Roadtrip mit dem Porsche 911 Turbo S
Der fast zu perfekte Sportwagen?

Mit dem 911 Turbo S setzt Porsche neue Massstäbe im Segment der Sportwagen. Warum der horrend teure Über-Elfer ein Bolide nicht nur für die Rennstrecke, sondern auch für den Alltag ist, zeigt der Langstreckentest zur französischen Südküste.
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Der Porsche 911 ist für viele Auto-Fans ein absoluter Traumwagen.
Foto: Porsche Schweiz AG

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Porsche 911 Turbo S beeindruckt mit Hybrid-Technologie und 711 PS.
  • Neuer «T-Hybrid» eliminiert Turboloch durch elektrische Turbolader und E-Motor.
  • Testwagen kostet über 340'000 Franken, Verbrauch bei 12,5 l/100 km.
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Lorenzo FulviRedaktor Auto&Mobilität

Der Porsche 911 ist für viele Petrolheads das Auto, das man sich eines Tages in die Garage stellen möchte. Im Gegensatz zu kürzlich vorgestellten (elektrischen) Sportwagen wie dem Mercedes-AMG GT 4-Türer oder der Ferrari Luce bleibt sich Porsche beim Elfer stets treu: Seit über 60 Jahren ist die Silhouette gleich geblieben, nur in der Grösse und allen voran der Technik ist die Sportikone gewachsen. Mit dem Turbo S der aktuellen 992.2-Baureihe setzen die Stuttgarter dem 911 erneut die Krone auf – und revolutionieren den hauseigenen Antrieb. Wir sind mit dem Super-Elfer an die französische Südküste gefahren.

Vor der Fahrt

Fürs verlängerte Wochenende ist der 4,55 Meter lange Turbo S nicht der ideale Begleiter – dachten wir anfangs zumindest. Doch schon der 128 Liter grosse Frunk lässt sich mit zwei grösseren Taschen füllen. Dazu können wir die Rücksitze für weitere kleinere Gepäckstücke brauchen – Porsche gibt hier 373 Liter «offenes Kofferraumvolumen» an. Auch für den Komfort ist im Vergleich zu radikalen Sportwagen gesorgt: Für kühle Morgenstunden in den Bergen gibt es Lenkrad- und Sitzheizung. Wird es tagsüber an der Côte d’Azur (F) richtig heiss, kommt die Sitzlüftung zum Zug.

Auf der Strasse

Auf den ersten Kilometern bewegen wir den Elfer im zahmen Komfort-Modus – von den 711 PS (523 kW) merken wir da noch nicht viel. Das ändert sich schlagartig, als wir Mitte Mai den frisch geöffneten Gotthardpass hochbrettern. Per Drehschalter am Volant verwandeln wir den komfortablen Turbo S in einen waschechten Kurvenjäger. Alles wird straff: die Lenkung messerscharf, das Fahrwerk knallhart, die Gasannahme extrem direkt. Begleitet wird das Spektakel vom kernigen Sound des Sechszylinder-Boxers. Im «Sport Plus»-Modus fahren für maximale Bodenhaftung Spoiler im Unterboden und am Heck aus. Der Elfer saugt sich regelrecht an den Asphalt und wir können noch schneller durch die Kehren flitzen.

Das war gut

Das Geheimnis des Über-Elfers heisst «T-Hybrid». Die Ingenieure aus Zuffenhausen (D) verbauen zwei elektrische Turbolader. Eine im Vorderwagen eingebaute 1,9-kWh-Batterie füttert die E-Motoren in den Ladern. Energie sammelt die Batterie beim Bremsen nicht fürs elektrische Fahren, sondern für den Boost beim Beschleunigen. Der Clou: Der integrierte E-Motor bringt den Lader in Millisekunden auf Touren. Das berüchtigte Turboloch ist im Turbo S damit endgültig Geschichte.

Porsche 911 Turbo S im Schnellcheck

Antrieb 3,6-Liter-B6-Biturbobenziner, 711 PS (523 kW)@6500/min, 800 Nm@2300 bis 6000/min, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, Allrad
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 2,5 s, Spitze 322 km/h
Masse L/B/H 4,55/1,90/1,31 m, Leergewicht 1725 kg, Kofferraum Frunk 128 l
Umwelt Verbrauch Werk/Test 11,6/12,5 l/100 km, 262/298 g/km CO₂-Ausstoss lokal, Energieeffizienz G
Preis ab 312’200 Franken, Cabriolet ab 329'900 Franken, Testwagen mit Optionen 343'870 Franken

Rossen Gargolov

Antrieb 3,6-Liter-B6-Biturbobenziner, 711 PS (523 kW)@6500/min, 800 Nm@2300 bis 6000/min, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, Allrad
Fahrleistungen 0 bis 100 km/h in 2,5 s, Spitze 322 km/h
Masse L/B/H 4,55/1,90/1,31 m, Leergewicht 1725 kg, Kofferraum Frunk 128 l
Umwelt Verbrauch Werk/Test 11,6/12,5 l/100 km, 262/298 g/km CO₂-Ausstoss lokal, Energieeffizienz G
Preis ab 312’200 Franken, Cabriolet ab 329'900 Franken, Testwagen mit Optionen 343'870 Franken

Das Ergebnis ist der pure Wahnsinn: Von 0 auf 100 schiesst der Turbo S in 2,5 Sekunden und sprintet (theoretisch) bis über die 320er-Marke. Das Faszinierende: So giftig sich der Porsche auf dem Pass anfühlt, so zahm und unaufgeregt lässt er sich wenige Stunden später durch die engen Gassen von Monaco bewegen. Harte Stösse von Bodenwellen dringen zwar spürbar in den Innenraum durch, sind aber weit weniger brutal als im radikaleren 911 GT3.

Das war schlecht

Dass die Hybridisierung eher für die Performance als zur Reduktion des Verbrauchs hilft, wird uns beim Blick auf den Bordcomputer klar: 12,5 l/100 km sind nicht gerade wenig. Allerdings dürfte das den durchschnittlichen Käufer wenig stören, denn schon der Anschaffungspreis von über 340'000 Franken für den Testwagen ist happig – auch wenn der Turbo S im Gegenzug alles fast schon beängstigend perfekt macht.

Das bleibt

Nach knapp 1200 Kilometern auf der Langstrecke steht fest: Die gewaltige Spreizung zwischen Komfort und kompromissloser Sportlichkeit beherrscht der Turbo S wie kein zweiter Sportwagen auf dem Markt. Wer befürchtet, dass die komplexe Hybrid-Technik dem Elfer die Seele raubt, unterschätzt die Porsche-Ingenieure. Im Gegenteil: Der Turbo S feuert dank Elektro-Spritze noch ungehemmter, direkter und brachialer aus allen Rohren. Gepaart mit noch mehr Komfort, perfekter Verarbeitung und seiner unangefochtenen Glaubwürdigkeit als König der Schweizer Pässe und des schnellen Highspeed-Gleitens ist der Elfer mehr denn je der ultimative Performance-Granturismo. Für einige Petrolheads vielleicht zu perfekt.

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