Mädchen (†4) nach Attacke tot
Kampfhund biss vor zwei Jahren bereits die Mutter

Nach der tödlichen Attacke auf die vierjährige Matilda rückt die Vorgeschichte des Staffordshire Terriers Abel in den Fokus. Dieser hatte bereits im Jahr 2024 seine Besitzerin gebissen. Expertinnen sind zutiefst betroffen von dem Vorfall.
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American Staffordshire Terrier Abel hat die vierjährige Tochter seiner Besitzerin angegriffen.
Foto: PRIVAT

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Vierjährige Matilda stirbt nach Hundeattacke in Sachsen-Anhalt am Mittwochnachmittag
  • Familienhund griff an, trotz früherem Vorfall mit Maulkorb-Auflage zurückgegeben
  • Expertinnen sind schockiert und mahnen zur Achtsamkeit
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Angela RosserJournalistin News

Es sind Nachrichten, die betroffen machen. Am Mittwochnachmittag ist die vierjährige Matilda aus Sachsen-Anhalt an den Folgen einer Hundeattacke gestorben. 

Ein Bekannter habe den Familienhund Abel, einen American Staffordshire Terrier, aus der Gitterbox gelassen, um mit ihm zu spielen. Matilda streichelte den Hund, als dieser plötzlich zubiss. Ihre Mutter und ein Bekannter sollen vergeblich versucht haben, Hund und Kind zu trennen.

Drogen und Vorgeschichte

Gemäss «Bild»-Informationen machten die Polizeikräfte bei dem Einsatz auch einen sogenannten «Zufallsfund». Es wurde ein Tütchen Rauschgift gefunden. Es soll sich um Crystal Meth handeln. Wem die Drogen gehören, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Wie nun bekannt wurde, war der Hund bereits im Jahr 2024 auffällig geworden. «Bei einer Feier kam es zu einer Schlägerei zwischen mehreren Beteiligten. Der Hund ging dazwischen, fiel seine eigene Besitzerin an und verletzte sie», sagt eine Nachbarin zu «Bild». Der Hund kam ins Tierheim.

Nachdem Abel einen Wesenstest bestanden hatte, durfte das Tier wieder nach Hause. Voraussetzung war, dass der Hund in der Öffentlichkeit dauerhaft einen Maulkorb trägt. Bis zur tödlichen Attacke auf Matilda war der Hund wohl nicht erneut auffällig geworden.

«Es ist extrem schlimm»

«Als Erstes empfinde ich einfach nur tiefe Trauer», sagt Zana Hatirli-Saiti (40), Vizepräsidentin des Staffordshire Bull Terrier Club Schweiz. «Wenn ein kleines Kind durch einen Hund ums Leben kommt, gibt es dafür keine passenden Worte», sagt sie. Als Mutter, Hundehalterin und Züchterin frage sie sich, wie es so weit kommen konnte.

Viele tragische Situationen liessen sich durch konsequentes Management im Alltag vermeiden oder zumindest das Risiko erheblich reduzieren, sagt sie. «Das gilt nicht nur für bereits auffällig gewordene Hunde. Auch nicht für eine bestimmte Rasse, sondern für alle Hunde.» Bei ihr werden Hund und Kind immer räumlich getrennt oder unter ihrer Kontrolle geführt.

Konflikt oder Angriff

«Unsere Hunde und Kinder haben ganz klare Regeln», erzählt sie. Sie merken auch, wenn den Hunden das Verhalten der Kinder oder die Lautstärke zu viel wird und sie Abstand suchen.

«Ich greife ein, erkläre meinen Kindern, wie sie sich respektvoll gegenüber den Hunden verhalten sollen und gebe dem Hund die Möglichkeit, sich zurückzuziehen.» Einzelne Personen aber zu verurteilen, ohne alle Hintergründe zu kennen, wäre unseriös, sagt die 40-Jährige über den aktuellen Fall.

Umfassende Analyse

Auch die Präsidentin der Bullstaff-Hilfe, Sandy Birrer (52), ist zutiefst betroffen. «Solche Ereignisse erschüttern uns jedes Mal aufs Neue», sagt sie. Aus der Ferne seriös zu beurteilen, wie man das hätte verhindern können, sei nicht möglich, sagt auch Birrer.

Grundsätzlich gelte aber: «Hunde mit bekanntem problematischem Verhalten gehören nur in Hände erfahrener Halter und Fachpersonen. Nach jedem ernsthaften Vorfall braucht es eine umfassende Verhaltensanalyse und ein professionelles Training», sagt sie. 

Keine Kampfschmuser

Nur den Hund anzuschauen, reiche nicht aus. «Häufig müssen auch Alltag und Umgang angepasst werden.» Problematisch sind aus ihrer Sicht die beiden sich bildenden Extreme: «Die einen stellen diese Hunde als gefährliche Monster dar, die anderen als harmlose ‹Kampfschmuser›. Beides wird den Hunden nicht gerecht.»

Durch die mediale Aufmerksamkeit bei Vorfällen mit Listenhunden entstehe schnell der Eindruck, diese Rassen seien grundsätzlich gefährlicher als andere, sagt sie. «Beissvorfälle anderer Rassen schaffen es eher selten in die Medien.»

Stärken und Risiken thematisieren

Nach einer solchen Tragödie suchen viele nach einfachen Antworten, so Birrer. «Doch die gibt es nicht. Weder hilft es, eine ganze Rasse zu verteufeln, noch hilft es, ihre genetischen Anlagen zu verleugnen.»

Wer diese Hunde liebt, müsse bereit sein, ehrlich über ihre Stärken, Eigenschaften und ihre Risiken zu sprechen. Nur so können Vorurteile abgebaut werden. «Es sind weder Dämonen noch Plüschtiere. Es sind Hunde. Und sie brauchen verantwortungsvolle Halter», sagt sie.

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