Debatte um Sanierungspflicht
«Was ich mit meinem Haus mache, geht die Politik nichts an!»

Die geplante Sanierungspflicht für ältere Gebäude sorgt für heftige Reaktionen. Eine klare Mehrheit unserer Leser lehnt sie ab. Andere sehen verbindliche Vorgaben als nötig für Klimaschutz und Werterhalt.
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Zahlreiche Gebäude in der Schweiz hinken bei der Energieeffizienz nach.
Foto: Raphaël Dupain

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bundesrat plant Sanierungspflicht für Gebäude mit Energieklasse unter D
  • 70 Prozent der 11'000 Befragten lehnen Sanierungspflicht in Umfrage ab
  • Gebäude vor 1980 besonders betroffen, finanzielle Hilfen von Bund geplant

In der Schweiz plant der Bundesrat neue Regeln für ältere und energieineffiziente Gebäude. Hausbesitzer könnten künftig verpflichtet werden, ihre Gebäude energetisch zu sanieren und mindestens die Energieklasse D zu erreichen. 

Besonders im Fokus stehen ältere Gebäude, vor allem aus der Zeit vor 1980. Viele dieser Häuser sind energetisch wenig effizient und wurden an wichtigen Teilen der Gebäudehülle noch nicht saniert. Je schlechter der Zustand, desto mehr Zeit soll für die Sanierung zur Verfügung stehen. Für die Eigentümer würde das zusätzliche Kosten bedeuten. Gleichzeitig sind höhere Fördergelder und Programme zur sozialen Abfederung vorgesehen – wie diese genau ausgestaltet werden, ist noch offen.

Sanierungspflicht spaltet die Gemüter

Das Vorhaben sorgt für kontroverse Reaktionen: Während Befürworter in verbindlichen Vorgaben einen wichtigen Schritt für mehr Energieeffizienz und den Klimaschutz sehen, warnen Gegner vor hohen Kosten, zusätzlicher Bürokratie und einem Eingriff ins Privateigentum.

Unsere Leserumfrage zeigt eine klare Bewertung: Von den über 11'000 Teilnehmenden lehnen 70 Prozent eine Sanierungspflicht ab. Für sie soll es Sache der Eigentümer bleiben, ob und wann sie ihr Gebäude sanieren. 22 Prozent befürworten eine Pflicht nur dann, wenn es genügend finanzielle Unterstützung gibt. Lediglich 9 Prozent sehen eine Sanierungspflicht grundsätzlich als notwendigen Schritt für die Energiewende.

«Kann ich mir nicht leisten»

Die Kritik am geplanten Sanierungszwang fällt auch in den Leserkommentaren deutlich aus. So schreibt etwa Tim Horbacher: «Die Politik geht es nichts an, was ich mit meinem Haus mache! Überall, wo der Staat die Finger draufhält, gibt es mehr Bürokratie und Beamte.»

Viktor Baumann schildert die Situation aus Sicht eines älteren Hauseigentümers: «Als Rentner besitze ich ein älteres Haus. Ich habe es, so gut es geht, den heutigen Gegebenheiten angepasst. Wenn mich der Staat aber zwingen möchte, weitere Massnahmen umzusetzen, geht das nicht. Mit meiner AHV kann ich mir das nicht leisten, zumal ich über 70 Jahre alt bin.»

Jens Weber richtet den Fokus auf die möglichen Folgen für Mieter: «Das Problem ist nicht energetisches Sanieren an sich, sondern eine pauschale Sanierungspflicht. In einem ohnehin extrem angespannten Wohnungsmarkt können Milliarden zusätzlicher Investitionskosten zu höheren Mieten, Sanierungskündigungen und dem Verlust günstiger Bestandswohnungen führen. Wenn der Staat solche Vorgaben macht, muss er zuerst erklären, wer die Kosten trägt und wie verhindert wird, dass am Ende die Mieter die Rechnung bezahlen.»

Auch Befürworter melden sich zu Wort

Doch die Forderung nach freiwilligen Sanierungen überzeugt nicht alle. Leser Felix Ebneter findet klare Worte: «Ohne genügend Isolation entweicht ein grosser Teil der Wärme ungenutzt und sinnlos ins Freie und schädigt die Umwelt. Die Resultate davon sehen wir diesen Sommer!» Die Folgen davon würden letztlich alle tragen, während Vermieter die Heizkosten an die Mieter weitergeben könnten.

Thomas Moser fragt sich ebenfalls, weshalb Eigentümer nicht stärker in ihre Liegenschaften investieren. «Man hat oder kauft also Häuser, die jetzt in den letzten Jahren auf über 50 Prozent des normalen Verkaufspreises preislich gestiegen sind, ist aber nicht in der Lage, in die Liegenschaft zu investieren?» Für Moser sind vor allem jene die Leidtragenden, die zusehen müssten, «wie all die Liegenschaften viel zu teuer verkauft werden».

Auch Martina Keller spricht sich für verbindliche Vorgaben aus. «Energetische Sanierungen sind nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch der langfristigen Werterhaltung», schreibt sie. Die Kosten müssten zwar tragbar sein und Härtefälle berücksichtigt werden. «Aber ohne verbindliche Vorgaben wird sich bei vielen alten Gebäuden schlicht nichts bewegen.» Wer eine Liegenschaft besitze, trage schliesslich auch Verantwortung dafür, dass sie heutigen Standards entspreche.

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