Hersteller stoppen Touchscreen-Wahn in Auto-Cockpits
Endlich kommen die Tasten zurück!

In den vergangenen Jahren verdrängten immer grösser werdende Bildschirme in den Autos altbekannte Schalter und Tasten. Doch speziell in Europa kommt dieser Trend nicht bei allen Kunden an, und so werden Stimmen lauter, die physischen Tasten wieder zurückzubringen.
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In den USA dominiert Touch schon lange. Wer in einem US-Ford, Jeep oder Lucid (Bild: Gravity) sitzt, findet kaum noch echte Schalter.
Foto: Lorenzo Fulvi

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Autoindustrie: Touchdisplays dominieren weltweit, besonders in den USA und Asien
  • Europa: Kunden kritisieren Touch-Steuerung, Hersteller wie VW kehren zu Tasten zurück
  • Ferrari und Mercedes reagieren: Haptische Bedienmodule kehren zurück, Displays bleiben jedoch riesig
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Stefan GrundhoffFreier Mitarbeiter Auto & Mobilität

Bei der Bedienung der Fahrzeugfunktionen scheiden sich in der Autowelt die Geister. In den USA dominiert Touch schon lange. Wer in einem US-Ford, Jeep oder Lucid sitzt, findet kaum noch echte Schalter.

Noch weiter gehen viele Asiaten, allen voran die Japaner. Denn während koreanische Marken wie Hyundai und Kia eine Reihe von Funktionen wie Klimatisierung, Soundsystem und Navigation mit Schaltern belegen, sieht es bei den neueren Modellen von Toyota, Nissan oder Honda anders aus: Hier läuft fast alles über riesige Touchscreens. Kein Zufall, denn in Asien bedienten Autofahrer ihre Screens schon lange vor den Europäern per Fingerdruck.

BMW 7er revolutionierte Bedienung im Cockpit

Europa und dessen teils technikverliebten Marken speziell aus Deutschland, Italien und Schweden gingen jahrzehntelang ihren ganz eigenen Weg. Einst gab es im Armaturenbrett, in den Türen und auf der Mittelkonsole eine schier unüberschaubare Anzahl an Schaltern, Hebeln und Tasten, die vom Fensterheber über die Klimatisierung bis zum Soundsystem und zur Navigation alles steuerten. Anfang der 2000er-Jahre revolutionierte der 7er-BMW das Cockpit. Ein zentraler Dreh-Drück-Steller steuerte fast alles. Die Konkurrenz zog rasch nach. Die Bedienung der Funktionen über einen dreh- wie drückfähigen Regler war das Mass aller Dinge und liess selbst dem kurzzeitigen Trend der Gestensteuerung keinerlei Chance.

Doch in den vergangenen Jahren folgte der nächste Wechsel. Immer mehr Funktionen, Luxus- und Assistenzausstattungen sowie eine immer grösser werdende Internationalisierung sorgten dafür, dass Displays in einst ungeahnte Grössen wuchsen – der Hyperscreen von Mercedes etwa zieht sich in manchen Modellen auf bis zu 141 Zentimeter über die gesamte Armaturenbreite! Tasten und Schalter wiederum wurden Klick für Klick geschluckt.

So gut das in den USA und Asien ankommt, so sehr nervt der Touchwahn viele Kundinnen und Kunden im gewohnt traditionellen Europa. Die mühsamen Wischleisten am Lenkrad oder – wie bei VW als Paradebeispiel – unterhalb des Touchscreens frustrieren vor allem ältere Fahrer. Jetzt scheinen die Autobauer endlich zurückzurudern. VW baut in ersten Modellen wieder spürbare Tasten am Lenkrad ein und will etwa beim neuen ID. Cross zentrale Funktionen per Direktschalter im Cockpit halten.

Selbst Ferrari rudert zu echten Tasten zurück

Ganz ähnlich siehts bei Marken wie Mercedes und Ferrari aus. Der Sportwagenbauer aus Maranello (I) war insbesondere wegen seiner kompliziert zu bedienenden Lenkradfunktionen bei Modellen wie Purosangue und 296 kritisiert worden. Beim elektrischen Ferrari Luce gab es zwar einen Aufschrei beim extravaganten Exterieurdesign, jedoch bietet der Innenraum wieder haptische Bedienmodule. Auch Mercedes-CEO Ola Källenius (57) hat zusammen mit seinem Entwicklerteam die Touch-Slider im Lenkrad teilweise wieder verbannt und stellt ebenfalls mehr Taster für zentrale Cockpitfunktionen in Aussicht. Polestar hat bereits Anfang Jahr angekündigt, künftig wieder vermehrt Knöpfe in die Modelle einzubauen.

Im Umkehrschluss bedeutet das aber nicht, dass die Screens in den Cockpits wieder schrumpfen. In Nordamerika und Asien kommen Riesendisplays – auch im Fond – bestens an. Zudem lassen sich Funktionen per Software-Update rasch aktualisieren. Das ist mit fest belegten Schaltern nicht möglich. Ausserdem müssen die Schalter je nach Region und Sprache unter Umständen unterschiedlich beschriftet und produziert werden. Doch auch für das Problem haben manche Hersteller schon Lösungen gefunden: So bietet Skoda in gewissen Modellen flexibel belegbare Dreh- und Druckknöpfe, sogenannte Smart Dials, an, die sich mit unterschiedlichen Funktionen belegen lassen.

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