Darum gehts
- Star-Coiffeur Dürrenmatt führt genderneutrale Preise ein: 155 Franken pro Haarschnitt
- Kritik von Männern, die mehr zahlen, Konsumentenschutz lobt Gleichbehandlung
- Blick-Umfrage: Mehrheit skeptisch
155 Franken für einen Haarschnitt – unabhängig vom Geschlecht. Mit diesem Entscheid sorgt Star-Coiffeur Martin Dürrenmatt derzeit für Gesprächsstoff. In seinem Salon gelten neu genderneutrale Preise, Damen- und Herrentarife gehören der Vergangenheit an.
Dürrenmatt begründet es damit, dass nicht das Geschlecht, sondern der tatsächliche Zeit- und Arbeitsaufwand entscheidend sei und er niemanden «abzocken» wolle.
Während der Konsumentenschutz das Modell als fairen Schritt in Richtung Gleichbehandlung begrüsst, reagieren Teile der Kundschaft kritisch. Denn die Männer bezahlen bei ihm nun mehr. Auch auf Social Media kassiert der Starfigaro nicht nur Lob, sondern auch viel Kritik.
Mehrheit der Community rauft sich die Haare
Wir wollten auch von euch wissen, was ihr über das genderneutrale Preiskonzept im Coiffeursalon denkt. Unsere Blick-Umfrage mit total 1629 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat ergeben, dass die Mehrheit dagegen ist und sogar bereit wäre, den Coiffeur zu wechseln, sollte dieser auf die Idee kommen, die Preise genderneutral zu gestalten.
Ein Viertel aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer wäre nur dafür, wenn die Preise nach unten angepasst würden. 18 Prozent sind hingegen ganz klar dafür und finden das eine faire Preispolitik. Die Umfrage ergibt ausserdem, dass diese Debatte immerhin 13 Prozent der Leserschaft egal ist, da sie ihre Frisur von sich selbst oder einer Bezugsperson verpasst bekommen.
«Die Rechnung geht nur für Herrn Super-Coiffeur auf»
In der Kommentarspalte äussern sich überwiegend Männer, viele von ihnen kritisch. Leser Daniel Ackermann gehört zu jenen, die die genderneutrale Preisanpassung verurteilen: «Denke, die Einzigen, die begeistert sind, sind Herr Dürrenmatt und sein Buchhalter.» In die gleiche Richtung zielt Marco Webers Kommentar: «Wer zum Haareschneiden 155 Franken bezahlen will, soll das tun. Ich bin jedenfalls gespannt, wie lange der Herr dieses ‹faire› Preismodell halten wird.»
Daniel Bill hat derweil Mühe mit dem Argument der Gleichberechtigung: «Eine sehr scheinheilige Aussage, er wolle Gleichberechtigung für die Frauen. Die Rechnung geht nur für den Herrn ‹Super-Coiffeur› auf!»
«Wer nicht will, muss ja nicht»
Max Ikso findet, selber schuld, wer solche Preise zahlt. «Verstehe ich das richtig? Weil bisher die Frauen abgezockt wurden, werden zukünftig auch Männer abgezockt?» Und Stefan Grasmück schreibt: «Ehrenhaft wäre gewesen, die Frauenpreise an die Männer anzupassen.» Genauso sieht es Willy Schoch: «Ich glaube die Frauen zahlen zu viel. Er müsste die Preise der Frauen senken und gleichzeitig die Preise für die Herren anheben und sich in der Mitte treffen.» Unzählige weitere Kommentare haben denselben Tenor.
«Finde ich grossartig, weiter so! », hält indes Helene Mokle den Kritikern entgegen. «Wer nicht will, muss ja nicht.» Zu den Befürwortern gehört auch Paul Strassmann. «Selbstverständlich ist derselbe Preis gerechtfertigt.» Er argumentiert damit, dass es inzwischen wohl einige Männer gebe, die einen vergleichbaren Aufwand verursachten wie Frauen. «Schauen wir, was der Markt dazu sagt.»