Darum gehts
- Britischer Reiseinfluencer Max Jeffery bezeichnet die Schweiz als unfreundlich, zu teuer und langweilig
- In der Blick-Community gehen die Meinungen auseinander
- Viele Leserinnen und Leser verteidigen die Schweiz und verweisen auf die hohe Lebensqualität
Der britische Reiseinfluencer Max Jeffery ist alles andere als begeistert von der Schweiz. In einem Video zählt er drei Reiseziele auf, die seiner Meinung nach deutlich überschätzt werden. Besonders schlecht schneidet dabei die Schweiz ab: Sie belegt den ersten Platz. Vor allem die hohen Kosten sind Jeffery ein Dorn im Auge. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei «womöglich das Schlimmste», das er je erlebt habe. Zwar könne die Schweizer Landschaft durchaus beeindrucken, doch das allein mache das Land für ihn noch lange nicht zu einem lohnenswerten Reiseziel.
Auch mit der Kultur, dem Umgang mit Touristen und dem Nachtleben kann er wenig anfangen. Insgesamt fehle es der Schweiz an Spannung. Besonders Genf kommt bei ihm schlecht weg: Die Stadt sei «einer der langweiligsten Orte», die er je besucht habe. Einen Lichtblick gibt es für den Briten dennoch – den Schweizer Käse.
Leser halten gegen den Briten
Die Kritik des britischen Reiseinfluencers kommt bei der Blick-Community mehrheitlich negativ an. In einer Leserumfrage mit über 4800 Teilnehmenden finden 56 Prozent, dass Jeffery nicht wisse, wovon er spreche. 27 Prozent sehen die Sache differenzierter: Ob die Schweiz überbewertet sei, hänge davon ab, was man erleben wolle. Nur 17 Prozent stimmen dem Influencer zu und finden, dass die Schweiz überschätzt werde.
Auch in den Kommentaren stossen Jefferys Aussagen auf Widerspruch. «Wer kein Geld zum Reisen hat, hat in der Schweiz nichts verloren», schreibt etwa Userin Nadja Steiner. Sie hält wenig von der Kritik am hohen Preisniveau. «Wir sind kein Billigreiseland und müssen es auch nicht sein.» Wer Schweizer Preise mit denen im Ausland vergleiche, blende aus, was man dafür bekomme: saubere Städte, eine zuverlässige Infrastruktur, sichere öffentliche Verkehrsmittel und eine Natur, für die andere um die halbe Welt reisen.
Auch Danny Beck kann Jefferys Kritik an den hohen Preisen nur bedingt nachvollziehen. «Influencer gehen von einem Hotspot zum anderen und wundern sich, dass sie astronomische Preise zahlen», schreibt er. «Wenn ich am Piccadilly Circus ein Pint trinke und 15 Pfund dafür blechen muss, darf ich mich auch nicht über die hohen Preise wundern.» Für Beck ist klar: Wer an einem derart beliebten Ort ausgehe, müsse mit hohen Preisen rechnen. «Wenn ich mich trotzdem ärgere, muss ich das nicht mit der ganzen Welt teilen», doppelt er nach.
Udo Fern hält Jefferys Urteil ebenfalls für verfehlt. Wer die Schweiz als langweilig bezeichne, beweise damit nur, dass er «noch ziemlich grün hinter den Ohren» sei. Statt die Schweiz schlechtzureden, solle der Brite lieber einen Vergleich mit seiner Heimat ziehen. Fern verweist auf die Hotelpreise, die öffentlichen Toiletten und die Infrastruktur in Grossbritannien. «Auch kulinarisch hinkt der Vergleich: Die Vielfalt von Zürich hält mit London locker mit – vom Züri Gschnätzlets bis zu indischen Spitzenrestaurants gibt es alles.» Zudem hebt Fern die Schweizer Infrastruktur, Sauberkeit und Qualität hervor.
Auch Schweizer sehen Verbesserungsbedarf
Doch nicht alle Leserinnen und Leser widersprechen dem Reiseinfluencer. René Eichenberger findet, Jeffery habe «nicht völlig unrecht». Die Schweiz sei «extrem teuer für Otto Normalverbraucher», kritisiert er. Auch das Nachtleben sei «nicht berauschend» und das Essen teuer «und nicht immer gut». Ein Blick über die Landesgrenzen lohne sich deshalb: Wer ins Südtirol oder nach Österreich reise, sehe, dass es in der Schweiz «noch viel Potenzial gegen oben» gebe.
Auch Laurizius Thompson begrüsst Jefferys deutliche Worte. «Endlich jemand, der offen über die Schweiz spricht, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Als Schweizer Bürger ohne Migrationshintergrund kann ich seine Kritik aus eigener Erfahrung voll und ganz nachvollziehen.» Er habe selbst zwei Jahre in Sydney und sechs Jahre in Irland gelebt und dabei viele Unterschiede in der Mentalität und im gesellschaftlichen Umgang erlebt. «Nur wegen meiner Heirat bin ich in die Schweiz zurückgekehrt», schreibt er.
Leser Patrick Zola sieht ebenfalls Verbesserungsbedarf und stellt die Gastfreundschaft in der Schweiz infrage. «Wenn man gereist ist, weiss man leider, wovon er spricht. Wir müssen mehr bieten und unbedingt freundlicher sein, das ist ein Fakt», findet er. Gerade im Vergleich mit anderen Ländern gebe es hierzulande noch Luft nach oben. «Geht mal nach Südkorea oder Japan, dann wisst ihr, was ich meine.»