Skandale und knappe Rennen
Demokraten kämpfen mit Trump-Supportern um Senatssitze

Die republikanische Mehrheit im US-Senat wackelt. Einige der Kandidatinnen und Kandidaten sorgen mit Betrugsklagen und Affären für Schlagzeilen. Andere werden wegen ihrer Religion zur Zielscheibe heftiger Angriffe.
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In den USA stehen die Zwischenwahlen an.
Foto: Imago

Darum gehts

  • Bei den Zwischenwahlen stehen alle Sitze im Repräsentantenhaus und 35 Senatssitze zur Wahl
  • Senatsrennen sind knapp, Kandidierende stehen wegen Klagen, Affären oder Religion unter Druck
  • Ein Machtwechsel im Senat könnte Trumps Richter- und Personalbestätigungen deutlich erschweren
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Angela RosserJournalistin News

Bald ist es so weit: In den USA werden bei den Zwischenwahlen am 3. November alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses und 35 Sitze von 100 Sitzen im Senat neu vergeben. Noch halten Donald Trumps (80) Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit, sollten sie diese jedoch verlieren, könnte das Trumps zweite Amtszeit erheblich erschweren.

Besonders im Senat liefern sich die Parteien kostspielige und erbitterte Wahlkämpfe. Die Kandidatinnen und Kandidaten tragen teils auch ein ordentliches Skandal-Rucksäckli oder sorgen anderweitig für Schlagzeilen.

James Talarico vs. Ken Paxton

Ausgerechnet im republikanischen Texas könnte ein angehender demokratischer Pfarrer Donald Trumps Partei einen wichtigen Senatssitz streitig machen. Der Demokrat James Talarico (37) ist ehemaliger Lehrer und vertritt progressive Positionen.

Er tritt gegen Trump-Unterstützer Ken Paxton (63) an. Dieser bringt einiges an Altlasten mit. Im Jahr 2023 musste sich Paxton einem Amtsenthebungsverfahren stellen. Ihm wurde vorgeworfen, einen befreundeten Geldgeber begünstigt zu haben. Der Senat von Texas sprach ihn aber frei. Auch privat sorgte Paxton für Schlagzeilen. Seine Ehefrau reichte 2025 die Scheidung ein und begründete diesen Schritt mit «biblischen Gründen». In den Umfragen liegen die beiden gleich auf.

Das gefällt Trump überhaupt nicht. Der US-Präsident verspottet Paxtons politischen Gegner als «TalaFREAKo» und verbreitet die unbelegte Behauptung, Talarico sei Veganer, der nur wegen des Wahlkampfs Fleisch essen würde und sich danach übergeben müsse.

Roger Marshall vs. Adam Hamilton

In Kansas kämpft der ehemalige Frauenarzt Roger Marshall um seinen Sitz. Marshall geriet wegen seines Umgangs mit Patientinnen in die Kritik. Recherchen der «New York Times» zufolge verklagte Marshall während seiner Tätigkeit als Arzt Hunderte Menschen, die ihre Rechnungen nicht bezahlen konnten, und verlangte teils horrende Zinsen.

Sein demokratischer Herausforderer ist auch hier ein Geistlicher. Pastor Adam Hamilton (61). Er bezeichnet sich als gemässigten Demokraten, kritisiert Trumps Zoll-Politik und gehörte unter Barack Obama (65) einem Beratungsgremium für religiöse und gemeinnützige Organisationen an. Sein Gegner findet ihn und seine Ansichten zu «woke». Hamilton konterte, dass Maxton wohl sogar Jesus als «woke» bezeichnen würde. Auch die beiden lagen gemäss letzten Umfragen gleich auf.

Abdul El-Sayed vs. Mike Rogers

Demokrat, Epidemiologe, ehemaliger Gesundheitsdirektor von Detroit und Muslim: Der 41-jährige Kandidat für Michigan, Abdul El-Sayed, bietet dem US-Präsidenten mehr als genug Angriffsfläche. Trump bezeichnete El-Sayed bereits mehrfach als «Dschihadisten» und behauptete, dieser wolle islamisches Recht in den USA einführen.

Auch sein republikanischer Gegner Mike Rogers (63), ein ehemaliger Kongressabgeordneter, griff El-Sayed und seine Familie an. Er behauptete, El-Sayeds Mutter hätte Verbindungen zu Al Kaida und dass sein politischer Kontrahent der Muslimbruderschaft nahestehen würde. El-Sayed bestreitet die Vorwürfe.

Die Wahl wird äusserst knapp. Eine Umfrage vom 23. Oktober sah El-Sayed mit 47 Prozent knapp vor Rogers mit 46 Prozent.

Mary Peltola vs. Dan Sullivan

In Alaska könnte das Rennen zwischen der Demokratin Mary Peltola (53) und dem republikanischen Senator Dan Sullivan (61) eng werden.

Peltola zog 2022 als erste indigene Frau ins US-Repräsentantenhaus ein und machte jüngst wegen ihres Umgangs mit Mitarbeitenden Schlagzeilen. Gemäss der «New York Time» neigt Peltola zu Wutausbrüchen. Ehemalige Angestellte berichten von Beleidigungen und einem «belastenden Arbeitsklima». Die 53-Jährige habe unter anderem verlangt, dass die Angestellten lebende Grillen für ihr Haustier, ein Chamäleon namens Meatball, kaufen sollten. Ihr Wahlkampfteam wies die Anschuldigungen teilweise zurück und verwies auf die enorme Belastung nach dem plötzlichen Tod ihres Ehemanns.

Der ehemalige Generalstaatsanwalt und Marine-Offizier Dan Sullivan sitzt seit 2015 im US-Senat und unterstützt Donald Trump (80). Besonders umstritten ist seine Haltung zum Iran-Krieg. Peltola sagte jüngst, die indigene Bevölkerung Alaskas werde durch die hohen Kosten des andauernden Kriegs mit dem Iran «völlig erdrückt». Sullivan hingegen sagt, der Krieg gegen den Iran sei vorübergehend und der «ewige Krieg» der Krieg der Demokraten gegen die Energieversorgung Alaskas. In einer aktuellen Umfrage führt Peltola leicht mit 1,2 Prozentpunkten.

Bremse für Trump

Verlieren die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus, könnten die Demokraten neue Untersuchungen gegen die Trump-Regierung einleiten, Regierungsmitglieder zu Anhörungen vorladen und Gesetzesvorhaben blockieren. Auch ein neues Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wäre grundsätzlich möglich.

Noch dramatischer wäre ein Machtwechsel im Senat. Die Demokraten könnten die Bestätigung von Richtern und hochrangigen Regierungsvertretern erschweren oder verhindern. Trump würde zwar Präsident bleiben, für neue Gesetze und zahlreiche politische Vorhaben müsste er aber stärker mit der Opposition verhandeln.

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