Darum gehts
- Elektrischer Mercedes CLA im realen Langstreckentest
- Dank 800-Volt-Technik: 300 km Reichweite in 10 Minuten laden
- Testwagenpreis: Rund 81'000 Franken, Kritik an Bedienung und Kopffreiheit
Zugegeben: Als Mercedes Anfang 2025 den elektrischen CLA vorgestellt hatte, war ich skeptisch. Reichweiten von bis zu 790 Kilometern und Verbräuche wie ein sparsamer Diesel-PW klangen für mich unrealistisch. Vor allem, weil ich noch die ersten elektrischen Mercedes-Modelle wie den klobigen EQE und deren bescheidene Reichweiten und hohen Verbräuche im Kopf hatte.
Etwas weniger skeptisch war ich dann, als Redaktionskollege Andreas Engel vor einem Jahr von der internationalen Fahrpräsentation des elektrischen Coupés zurückkam und von der Effizienz des CLA schwärmte. Dennoch blieb die Frage: Kann das Auto im Alltag das grossspurige Versprechen der Mercedes-PR-Abteilung halten? Mercedes Schweiz warb Ende 2025 mit dem Slogan «Von Zürich nach Wien ohne Ladestopp». Also 720 Kilometer am Stück, ohne einmal nachzuladen.
In Deutschland meist mit Richttempo 130
Für eine schlüssige Antwort fahre ich von Wohlen AG zum Mercedes-Hauptsitz in Stuttgart (D). Hin und zurück macht das rund 450 Kilometer – das müsste mit dem CLA laut Mercedes ja locker ohne Nachladen funktionieren. Als Testwagen habe ich einen CLA 250+ EQ – die reichweitenstärkste Variante mit Hinterradantrieb und 272 PS (200 kW). Da der Testwagen allerdings über den sportlichen AMG-Kit und schicke, grosse 19-Zoll-Felgen verfügt, schrumpft die Werksangabe auf dem Papier bereits auf 715 Kilometer. Die in der Werbung versprochene Fahrt nach Wien ohne Ladestopp wäre theoretisch also schon mal ins Wasser gefallen.
Mit 94 Prozent Ladung fahre ich in Wohlen los. Das Navi im 14 Zoll grossen integrierten Multimediasystem leitet uns aufgrund des starken Verkehrs auf der Schweizer Autobahn via Landstrassen über die Grenze und erst in Deutschland beim Dreieck Bad Dürrheim auf die Autobahn A81. Die ersten 100 Kilometer bin ich folglich im eher gemächlichen Landstrassen-Tempo unterwegs. Die restlichen 110 Kilometer bieten jedoch freien Auslauf auf der deutschen Autobahn. Ich halte mich stets an die Tempovorschriften – wo unlimitiert ist, fahre ich mit Richtgeschwindigkeit 130 km/h – oder auch mal etwas flotter.
Beachtliche reale Reichweite
Im Stuttgarter Stadtzentrum mit 59 Prozent Akkustand angekommen, lese ich im Bordcomputer den Durchschnittsverbrauch aus und traue meinen Augen kaum: 13,5 kWh/100 km – sogar 0,2 kWh unter der WLTP-Angabe! Ich stöpsle den Elektro-Stern absichtlich nicht ein, ehe ich mich am Abend wieder auf die Rückreise mache.
200 Kilometer später komme ich mit 20 Prozent Restreichweite an einer Ladestation in Gebenstorf AG an. Weil ich zu Hause über keine eigene Wallbox verfüge, nutze ich die Gelegenheit für einen kurzen Halt. Auch am Schnelllader lässt der CLA seine Muskeln spielen: Dank 800-Volt-Technik und 320 Kilowatt Ladeleistung saugt er in nur elf Minuten Strom bis zum Akkustand von 61 Prozent. Somit lädt man in nur zehn Minuten Strom für weitere 300 Kilometer Reichweite nach. Die restlichen 20 Kilometer nach Hause in Wohlen verbrauche ich nochmals drei Prozent.
Antrieb: 1 Elektromotor, 272 PS (200 kW), 335 Nm, 1-Gang-Reduktionsgetriebe, Hinterradantrieb
Fahrleistungen: 0–100 km/h in 6,7 s, Spitze 210 km/h, Batterie (netto) 85 kWh, max. Ladeleistung AC/DC 11/320 kW, Reichweite WLTP/Test 715/584 km
Masse: L/B/H 4,72/1,86/1,47 m, Gewicht 2055 kg, Anhängelast gebremst 12 % 1500 kg, ungebremst 750 kg, Laderaum 405 l + Frunk 101 l
Umwelt: Verbrauch WLTP/Test 13,7/14,5 kWh/100 km = 0/0 g/km CO2, Energieeffizienz A
Preise: ab 63'833 Franken, Testwagen mit Optionen 81'277 Fr., Basisversion (224 PS, 514 km Reichweite) ab 58'833 Fr.
Antrieb: 1 Elektromotor, 272 PS (200 kW), 335 Nm, 1-Gang-Reduktionsgetriebe, Hinterradantrieb
Fahrleistungen: 0–100 km/h in 6,7 s, Spitze 210 km/h, Batterie (netto) 85 kWh, max. Ladeleistung AC/DC 11/320 kW, Reichweite WLTP/Test 715/584 km
Masse: L/B/H 4,72/1,86/1,47 m, Gewicht 2055 kg, Anhängelast gebremst 12 % 1500 kg, ungebremst 750 kg, Laderaum 405 l + Frunk 101 l
Umwelt: Verbrauch WLTP/Test 13,7/14,5 kWh/100 km = 0/0 g/km CO2, Energieeffizienz A
Preise: ab 63'833 Franken, Testwagen mit Optionen 81'277 Fr., Basisversion (224 PS, 514 km Reichweite) ab 58'833 Fr.
Zeit für die Kalkulation: Für die gesamte Fahrt nach Stuttgart und zurück habe ich exakt 77 Prozent vom 85-kWh-Akku verbraucht. Gefahren bin ich genau 450 Kilometer. Ergibt folglich einen Gesamt-Verbrauchsschnitt von sehr beachtlichen 14,5 kWh/100 km. Der etwas höhere Wert liegt an den fast verkehrsfreien deutschen Autobahnen und dem dadurch etwas flotteren Autobahntempo auf dem Rückweg. Rechnet man diese Distanz auf eine volle Batterieladung hoch, schafft der CLA 250+ EQ zwar nicht die in Aussicht gestellten 720 Kilometer nonstop nach Wien, aber reale 584 Kilometer. Und das inklusive eines grossen Anteils deutscher Autobahn. Das ist ein absoluter Spitzenwert, der der Konkurrenz zu denken geben dürfte.
Souverän – mit kleinen Schwächen
Und was hat der CLA sonst noch zu bieten? Er gleitet souverän über die Strasse und lenkt sich extrem leichtgängig – für meinen Geschmack fast etwas zu direkt und gefühllos. Die verschiedenen Fahrmodi unterscheiden sich spürbar. Das Fahrwerk federt eher auf der straff-sportlichen Seite, bietet aber dennoch ordentlichen Langstreckenkomfort. Wer allerdings hinten sitzen muss und gross ist, merkt schnell, dass die elegant abfallende Dachlinie des Coupés die Kopffreiheit doch recht einschränkt.
Grösstenteils überzeugt der rund 81'000 Franken teure Testwagen also. Kritik gibts einzig für die Bedienung und die Verarbeitungsqualität. Das Infotainment-System ist mit seinen Menüs zu verschachtelt und lenkt beim Fahren ab – die hervorragende Sprachbedienung («Hey Mercedes») macht dies zwar fast wieder wett. Doch ein Detail nervte mich richtig, nämlich dass sich am Lenkrad per Tastendruck keine Musiktitel überspringen lassen. Und die Materialverarbeitung dürfte beim doch recht stolzen Preis schon etwas hochwertiger sein. Auch wenn Mercedes im Vergleich zur alten Generation diesbezüglich bereits klare Fortschritte gemacht hat.
Fazit: Reichweitenangst ist beim Mercedes CLA definitiv kein Thema mehr. Der moderne Stromer schafft im Alltag (fast) die Reichweite, die seine Macher im Prospekt versprechen. Ein echter Meilenstein für Mercedes. Und wer auf mehr Platz angewiesen ist, dürfte mit dem elektrischen GLC oder der kürzlich vorgestellten C-Klasse glücklich werden.
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