Das ist der schlechteste Midterms-Kandidat
Republikaner Ken Paxton zwingt Trump zu wirrem Wahlkampf-Trick

Ken Paxton soll Kollegen bestohlen, seine Frau betrogen und Anleger hinters Licht geführt haben. Jetzt könnte er seiner Partei die schwerste Niederlage der anstehenden Midterms zufügen. Für die Republikaner eine extrem brenzlige Angelegenheit.
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Donald Trump ist kein Fan von Texas-Staatsanwalt Ken Paxton.
Foto: ERIC GAY

Darum gehts

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Samuel Schumacher, Ausland-Reporter Blick
Samuel SchumacherAusland-Reporter

Angst habe er vor gar nichts, verkündet Ken Paxton (63), nach fast allen Massstäben der schlechteste aller Senatskandidaten, die bei den US-Zwischenwahlen am 3. November antreten. Angst machen aber, das tut der Republikaner aus Texas vielen.

Niemandem mehr als den Republikanern selbst. Rekordhohe 167 Millionen Dollar hat die Partei in Paxtons Wahlkampf investiert – aus Angst, dass sie erstmals seit 1988 einen der zwei Texas-Senatssitze an die Demokraten verlieren könnten. Für die Republikaner und vor allem für Donald Trump (80) wäre das politisch lebensgefährlich. Das scheint der US-Präsident verstanden zu haben. Er hat extra für Ken Paxton eine neue Werbemethode erfunden. Und die ist nicht nur wirr, sondern geradezu bizarr.

Die Methode: Unterstützung durch Mobbing. Alleine im vergangenen Monat ist Trump dreimal nach Texas gereist, um für Paxton zu weibeln. Und jedes Mal hat er ihn live vor Publikum richtiggehend zur Schnecke gemacht. «Ich mag nicht, wie er sich anzieht, wie er redet, wie er aussieht», ächzte Trump erst diesen Mittwoch wieder in San Antonio und bezeichnete Paxton als «Nervensäge» («pain in the ass»).

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Donald Trump ist kein Fan von Texas-Staatsanwalt Ken Paxton.
Foto: ERIC GAY

Paxton stand daneben, schiefes Lächeln, was konnte er auch tun. Als Staatsanwalt von Texas hatte er Trump dabei unterstützt, das Wahlresultat von 2020 anzufechten und Joe Biden (83) zu bezichtigen, die Wahlen gestohlen zu haben. Seither steht Trump trotz seiner persönlichen Abneigung gegen Paxton hinter ihm.

Trump darf Texas nicht verlieren

Der umstrittene Staatsanwalt hat Hilfe dringend nötig. Auf nur 30 Prozent schätzt CNN die Chance, dass er den Senatssitz der Republikaner in vier Wochen verteidigen kann. Sein Kontrahent, der 37-jährige einstige Lehrer James Talarico, liegt in fast allen Umfragen deutlich vorne. Verlieren die Republikaner im «Lone Star State», verlieren sie laut Harry Enten (38), dem Datenchef von CNN, mit 78-prozentiger Wahrscheinlichkeit den Senat.

Was folgte, wären nicht nur eine mindestens zweijährige Blockade in Washington, sondern wohl Hunderte von den Demokraten lancierte Sonderuntersuchungen und Anhörungen von Trump-Vertrauten. Mit grosser Wahrscheinlichkeit käme es zudem zu einem neuen Amtsenthebungsverfahren gegen Trump, das nunmehr dritte in seiner Präsidentschaftskarriere – und möglicherweise das erste in der US-Geschichte, das am Ende des komplizierten Prozesses (hier erklärt) tatsächlich zu seiner Entlassung führen würde.

Kurzum: Aus Trumps Sicht ist ein Sieg in Texas absolute Pflicht. Dumm nur, dass Paxton es den Texanern mit all seinen Skandalen den Damen und Herren im einst tiefroten Bundesstaat so schwierig macht, für ihn zu stimmen. Ein kleiner Überblick. Paxton hat:

  • 2012 dem Anwalt Joe Joplin einen 1000 Dollar teuren Montblanc-Stift geklaut und sich dabei filmen lassen.
  • 2015 (bereits als Staatsanwalt) mutmasslich Wertpapierbetrug begangen und dafür 2024 in einer aussergerichtlichen Einigung 271'000 Dollar Schadenersatz bezahlt, 100 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichtet und ein zweitägiges Ethikseminar besucht.
  • 2020 einem Immobilienunternehmer Aufträge zugeschanzt und im Gegenzug Gratisarbeiten an seinem Haus vornehmen lassen.
  • 2023 ein Amtsenthebungsverfahren wegen Bestechlichkeit und Korruption knapp überstanden.
  • sich im Juli 2026 dummerweise dabei erwischen lassen, wie er mit seiner Geliebten durch London spaziert.

Paxton setzt auf Veganer-Vorwurf

Das hat seine Ehefrau Angela Paxton (63), eine republikanische Lokalpolitikerin, nicht goutiert und nach 38 Ehejahren jetzt die Scheidung verlangt. Ein schwerer Brocken für die vielen evangelikalen Christen, die Paxton, selbsternannter «Mann des Glaubens», für sich gewinnen will. Man höre: Sogar Trump bezeichnet Paxton ob all der Skandale als «etwas umstritten». Das will was heissen.

Zu einer sachlichen Debatte über die Probleme in Texas und im Land ist es zwischen Paxton und seinem Kontrahenten James Talarico leider nicht gekommen. Paxton hat keine der Einladungen zu einem TV-Duell angenommen. Nicht einmal auf dem republikanerfreundlichen Sender Fox News wagt er sich in den Ring gegen Talarico. Sein gewichtigstes Argument gegen den demokratischen Kandidaten bleibt, dass Talarico ein Veganer sei: bei den Konservativen im Barbecue-Heimatstaat Texas so was wie eine Todsünde.

Dass der Veganer-Vorwurf überdies nicht einmal stimmt: sei’s drum. Klar ist: Saftig dürfte die Niederlage für Paxton nach aktuellem Stand sowieso werden. Trump hätte dann einen Grund mehr, sich über die schlecht gekleidete Nervensäge da unten in Texas massiv zu nerven.

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