Trumps unbefristete Waffenruhe zerstört die Hoffnung auf einen raschen Frieden
Warum der Iran-Konflikt noch sehr lange dauern dürfte

Die unbefristete Waffenruhe zwischen den USA und Iran wirkt wie ein Schritt Richtung Frieden. In Wahrheit ist sie das Gegenteil: Der Konflikt steckt fest. Misstrauen, Machtspiele und fehlende Strategien sorgen dafür, dass dieser Krieg noch lange nicht endet.
Kommentieren
Donald Trump: Seine unberechenbare Strategie hält den Konflikt in der Schwebe.
Foto: AP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
BlickMitarbeiter06.JPG
Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran wird länger dauern, als uns lieb ist. Nicht trotz der Waffenruhe – sondern gerade ihretwegen.

Denn US-Präsident Donald Trump (79) hat die Feuerpause nicht befristet, sondern offen verlängert. Kein Datum, kein Plan, kein klarer nächster Schritt. Was nach Entspannung klingt, ist in Wahrheit ein Zeichen dafür, dass dieser Konflikt feststeckt – ohne erkennbare Exit-Strategie auf beiden Seiten. Diese gefährliche Dynamik hat eine Vorgeschichte.

Totales Misstrauen als Fundament

Das zentrale Problem bleibt das totale Misstrauen zwischen den Kriegsparteien. In Teheran glaubt man nicht mehr an verlässliche Zusagen aus Washington. Zu oft wurden Deals gebrochen oder Gespräche von militärischen Aktionen begleitet. Selbst laufende Verhandlungen bieten keine Sicherheit mehr.

Umgekehrt trauen auch die USA dem Iran nicht. Der Verdacht, dass Teheran sein Atomprogramm verschleiert, sitzt tief. Damit fehlt die Grundlage für einen nachhaltigen Kompromiss. Beide Seiten gehen in Gespräche mit der Erwartung, dass die andere sie früher oder später hintergeht.

1/6
Donald Trump verlängert die Waffenruhe mit dem Iran – aber ein klarer Plan für Frieden fehlt weiterhin.
Foto: AP

Hintergrund: Das Atomabkommen von 2015 brauchte fast zwei Jahre Verhandlungen mit mehreren Weltmächten – und wurde trotzdem wieder gekippt. Dieser Präzedenzfall wirkt bis heute nach. Wer einmal erlebt hat, wie ein fertiger Deal politisch entsorgt wird, verhandelt beim nächsten Mal anders: langsamer, misstrauischer, taktischer.

Zeit arbeitet für Iran

Deshalb wirkt die offene Waffenruhe wie ein Brandbeschleuniger. Ohne Deadline gibt es keinen Druck, Entscheidungen zu treffen. Stattdessen entsteht ein zähes Abwarten. Jede Seite hofft, dass sich die Ausgangslage mit der Zeit verbessert – oder die Gegenseite einknickt. Dass Teheran zuletzt gar nicht erst auf amerikanische Vorschläge reagierte, zeigt, wie tief diese Blockade-Haltung inzwischen sitzt.

Für den Iran ist diese Logik besonders attraktiv. Die Zeit arbeitet nicht gegen Teheran, sondern für das Regime. Interne Konflikte können geklärt, Machtstrukturen gefestigt und strategische Optionen offengehalten werden.

US-Geheimdienstkreise gehen davon aus, dass die iranische Führung aktuell keine einheitliche Linie hat – ein weiteres Hindernis für schnelle Fortschritte. Gleichzeitig bleibt der Druck auf die USA bestehen, ohne dass man selbst irreversible Zugeständnisse machen muss.

Militärisch festgefahren

Darin liegt ein weiterer Grund für die Blockade: Die Risiken bei einem Deal sind ungleich verteilt. Iran müsste konkret abrüsten, etwa beim Uran- oder Raketenprogramm – Schritte, die sich nicht rückgängig machen lassen. Die USA hingegen könnten Sanktionen jederzeit wieder verschärfen oder politische Zusagen zurückziehen. Für Teheran ist das ein strukturelles Misstrauensproblem, kein taktisches.

Auch die militärische Lage zementiert den Stillstand. Trotz schwerer Schläge ist der Iran nicht entscheidend geschwächt – im Gegenteil: Die Drohung, die Strasse von Hormus zu blockieren, bleibt ein mächtiges Druckmittel mit globalen Folgen für Energiepreise und Lieferketten. Gleichzeitig hat Washington zwar militärische Überlegenheit gezeigt, aber keinen schnellen und eindeutigen Sieg erreicht. Beide Seiten können eskalieren – aber keine kann den Konflikt klar für sich entscheiden.

Auch innenpolitisch fehlt der Spielraum. Im Iran ist die Führung zersplittert, klare Linien fehlen. Wer entscheidet, ist oft unklar. Gleichzeitig gewinnen Hardliner an Einfluss, die Kompromisse skeptisch sehen. In Washington wiederum kann Trump kaum nachgeben, ohne innenpolitisch unter Druck zu geraten. Also bleibt er bei maximaler Härte – und verstärkt genau das Misstrauen, das er eigentlich überwinden müsste.

Ein Konflikt im Schwebezustand

Parallel dazu hat sich eine gefährliche Eigendynamik etabliert. Beide Seiten setzen auf Abschreckung, beide wollen Stärke zeigen. Jeder Schritt Richtung Deeskalation wirkt dadurch wie ein Risiko. Die offene Waffenruhe passt perfekt in dieses Muster. Sie verhindert Eskalation – aber sie behindert auch den Frieden. Der Konflikt wird nicht gelöst, sondern eingefroren.

Am Ende verfestigt sich genau das, was diesen Konflikt so gefährlich macht. Es gibt keinen klaren Weg nach vorne – aber auch keinen politisch verkraftbaren Rückzug. Was bleibt, ist ein gefährlicher Schwebezustand: verhandelt wird ständig, entschieden selten und eskalieren kann es jederzeit.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen