Darum gehts
- Friedrich Merz' Regierung scheitert, AfD laut ZDF-Politbarometer stärkste Partei
- Wähler trauen AfD mehr wirtschaftliche Kompetenz zu als der Regierung
- Auch Zustimmung zu «Brandmauer» sinkt
- Nur ein Drittel der Deutschen hält Merz für guten Kanzler
Als Friedrich Merz (70) vor einem Jahr zum deutschen Bundeskanzler gewählt wurde, versprach er eines vor allem: die AfD zurückzudrängen. Ein Jahr später hat er das Gegenteil erreicht.
Die schwarz-rote Regierung steckt im Dauerstreit, Merz' Zustimmungswerte brechen ein – und die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel (47) ist stärker als je zuvor. Laut aktuellem ZDF-Politbarometer liegt die AfD inzwischen als stärkste Partei Deutschlands vor der regierenden CDU. Gleichzeitig erreicht die Unzufriedenheit mit Merz neue Rekordwerte.
«Die Zeit» schreibt, Merz habe sich «so schnell unbeliebt gemacht» wie kaum ein Kanzler zuvor. Weniger als ein Drittel der Deutschen halten ihn noch für einen guten Regierungschef, während laut der «Welt» auch die Zustimmung zur «Brandmauer» bröckelt.
Nicht mehr nur Protest-Partei
Das macht der CDU besonders zu schaffen: Die AfD gewinnt nicht mehr nur aus Protest Stimmen, sondern zunehmend auch beim Thema Kompetenz. Laut «Financial Times» trauen viele Wähler der AfD inzwischen mehr wirtschaftspolitische Lösungen zu als der Regierung. Merz und seine Koalition wirken angeschlagen, zerstritten – und getrieben statt führend.
Sein Kalkül, durch gutes Regieren das Erstarken der politischen Ränder zu bremsen, ist nicht aufgegangen. Die AfD sei die «Gewinnerin der Krise», schreiben «Merkur» und Web.de. Und dass SPD-Chefin und Sozialministerin Bärbel Bas (58) eben meinte, dass es «keine Einwanderung in Sozialsysteme» gibt, fördert das Vertrauen in Merz' Regierungsführung mitnichten.
Weidels historische Chance?
Dazu kommen internationale Krisen, steigende Energiepreise, die wachsende Verunsicherung im Land. Statt als Krisenmanager aufzutreten, wirkt Merz oft hektisch und widersprüchlich.
Für Weidel könnte genau das die Chance sein. Die AfD gibt die Anti-Establishment-Partei gegen «die da oben» – und profitiert jedes Mal, wenn die Regierung schwach wirkt.
Noch gilt eine Kanzlerin Weidel für viele als Tabubruch. Doch plötzlich steht eine andere Frage im Raum: Ausgerechnet Friedrich Merz könnte der Mann sein, der Weidel den Weg ins Kanzleramt ebnet.