Darum gehts
- Verkehrsminister Rösti plant 11-Milliarden-Ausbau der Nationalstrassen bis 2045
- Demoscope-Umfrage: Mehrheit hält Pläne für undemokratisch, fordert mehr ÖV-Förderung
- Leserumfrage: 50 Prozent für Ausbau, 49 Prozent dagegen, 1 Prozent ohne Meinung
Verkehrsminister Albert Rösti macht bei seinen Plänen für die Schweizer Nationalstrassen vor nichts halt. Ganze 11 Milliarden Franken will er bis 2045 in den Autobahnausbau investieren. Sein Programm «Verkehr 45» beinhaltet auch Projekte, die 2024 bereits vom Stimmvolk abgelehnt wurden. Eine neue repräsentative Demoscope-Umfrage zeigt, die Mehrheit erachtet Röstis Plan für undemokratisch.
Eine grosse Mehrheit fordert laut der Erhebung eine Förderung des öffentlichen Verkehrs. Viele sind überzeugt, mehr Strassenfläche führe nur zu mehr Verkehr. Eine grosse Sorge ist zudem der Kulturlandverlust in der Landwirtschaft aufgrund von Autobahnbauten. Auch unsere Leserinnen und Leser teilen ihre Meinung zum Ausbau der Schnellstrassen.
So steht die Community zum Autobahnausbau
In einer Leserumfrage mit über 8300 Teilnehmern sprechen sich 50 Prozent für einen Ausbau der Nationalstrassen aus, auch wenn dieser den Willen der Mehrheit in der Bevölkerung ignoriert.
Die Opposition ist mit 49 Prozent jedoch ebenso stark vertreten. Diese Lesergruppe ist klar der Ansicht, der Volksentscheid muss respektiert werden. Nur 1 Prozent äussert keine Meinung zum Schnellstrasseneklat. Auch in den Kommentaren gehen die Meinungen auseinander.
«Da sieht man mal, was Rösti für ein Verständnis von Demokratie hat»
Viele Leserinnen und Leser rügen Bundesrat Rösti für sein Handeln. Theo Märki ist einer der Kritiker. «Das Volk hat Nein gesagt und Rösti kommt zwei Jahre später wieder, mit teils genau den gleichen Autobahnausbauprojekten. Der Volkswille muss scheinbar nur respektiert werden, wenn man gewinnt.» Hans Rudolf Fehr stimmt zu: «Da sieht man mal, was Rösti für ein Verständnis von Demokratie hat.»
Für Paul Bühler wird hier auch als Autobahnbefürworter klar eine Grenze überschritten: «Auch wenn ich den Ausbau der Strasseninfrastruktur als dringend nötig erachte, ist mir unsere Demokratie doch wichtiger. Das Nein zum Autobahnausbau gilt es zu akzeptieren.» Christof Lafleur fragt: «Ist ein Nein so schwer zu verstehen, Herr Rösti?»
Marion Jost ist aufgebracht: «Haben die immer noch nicht verstanden, dass wir eine intakte Umwelt zum Überleben brauchen? Zudem hat das Volk schon abgestimmt!» Auch Jacqueline Hostettler kommentiert: «Der Regierung ist Umwelt und Natur in der Schweiz wohl egal. Genau jetzt müssten wir doch in den ÖV investieren.»
«Das Nein vom Volk hat bisher noch keinen Stau gelöst»
Andere verteidigen den Verkehrsminister. Marc Schmid ist etwa überzeugt: «Die besagte Infrastruktur und der Ausbau sind spätestens im Jahre 2045 ein absolutes Muss. Rösti zeigt einfach Weitsicht.» Rolf Gurtner kann nur zustimmen: «Rösti schaut, dass wir auf unseren Strassen tatsächlich auch mal fahren dürfen.»
Werner Süsstrunk schliesst sich ebenfalls an: «Ich war damals auch dagegen, aber wohin mit dem Verkehr? Ich glaube nicht, dass es mit dem ÖV alleine gehen wird.» Thomas Moser schreibt schlicht: «Das Nein vom Volk hat bisher noch keinen Stau gelöst.»
Für Thomas Moser ist klar: «Der Individualverkehr macht in der Schweiz 75 Prozent aus. Der ÖV gerade mal 25 Prozent. Ungeachtet der Abstimmung ist der Autobahnausbau der einzig richtige Weg.» Ursi Kuster ist derweil überzeugt: «Das Volk kann nicht immer alle Themen richtig einschätzen, da fehlt es einigen ganz einfach am Wissen. Vor allem wenn es um Themen geht, die noch so weit entfernt sind. Wir reden hier schliesslich auch über Projekte, die 20 Jahre in der Zukunft liegen.»