Darum gehts
- Zur Auto Zürich kam mit Albert Rösti erstmals seit 22 Jahren wieder ein Bundesrat zur Voreröffnung
- Peter Grünenfelder kritisierte CO₂-Abgaben und kündigte eine Initiative gegen Steuer auf Steuer an
- Rösti plant neue Autobahnvorlagen für 2028 und eine flexiblere CO₂-Anpassung an die EU ab 2030 an
Es hat Tradition: Vor der eigentlichen Eröffnung der 39. Auto Zürich trifft sich die ganze Autobranche jeweils am Mittwochabend in der Blick Lounge zum Apéro. So begrüsst auch dieses Jahr die Gastgeberin und CEO von Ringier Medien Schweiz, Ladina Heimgartner (46), das zahlreich erschienene Publikum.
Danach übernimmt Blick-Chefredaktor Rolf Cavalli (57) das Mikrofon und bittet seinen ersten Gast auf die Bühne: Peter Grünenfelder (59), Präsident der Importeur-Vereinigung Auto Schweiz. Und dieser braucht nicht lange, um die Probleme seiner Branche kundzutun. Konkret ärgern ihn vier Punkte: die schlechte Entwicklung des Neuwagen-Gesamtmarktes, die Überregulierung unserer Regierung bei den CO₂-Abgaben, die unverhältnismässige Quersubventionierung vom Strassenverkehr für die Schiene sowie die hohen Spritpreise und die unnötige Mehrwertsteuerbelastung. Grünenfelder kündigt gar an, zusammen mit SVP und FDP eine Volksinitiative «Keine Steuer auf die Steuer» zu lancieren.
Rösti kommt mit Verspätung
Cavalli nimmts zur Kenntnis und lässt dann die Bombe platzen. «Wir erwarten hier nach einer Pause zur Voreröffnung Bundesrat Albert Rösti (59) – und ich werde ihn gerne mit diesen Punkten konfrontieren.» Doch zunächst wird das Publikum auf eine Geduldsprobe gestellt. Die Pause wird lang und länger, Verkehrsminister Rösti trifft erst mit rund 20 Minuten Verspätung ein. Grund: Stau am Gubrist.
Natürlich nimmt Cavalli diesen Ball auf und spricht später beim Talk den Bundesrat und Verkehrsminister auf die laufend steigenden Staustunden in unserem Land und die verlorene Abstimmung zum Autobahnausbau an. «Wir machten taktische Fehler bei der verlorenen Abstimmung», gibt Rösti zu. «Aber wir sind am Ausarbeiten neuer Vorlagen und möchten die voraussichtlich 2028 zur Abstimmung bringen. Geplant ist ein sinnvoller Ausbau.» Und Rösti erklärts am Beispiel des Gubrist: «Einseitig ist er bereits fertig ausgebaut. Und unsere Zahlen zeigen, dass sich der Verkehr entgegen den Behauptungen der Gegner tatsächlich aus den Dörfern auf die Autobahn verlagert.»
«Jetzt muss ich unabhängig politisieren»
Cavalli spricht Rösti auch auf seine Vergangenheit an. Bevor er Ende 2022 zum Bundesrat gewählt wurde, präsidierte Rösti während zweieinhalb Jahren den Branchenverband Auto Schweiz. «Viele sagen heute vermutlich – war der wirklich mal Auto-Schweiz-Präsident? Aber als Bundesrat muss man unabhängig politisieren.» Und lächelnd fügt er an: «Wenn beide Parteien reklamieren, mache ich meinen Job nicht so schlecht.» Und Rösti betont: «Mit der heute eben beschlossenen Harmonisierung des CO₂-Gesetzes mit der EU und der Flexibilisierung kommen wir der Autobranche jetzt einen Schritt entgegen.» Diese bemängelt allerdings, dass dies erst ab 2030 geschieht und der Bund so weiterhin noch vier Jahre Strafzölle kassiert.
Und zur von Auto Schweiz angedrohten Volksinitiative «Keine Steuer auf die Steuer» sagt Rösti nur: Hoffen wir einfach, dass die Spritpreise sich schneller normalisiert haben, bevor die 100’000 Unterschriften beisammen sind.