Wird Kanzler Merz bald ersetzt?
Deshalb kommt Deutschland nicht aus der Krise

Das einstige Wirtschaftswunder ist endgültig vorbei. In Deutschland stockt und knarzt es allenthalben. Richten kann das Kanzler Friedrich Merz bisher nicht. Stimmen werden laut, die seine vorzeitige Absetzung fordern. Ein Ersatzmann stünde bereit.
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Wenigstens mit Bundesrat Guy Parmelin (l.) scheint sich Friedrich Merz gut zu verstehen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Deutschland sucht. Für einmal nicht den Superstar. Sondern schlicht den Weg zurück in den normalen Vorwärtsgang. Von dem ist die noch immer grösste Volkswirtschaft Europas im vergangenen Jahr definitiv abgekommen. 486'000 Jobs gingen von Januar bis März 2026 verloren. Traditionsfirmen wie Porsche und VW stecken in existenziellen Krisen.

Und statt den Wirtschaftsapparat mit geschickten Entscheiden zu schmieren, steht die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (70) scheinbar ratlos neben dem ratternden Ungetüm. Mit vier Entscheiden will Berlin diesen Sommer Deutschland wieder auf Kurs bringen. Gelingt das nicht, droht Merz eine historische Schmach: Er könnte ausgewechselt werden – mitten in seiner Amtszeit. Ein aussichtsreicher Ersatzmann steht schon bereit.

Die Auswechslung nötig machen könnte die komplett verkantete Situation in der Regierung. Die führt Merz gemeinsam mit der linken SPD. Eine ungleiche Polit-Ehe, geprägt eher von Krach denn von konstruktivem Dialog, wie Insider immer wieder berichten.

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In ziemlicher Schieflage befindet sich Deutschlands Kanzler Friedrich Merz.
Foto: AFP

Ob sich Merz von den Linken zu sehr habe über den Tisch ziehen lassen, wie ihm das vorgeworfen wird oder ob der Stillstand schlicht den schwierigen weltpolitischen Umständen (Trump-Zölle, Ölpreise, Ukraine-Krieg) geschuldet ist, wie Merz selbst erklärt: spielt an sich keine Rolle.

Sowas hats erst einmal gegeben

Klar ist: Unser nördlicher Nachbar braucht dringend den Befreiungsschlag. Zu ebendiesem will Merz mit vier Reformen ansetzen. Schon vor der politischen Sommerpause ab Anfang Juli soll

  • das Rentensystem neu organisiert werden. Vorgesehen sind eine Stärkung der privaten Vorsorge und längere Arbeitszeiten für bestimmte Berufsgruppen.
  • eine Steuersenkung für kleine und mittlere Unternehmen umgesetzt werden. Die Ausfälle will man mit höheren Einkommenssteuern für Vermögende und mit höheren Erbschaftssteuern ausgleichen.
  • der Arbeitsmarkt wettbewerbsfähiger gemacht werden – durch steuerbefreite Überstundenzuschläge oder flexible Wochenarbeitszeiten.
  • die Bürokratiekosten für die Wirtschaft um mindestens 25 Prozent gesenkt werden.

Ob das alles klappt, steht in den Sternen. In den Umfragen steht: Wenn Merz die Reformen nicht hinkriegt, dann wollen satte 67 Prozent der Deutschen, dass er geht. Dazu müsste Deutschland nicht grad die ganze Regierung auswechseln (das wäre schwierig). Merz könnte entweder freiwillig zurücktreten oder durch eine Vertrauensabstimmung im Bundestag, dem deutschen Parlament, zum Rücktritt gezwungen werden.

In beiden Fällen könnte ebendieser Bundestag mit einer einfachen Mehrheit einen neuen Kanzler der Merz-Partei ins Amt wählen. Gegeben hat es einen solchen parteiinternen Kanzler-Wechsel in der Geschichte der Bundesrepublik erst einmal (als Kurt Georg Kiesinger 1966 seinen Parteikollegen Ludwig Erhard im Kanzleramt ablöste).

Ein Blick in den deutschen Blätterwald diese Woche aber zeigt: Das Szenario gilt inzwischen selbst in konservativen, hochseriösen Medien als durchaus realistisch – auch wenn Merz selbst sich natürlich noch nicht dazu geäussert hat. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» bringt den CDU-Politiker Hendrik Wüst (50), aktuell Regierungschef im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen, als Ersatzkanzler ins Spiel.

Warum redet Merz nicht einfach mit der AfD?

Dasselbe macht der «Stern». Und der «Tagesspiegel» hält nicht ohne Schadenfreude fest, es sei verständlich, dass sich die CDU jemanden an der Spitze wünsche, der sich «unfallfrei in der Öffentlichkeit bewegen» könne. Genau das hat der oft ungeschickt kommunizierende Merz nicht geschafft. Zuletzt fiel er an einer Veranstaltung dadurch auf, dass er eine sterbenskranke Krebspatientin zurechtwies, ohne jegliches Mitgefühl für die Frau zu zeigen.

Das Gerede um die mögliche Merz-Auswechslung ist weiteres Wasser auf die eh schon gut laufenden Mühlen der AfD. Die Rechtspartei liegt in der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA mit 29 Prozent deutlich vor der CDU (22 Prozent) und allen anderen Parteien. Im Bundesland Sachsen-Anhalt, das Anfang September wählt, liegt die AfD gar schon bei 42 Prozent.

Dass Merz partout nicht mit den Rechten reden und schon gar nicht mit ihnen regieren will, findet knapp die Hälfte der Deutschen nicht gut. Unter einem Ersatzkanzler Hendrik Wüst dürfte die sogenannte «Brandmauer» zur AfD zwar kaum fallen (er war der erste CDU-Politiker, der von der «Nazi-Partei» gesprochen hat). Vielleicht aber könnte Wüst wenigstens die bösen Politbrände diesseits der AfD-Mauer löschen. Deutschland hätte es bitter nötig.

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