Darum gehts
- Polestar führt physische Knöpfe in kommenden Modellen ein
- Euro NCAP fordert Tasten für zentrale Funktionen zur Steigerung der Verkehrssicherheit
- Auch in China verklangen Behörden eine einfachere Bedienung wichtiger Funktionen
Weniger ist nicht immer mehr. Das scheinen die Designer beim schwedisch-chinesischen Elektroautohersteller Polestar endlich erkannt zu haben. Denn nach reichlich Kundenkritik zeichnet sich nun eine Kehrtwende ab: Laut Polestar-Designchef Philipp Römers sollen künftige Modelle wieder vermehrt physische Knöpfe und Tasten im Innenraum erhalten, wie das Portal InsideEVs berichtet.
Der Grund: Viele Autofahrer nerven sich daran, dass moderne Touchscreens in ihren Fahrzeugen im Alltag unpraktisch zu bedienen sind und die Konzentration während der Fahrt beeinträchtigen. Mit der Rückkehr klassischer Knöpfe will Polestar Bedienkomfort und Alltagstauglichkeit wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.
Neue Sicherheitsstandards
Der Schritt zurück zu echten Tasten ist jedoch nicht nur eine Reaktion auf den Kundenunmut. Eine wichtige Rolle spielen auch strengere Sicherheitsanforderungen der europäischen Prüforganisation Euro NCAP. Um künftig weiterhin die begehrte Fünf-Sterne-Bewertung zu erhalten, müssen bestimmte zentrale Funktionen im Fahrzeug direkt über Tasten oder klar zugängliche Bedienelemente steuerbar sein. Dazu gehören grundlegende Einstellungen, die während der Fahrt schnell erreichbar sein müssen.
Auch in China, einem der wichtigsten Absatzmärkte für Polestar, legen die Behörden zunehmend Wert darauf, dass sicherheitsrelevante Funktionen nicht ausschliesslich über den Touchscreen laufen. Der Hintergrund ist simpel: Eine komplexe Bedienung über grosse Displays kann den Fahrer stärker ablenken. Wenn während der Fahrt durch verschachtelte Untermenüs navigiert werden muss, steigt die Ablenkung – und führt im schlimmsten Fall zum Crash. Physische Knöpfe ermöglichen dagegen eine schnellere, intuitivere Bedienung, oft sogar ohne den Blick von der Strasse zu nehmen.
Neue Farben und Materialien im Innenraum
Neben dem überarbeiteten Bedienkonzept will Polestar auch beim Design nachlegen. Die aktuelle Farbpalette mit überwiegend Schwarz-, Weiss- und Grautönen gilt vielen als zu nüchtern und wenig emotional – vor allem bei jüngeren Käufergruppen. Laut Designchef Römers arbeitet das Unternehmen daher an einer erweiterten Auswahl an Farben und Materialien, die den Innenraum moderner und individueller wirken lassen sollen.
Geplant sind diese Änderungen unter anderem für kommende Modellpflegen und neue Generationen der Fahrzeuge Polestar 3 und Polestar 4. Aber auch weitere Modelle im Portfolio – darunter der überarbeitete Polestar 2 im 2027 sowie der neue Polestar 7 im 2028 – sollen wieder mehr Knöpfe und eine breitere Farbauswahl erhalten. Alles deutet darauf hin, dass Polestar damit eine Trendwende einläutet: weg von den minimalistischen Innenräumen und hin zu einer Mischung aus digitaler Technik, besserer Ergonomie und mehr Persönlichkeit im Design. Andere Hersteller dürften wohl bald folgen.