Darum gehts
- Chiasso TI verlangt von Hundehaltern, den Urin ihrer Tiere mit Wasser zu beseitigen
- Bei Verstössen drohen Bussen von bis zu 100 Franken
- 53 Prozent halten Massnahme für übertrieben, 25 Prozent befürworten sie
Diese neue Regel dürfte Hundehalterinnen und Hundehaltern in Chiasso TI gewaltig stinken. Neben dem Kot müssen diese in der Tessiner Gemeinde künftig auch das kleine Geschäft ihrer Vierbeiner beseitigen. Um den Urin wegzuspülen, ist eine genügend grosse Wasserflasche also unverzichtbar.
Der Gemeinderat will damit den verantwortungsvollen Umgang mit Tieren im Gemeindegebiet fördern. «Rücksichtsloses Verhalten wirkt sich negativ auf die Wahrnehmung von Ordnung, Sauberkeit und Pflege des Stadtgebiets aus», hält er weiter fest. Bei einem Verstoss kann eine Busse von bis zu 100 Franken fällig werden. In unserer Community polarisiert die neue Verordnung.
Bisi-Regel spaltet die Community
Wie eine nicht repräsentative Leserumfrage mit über 5800 Teilnehmern zeigt, halten rund 53 Prozent die Massnahme für völlig übertrieben. Weitere 13 Prozent sind der Ansicht, es braucht keine Verschärfung. Die aktuelle Gesetzeslage genügt in ihren Augen.
Dementgegen erachten 25 Prozent die Änderung als sinnvoll. Sie fordern eine landesweite Implementierung. Weitere 9 Prozent können den Entscheid vor allem wegen des Uringestanks nachvollziehen. In den Kommentaren sind sich die Leserinnen und Leser ebenfalls uneinig.
«Das ist ein Tier und kein Roboter»
Vielen geht die Massnahme des Gemeinderates entschieden zu weit. Rolf Meyer ist einer von ihnen: «So en Seich! Was für eine schwachsinnige Überregulierung.» Roland Straubhaar fragt ebenso: «Sollen alle Vierbeiner bald auch noch Windeln tragen?»
Diana Rico merkt zudem an: «Jeder, der einen grösseren Hund hat, soll demzufolge einen 15-Liter-Kanister Wasser auf jedem Spaziergang mitschleppen? Gehts noch?!» Marcos Garcia bläst ins selbe Horn: «Das ist komplett weltfremd. Hunde urinieren über den ganzen Auslauf hinweg an verschiedenen Stellen. Das kann man als Hundebesitzer gar nicht richtig regeln. Das ist ein Tier und kein Roboter.»
Rolf Meyer spricht von Doppelmoral: «Aber die Katzen der Nachbarn dürfen mir in die Gemüsebeete machen und beim Scharren noch die Setzlinge ausgraben. Da darf dann niemand etwas sagen.» So auch Andreas Zimmermann: «Wieso wird nie was gegen Pferde oder Katzen unternommen? Das stinkt genauso im Sommer.»
«Gewisse Hundehalter haben keinen Anstand»
Auf der Gegenseite verteidigen viele die Tessiner Pipi-Regel. Heinz Konrad Schwarz lobt: «Endlich! Sehe keinen Grund, warum Hunde dürfen, was Menschen verboten ist.» Auch Hendric Wyss findet die Massnahme sinnvoll: «Bravo, Chiasso. Hoffentlich wird das bald schweizweit eingeführt.»
Yvonne Bianchet berichtet: «Viele Besitzer lassen ihre Hunde auf unsere Wiese gleich am Gehweg pinkeln. Bei wenig Regen stinkt es fürchterlich. Gewisse Hundehalter haben keinen Anstand, darum begrüssen wir auch solche Regeln.» Isidor Hasler schreibt: «Auch bei uns im Dorf ist Uringestank an gewissen Stellen nicht mehr auszuhalten.»
Michael Ronner kann die Massnahme auch als Hundehalter nachvollziehen: «Ich wohne zwar auf dem Land und habe es einfacher, aber in der Stadt muss man sich damit arrangieren, wenn man einen Hund hat.»