Darum gehts
- Das Festival of Speed in Goodwood zieht 200'000 Motorsportfans jährlich an
- Highlight: Lando Norris und Andrea Kimi Antonelli beim berühmten «Hill Climb»
- BYD beeindruckt mit grösstem Messestand, inklusive 1600-PS-Sportwagen-Premiere
Der Lärm auf dem Festivalgelände bei meiner Ankunft ist ohrenbetäubend. Während ich durch die erste Boxengasse laufe, starten die Mechaniker den lautstark röhrenden Motor eines Vorkriegs-Bugatti. Zeitgleich fahren auf der 1867 Meter kurzen Rennstrecke mit einer Höhendifferenz von 92,7 Metern im 30-Sekunden-Takt alte Formel-1-Boliden den Hügel hoch.
Willkommen am Festival of Speed in Goodwood (Grossbritannien) in der südenglischen Grafschaft West Sussex. Einmal im Jahr trifft sich hier die Autoindustrie im Vorgarten von Charles Henry Gordon-Lennox (71), 11. Duke of Richmond. Jährlich lockt das Festival rund 200'000 Motorsportfans an. Und während es in anderen Jahren typisch englisch in Strömen regnete, war es heuer wohl die heisseste und trockenste Ausgabe des Motorsport-Festivals.
Hill Climb als Höhepunkt des Events
Auch heuer sind auf dem weitläufigen Gelände wieder diverse Ausstellungsstände der verschiedenen Autobauer verteilt. Doch die meisten Besuchenden kommen wegen des sogenannten Hill Climb: Hier brettern viele der imposanten Fahrzeuge – vom F1-Oldtimer bis zum getarnten Prototyp – die kurze Rennstrecke hoch.
Es wäre aber nicht das Festival of Speed, wenn nicht auch berühmte Rennfahrer die Party bereichern würden. So treffen wir den früheren F1-Fahrer Arturo Merzario (83), der mit seinem charakteristischen Cowboyhut natürlich aus der Menge sticht. Aber auch aktuelle F1-Stars sind vor Ort: So rast gar der aktuelle F1-Weltmeister Lando Norris (26) mit seinem McLaren den Hill Climb hoch. Und auch sein Widersacher, der aktuelle F1-Leader und Mercedes-Pilot Andrea Kimi Antonelli (19) fährt ein sportliches Fahrzeug vor: Er brettert mit dem frisch enthüllten und rein elektrischen Mercedes-AMG CLA 45 über die Strecke. Mit einem elektrischen Sportwagen zeigt sich auch Alpine-Pilot Pierre Gasly (30): Im Prototypen der neuen Alpine A110 spielt er gleichzeitig Chauffeur für den Duke of Richmond.
Und auch ich darf mich auf dem Hill Climb etwas ausleben – und zwar auf dem Beifahrersitz eines Porsche 911 GT3 mit Manthey-Kit. Mein britisch-schweizerischer Pilot Callum Voisin (20) steuert zum ersten Mal einen normalen GT3. Er kennt sonst nur die radikale Cup-Rennversion. Seit Anfang Jahr fährt er erfolgreich im britischen Porsche Carrera Cup: Von sechs Rennen hat er bereits vier gewonnen. «Hätte ich schneller fahren sollen?», fragt mich der junge Rennfahrer nach dem rund einminütigen Ritt lachend. Er gesteht, dass er die Strecke erst zum dritten Mal gefahren ist – gemerkt hätte ich’s nicht.
Chinas Marken stark vertreten
Das Festival of Speed ist aber nicht nur Schauplatz für Rennwagen und Promis wie US-Schauspieler Stanley Tucci (65). Die Autohersteller nutzen die Veranstaltung seit Jahren auch als Neuheitenmesse. Das wohl extremste Beispiel ist BYD: Der China-Hersteller fährt zusätzlich mit seinen Premium-Ablegern Denza und Yangwang vor – und baut dazu den grössten je in Goodwood präsenten Messestand auf. Dabei feiert BYD mit dem hybriden Pick-up Shark Premiere. Denza präsentiert derweil den Geländewagen Bao 5 und den frechen, über 1600 PS starken Sportwagen Z, der unter der Leitung des früheren Audi-Designchefs Wolfgang Egger (63) entstand.
Das Festival of Speed findet seit 1993 im Sommer statt. Es ist eine Hommage ans früher dort ausgetragene Bergrennen auf dem Gelände von Goodwood House in Westhampnett in West Sussex (Grossbritannien).
Veranstalter ist der motorsportbegeisterte Charles Henry Gordon-Lennox (71), 11. Duke of Richmond. Die erste Rennveranstaltung, ein privates Bergrennen, fand allerdings schon 1936 statt. Organisiert hat es der Grossvater von Gordon-Lennox, der Rennfahrer Frederick Gordon-Lennox (1904–1989), 9. Duke of Richmond. Weil die Autos immer schneller wurden, genügte die Strecke ab 1966 den gängigen Sicherheitsstandards nicht mehr.
Das Festival of Speed ist kein Rennen im üblichen Sinn, sondern eher ein Stelldichein aussergewöhnlicher Boliden und Fahrer. Im Gegensatz zum Goodwood Revival findet es nicht auf der Rennstrecke statt, sondern auf einer Bergstrecke vor Goodwood House und einer Rallyestrecke im Wald.
Das Festival of Speed findet seit 1993 im Sommer statt. Es ist eine Hommage ans früher dort ausgetragene Bergrennen auf dem Gelände von Goodwood House in Westhampnett in West Sussex (Grossbritannien).
Veranstalter ist der motorsportbegeisterte Charles Henry Gordon-Lennox (71), 11. Duke of Richmond. Die erste Rennveranstaltung, ein privates Bergrennen, fand allerdings schon 1936 statt. Organisiert hat es der Grossvater von Gordon-Lennox, der Rennfahrer Frederick Gordon-Lennox (1904–1989), 9. Duke of Richmond. Weil die Autos immer schneller wurden, genügte die Strecke ab 1966 den gängigen Sicherheitsstandards nicht mehr.
Das Festival of Speed ist kein Rennen im üblichen Sinn, sondern eher ein Stelldichein aussergewöhnlicher Boliden und Fahrer. Im Gegensatz zum Goodwood Revival findet es nicht auf der Rennstrecke statt, sondern auf einer Bergstrecke vor Goodwood House und einer Rallyestrecke im Wald.
Natürlich ist BYD nicht der einzige China-Hersteller, der in Goodwood dick aufträgt. Zwei Stände weiter steht MG. Die China-Marke mit britischen Wurzeln zeigt neben Serienmodellen wie dem S9 auch spektakuläre Robotershows. Ausserdem präsentiert MG mit der Studie «Go» einen elektrischen Kleinwagen, der als MG 2 ab 2027 selbst einem Mini das Leben schwer machen könnte. Apropos Mini: Muttermarke BMW protzt ebenfalls mit einem mittelgrossen Stand direkt an der Strecke. Vor Ort zu sehen gibts nicht nur den iX3, sondern auch die Limousine i3 und das Konzept des neuen M3.
Sportwagen werden am Festival of Speed natürlich gerne gesehen – egal ob mit Elektroantrieb oder Verbrennermotor. Am klassischen Verbrenner hält nicht nur Pagani fest, der anlässlich des 70. Geburtstags vom gleichnamigen Gründer und CEO Horacio Pagani (70) das zweite von drei Sondermodellen in Goodwood enthüllt. Der Huayra 70 «Derecho» kommt mit 864 PS starkem V12-Motor und Siebengang-Handschaltung aus dem Utopia. Gleich daneben stehen die italienischen Restomods von Kimera Automobili. Die vom ehemaligen Rallye-Fahrer Luca Betti (48) gegründete Marke lässt alte Rallye-Legenden wie den Lancia 037 in ihren Modellen EVO37 oder K39 wiederaufleben.
Versteckt Ferrari den Luce?
Während die VW-Töchter Audi, Bentley und Cupra an ihren Ständen Modelle wie RS 5, Supersports und Raval präsentieren, fehlt von VW und Skoda jede Spur – vermutlich weil das motorsportbegeisterte Publikum nicht unbedingt zur Zielgruppe der beiden Volkswagen-Marken gehört. Das sieht bei Porsche anders aus: Die Stuttgarter zelebrieren ihre 75-jährige Motorsport-Geschichte. Deshalb stehen am Stand für alle zugänglich neben den neusten Modellen auch legendäre Rennklassiker wie der 962 oder 917/30.
Wiederum anders macht es Lamborghini. Dort kommt man nur mit persönlicher Einladung näher an die aktuellsten Autos wie Revuelto, Temerario oder den frisch enthüllten Urus SE Performante heran. Und noch extremer siebt Ferrari: Auf dem Stand der Italiener für alle zu sehen sind der 296 Speciale Aperta, der 849 Testarossa und der Purosangue. Doch wo bleibt der elektrische Luce? Dieser steht zwar auch auf dem Stand, ist aber nur für geladene Gäste und potenzielle Kunden näher zu betrachten. Versteckt Ferrari den schlagzeilenträchtigen Stromer etwa absichtlich? Egal, die meisten Besucher begeistern sich sowieso fast ausschliesslich für Autos mit potentem Benziner und lautem Sound, wie die historischen Ford GT, Ferrari 330 P3 oder McLaren F1 GTR.
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