«Ausserhalb Zürichs sieht man nur alte und kranke Leute.» Mit diesem Satz sorgt Tiktokerin Elen Tuta für Aufsehen. Nach vier Jahren in der Schweiz verlässt die gebürtige Russin das Land – und rechnet in einem viralen Tiktok-Video mit ihrem bisherigen Zuhause ab. Die Schweiz sei für sie geprägt von einem «teuren Altersheim-Lifestyle». Ältere Menschen seien überall präsent, gleichzeitig bezeichnet sie diese als böse, ignorant und rassistisch.
Auch für junge Menschen mit Migrationshintergrund findet Tuta deutliche Worte. Wer Englisch oder «normales, akademisches Deutsch» spreche, finde in der Schweiz nur schwer Anschluss. Als Ausländer in seinen 20ern oder 30ern habe man hier ihrer Meinung nach eigentlich nichts verloren. Eine Integration hält sie offenbar für kaum möglich: Es gebe weder genügend Infrastruktur noch die passenden Leute, um sich ein soziales Leben aufzubauen. Selbst mit einem Einkommen von 10'000 Franken im Monat sei man in der Schweiz noch «arm» und führe ein gewöhnliches Leben.
Tuta bekommt Zustimmung
Mit ihrer Abrechnung trifft Tuta bei einigen Blick-Lesern einen Nerv. «Objektiv betrachtet hat sie in fast allen Punkten recht. Ich habe hier auch nie Anschluss gefunden, genauso wie sie es beschreibt», schreibt etwa User Mathias Kasdorf. Was in der Schweiz fehle, sei «eine Volksgemeinschaft und echter Gemeinsinn».
Leser Rolf Benedetti pflichtet ihr ebenfalls bei: «Leider hat sie recht. Ich bin pensioniert, und mich stört schon, dass viele Menschen nur am Jammern sind. Es geht uns besser als allen anderen, aber viele sind griesgrämig und verbittert.»
Markus Achermann gibt Tuta in einigen Punkten recht, obwohl er die Schweiz grundsätzlich als «bestes Land der Welt» bezeichnet. Seit seiner Pensionierung falle ihm das Leben hier zunehmend schwer, schreibt er: «Mit einer normalen Rente zerrinnt das Geld zwischen den Fingern, und man ist als Single oft allein.» Deshalb zieht es ihn bald nach Südafrika in eine Seniorenwohnanlage. Dort erwartet er tiefere Lebenskosten und mehr soziale Offenheit: «Ich habe mein eigenes Häuschen und bin bei den offenherzigen Südafrikanern sehr schnell integriert.»
Beim Thema Lebenshaltungskosten stimmt User Dani Schiesser ebenfalls zu: «In Punkto 10'000 Franken Einkommen gebe ich ihr recht! Da kann man in der Schweiz nicht in Saus und Braus leben, weil vieles teurer ist als im Ausland.»
Andere Leser widersprechen
Ganz anders sieht das Andy Meier: «Hört doch auf! Ja, im Ausland ist es vielerorts billiger, der Lohn dafür viel tiefer und die Steuern viel höher!» Man könne schliesslich nur dank der Schweizer Löhne im Ausland besser leben. Hanspeter Greuter bringt es noch deutlicher auf den Punkt: «Wenn man mit 10 Riesen nicht klarkommt, macht man etwas falsch.»
Mit Tutas Kritik an der Schweizer Bevölkerung können andere Leser ebenfalls wenig anfangen. Michael Meier widerspricht etwa dem Eindruck, Schweizerinnen und Schweizer seien verschlossen: «Ich finde es immer interessant, wenn Leute schreiben, dass die Menschen in der Schweiz verschlossen sind. Ich habe überhaupt nicht den Eindruck, da ich gern auf die Leute zugehe und mit ihnen spreche.» Wer sehr introvertiert oder ständig mit Kopfhörern und Handy unterwegs sei, könne allerdings einen anderen Eindruck bekommen.
Ähnliche Worte findet Leserin Marie Wyss. Für sie greift es zu kurz, «aus persönlichen Erfahrungen gleich auf ein ganzes Land und seine Bevölkerung zu schliessen». Wer Anschluss suche, müsse «auch selbst bereit sein, auf Menschen zuzugehen». Und dass ältere Menschen in der Schweiz sichtbar seien, sei für sie kein Makel, sondern könne auch als Zeichen dafür gesehen werden, «dass sie lange und sicher leben können». Ihr Fazit fällt entsprechend nüchtern aus: «Die Schweiz ist bestimmt nicht für jeden gemacht. Und genau das ist doch das Schöne: Wenn es einem hier nicht gefällt, steht es jedem frei, weiterzuziehen!»