Darum gehts
- Starfigaro Martin Dürrenmatt polarisiert mit genderneutralen Preisen
- Männerpreise für einen Haarschnitt steigen so um rund 80 Prozent
- Konsumentschutz äussert sich positiv zum neuen Preismodell
Er geht andere Wege, setzt neue Zeichen und polarisiert. Seit sechs Wochen setzt Starfigaro Martin Dürrenmatt (35) in seinem Salon auf genderneutrale Preise, wie er am 2. Februar auf seinen Social-Media-Kanälen bekannt gab. Auf Instagram hat er über 13'000 Follower.
Der achtfache Coiffeurweltmeister erklärt, dass für ihn «nie nachvollziehbar war, warum Damen und Herren für einen Haarschnitt so unterschiedliche Preise zahlen». Die Leistung und dafür aufgewendete Zeit seien in den meisten Fällen genau dieselbe.
Männer zahlen 80 Prozent mehr
Deshalb gilt in seinem Studio seit Anfang Jahr, dass ein Haarschnitt für Männer und Frauen 155 Franken bei einer Master-Stylistin kostet, 139 Franken sind es bei einer Mitarbeiterin mit weniger Erfahrung.
Gegenüber dem Onlineportal 20 Minuten räumt Martin Dürrenmatt ein, er wolle damit die «Frauenverarschung stoppen». Konkret heisst dies, dass die Preise für Damen gleich bleiben und diejenigen für Herren um rund 80 Prozent erhöht werden. Es sei klar, dass dies nicht alle toll fänden und einige Kunden daher nicht mehr zu ihm kämen.
In den Kommentaren ist davon auf Dürrenmatts Profilen nichts zu lesen. «Ich lösche negative Kommentare und blockiere sie. Ich bin sehr wohl kritikfähig, aber stelle meine Plattform nicht für Wutreden und Beleidigungen zur Verfügung. Wer mit seinem Leben unzufrieden ist, soll das nicht bei mir ausleben», sagt der Grossneffe des grossen Schweizer Dichters Friedrich Dürrenmatt (1921–1990) gegenüber Blick.
Es sei noch zu früh, in Prozent anzugeben, wie viele Männer bei ihm abgesprungen seien. Doch er will klarstellen: «Ich zocke keine Männer ab.» Er wolle sich lediglich gegen das traditionell Eingebrannte wehren, dass Frauen einfach mehr bezahlen, unabhängig vom Aufwand.
Manche Männer fühlen sich plötzlich ausgeschlossen
Eine viel spannendere Erfahrung, die er mache, sei, dass es vielen nicht um den Preisanstieg gehe. «Männer fragen mich, ob ich sie als Kunden loswerden wolle, ob sie nicht spannend genug seien. Es geht dabei oft nicht ums Geld, sondern um die Emotion, plötzlich ausgeschlossen zu sein.»
Dabei sei vielen bis anhin nicht klar gewesen, dass auch sie in seinem Salon eine Stunde lang auf dem Stuhl sitzen und dieselbe aufmerksame und professionelle Betreuung bekommen wie eine Frau. Dass Männer durch ihre kurzen Haare weniger Zeit bräuchten, sei eine Mär. «Sie brauchen länger für den präzisen Schnitt und kürzer beim Föhnen. Bei langen Haaren ist es meist umgekehrt.» Daher sehe er die monetäre Angleichung als gerechtfertigt.
Das sagt der Konsumentenschutz
Auf die Anfrage von Blick beim Konsumentenschutz zum neuen Modell von Martin Dürrenmatt sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder: «Wir befürworten Preise, die unabhängig vom Geschlecht gesetzt werden. Ein Preis für eine Dienstleistung sollte den Aufwand widerspiegeln, nicht die Zahlungsbereitschaft einer Kundinnen- und Kundengruppe.»
Weshalb sich dies noch nicht in der Branche durchgesetzt hat, erklärt sie mit der freien Preisfestsetzung – man könne schalten und walten, wie man wolle. «Geregelt wäre einzig, dass die Preise gut sichtbar einsehbar sein sollten im Geschäftslokal – doch damit hapert es noch gewaltig!», so Stalder.
Gleiche Preise für gleiche Arbeit
Coiffure Suisse beantwortet die Anfrage wie folgt: «Grundsätzlich sind die Coiffeurgeschäfte in der Gestaltung ihrer Preise frei, und der Verband gibt keine Preisrichtlinien heraus, vertritt jedoch die Ansicht, dass gleiche Arbeit auch gleiche Preise rechtfertigt», schreibt Kommunikationsleiterin Sandra Stoll.
Sie ergänzt: «Es gibt eine ganze Reihe von Kostenargumenten, mit denen sich der höhere Preis für den Damenservice begründen lässt.» Dies seien unter anderem teure Geräte, Farblabor, Weiterbildung, Haarverlängerungen, Flechttechniken. «Männer wollen sich in der Regel einfach die Haare schneiden lassen.»
Martin Dürrenmatt sieht sich in der Verantwortung, Missverhältnisse in der Branche sichtbar zu machen, Traditionen zu überdenken, entsprechend zu brechen und als Vorbild für Wandel hinzustehen. So polarisierte er auch im August 2024, als er die Viertagewoche einführte. «Am Ende profitieren wir doch alle. Die mentale Gesundheit von meinem Team und mir wird gepflegt; durch die genderneutrale Preisgestaltung schaffen wir Fairness.»