Proteste in einer Politik, die seiner Meinung nach zu stark von den Interessen wohlhabender Menschen und grosser Unternehmen geprägt sei. Er wirft der Politik vor, sich von «Millionären, Milliardären, Firmen und ihren Aktionären» beeinflussen zu lassen. Die Mehrheit der Bevölkerung könne man nicht «ewig ausbeuten und die Daumenschrauben anziehen», schreibt er. Während die Menschen in anderen Ländern auf die Strasse gingen, ducke man sich in der Schweiz lieber.
Auch Leser Matthias Müller begrüsst, dass sich die Juso für ihre Rechte starkmacht. «Endlich eine Generation, die für ihre Rechte kämpft. Worte nützen bei den aktuellen europäischen Politikern leider nichts.» Seiner Ansicht nach braucht es mehr als politische Diskussionen, damit Forderungen Gehör finden.