Showdown an der Strasse von Hormus
Wird Trumps Blockade zum Schlag gegen die Weltwirtschaft?

US-Kriegsschiffe sollen ab Montagnachmittag die Strasse von Hormus blockieren. Was wie ein gezielter Schlag gegen Teheran aussieht, ist in Wahrheit ein machtpolitisches Duell mit globalen Folgen.
Kommentieren
Öltanker warten an der Strasse von Hormus. Am Montagnachmittag um 16 Uhr tritt hier eine US-Blockade in Kraft.
Foto: AP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
RMS_Portrait_AUTOR_235.JPG
Helena GrafReporterin

Ab Montagnachmittag will US-Präsident Donald Trump (79) die Strasse von Hormus blockieren. Sein Ziel: Maximaler Druck gegen den Iran. Allein die Ankündigung lässt aktuell Tanker umdrehen und globale Ölpreise weiter ansteigen.

An diesem Nadelöhr der Weltwirtschaft zeichnet sich ein Duell ab: Auf der einen Seite die USA – militärisch überlegen, entschlossen, ihren Gegner wirtschaftlich zu treffen. Auf der anderen Seite der Iran – geschwächt, unberechenbar und bereit, den Konflikt eskalieren zu lassen. Die zentrale Frage: Wer bricht zuerst ein?

1/7
US-Präsident Donald Trump (79) hat die Blockade angeordnet.
Foto: AP

USA schlagen zu

Laut dem US-Militärkommando soll die Blockade am Montag, 16 Uhr Schweizer Zeit, in Kraft treten. Ab dann kontrollieren US-Kriegsschiffe den gesamten Verkehr in der Strasse von Hormus. Schiffe, die iranische Häfen am Golf von Oman und dem Persischen Golf ansteuern oder verlassen, sollen gestoppt werden – unabhängig von ihrer Flagge. Damit demonstrieren die USA ihre Macht an einem der sensibelsten Punkte der Weltwirtschaft.

Der erste Schlag ist gesetzt. Er trifft nicht nur Teheran, sondern die ganze Welt. Der Ölpreis stieg am Montag wieder auf über 100 Dollar. Versicherungen für Tanker verteuern sich massiv. Und das schon, bevor die Blockade überhaupt in Kraft tritt.

Iran holt aus

Teheran versteht die US-Blockade als Eskalation – und als Angriff. Die Revolutionsgarden warnen, die Blockade werde als Bruch der Waffenruhe gewertet. Das iranische Militär droht mit Gegenangriffen: «Sicherheit im Persischen Golf gibt es entweder für alle – oder für niemanden.» 

Wirtschaftlich und militärisch ist das Kräfteverhältnis klar. Der Iran kann nicht gewinnen. Er muss aber auch nicht. Erst einmal reicht es, Unsicherheit zu streuen, Chaos zu stiften.

Wer leidet mehr?

Wirtschaftlich dürfte es dem Iran wehtun. Rund 2 Millionen Fass Öl pro Tag können nicht mehr exportiert werden. Die wichtigste Einnahmequelle des Regimes wird gekappt. Das heisst: weniger Geld für Kriegsmaterial und den Unterdrückungsapparat. Ausserdem droht ein Versorgungsengpass. Iran importierte bislang Lebensmittel und Konsumgüter über die Strasse von Hormus.

Die USA fördern zwar selbst Öl. Doch der Ölpreis ist global. Steigt er, merken das die Amerikaner sofort an der Zapfsäule. Höhere Benzinpreise sind für Trump mehr als ein wirtschaftliches Problem – sie sind ein politisches Risiko. Amerikaner stellen sich gegen die Partei an der Macht, wenn die Preise steigen.

Die Arena weitet sich aus

Die Blockade ist wie eine Atombombe gegen die Weltwirtschaft: Sie reisst Länder weltweit in ein wirtschaftliches Tief. Ein Fünftel des weltweiten Transports von Erdöl und Flüssiggas verläuft durch die Strasse von Hormus. Damit tanken wir unsere Autos, beheizen unsere Wohnungen, erzeugen Strom und stellen Medikamente her.

Die Golfstaaten importieren über die Route Grundnahrungsmittel: Weizen, Reis, Zucker, Soja, die sie nicht selber anbauen können. Zudem sind Landwirte auf der ganzen Welt auf Düngemittel angewiesen, welche die Strasse passieren. 

Besonders hart trifft die Blockade China. Ein grosser Teil der iranischen Ölexporte geht dorthin. Fällt dieser Nachschub weg, gerät die Energieversorgung unter Druck. Bislang setzt Peking auf Diplomatie. Das chinesische Aussenministerium rief diesen Montag zur Zurückhaltung auf und forderte freie Schifffahrt.

Auch in Europa spürt man die Konsequenzen weiterhin. Benzin, Diesel und Heizkosten bleiben teuer. Zudem wächst der Druck auf die Wirtschaft: Unternehmen kämpfen mit steigenden Kosten, das Wachstum stockt.

Wer geht zuerst k. o.?

Kurzfristig trifft die Blockade den Iran am härtesten. Dessen Wirtschaft ist bereits schwer angeschlagen. Ohne die Öleinnahmen steigt der wirtschaftliche Druck weiter. Die USA jedoch trifft der Konflikt an einer ebenso empfindlichen Stelle: bei den Preisen. Teures Öl verteuert Energie und treibt die Inflation an.

Beide leiden – aber wer bricht zuerst? Iran ist an Krisen gewöhnt. Sanktionen, wirtschaftlicher Druck und Isolation gehören seit Jahren zum Alltag. Das Land ist eine Autokratie: Der oberste Religionsführer Modschtaba Chamenei (56) kontrolliert die Streitkräfte, Justiz, Revolutionsgarden und Staatsmedien. Er ist entsprechend weniger auf Zustimmung seines Volkes angewiesen als Donald Trump, ein demokratisch gewähltes Staatsoberhaupt. Wirtschaftliche Unsicherheit geht in den USA mit politischem Druck einher. Und dieser kann Trump gefährlich werden.

Am Ende entscheidet deshalb nicht, wer stärker ist – sondern wer mehr Schmerz aushält. Die Führung in Teheran hat bereits bewiesen, dass sie Bombenangriffe, Sanktionen und Wirtschaftskrise überdauern kann. Die Mullahs werden ausharren und geduldig zusehen, wie die Weltwirtschaft leidet. Das amerikanische Volk hingegen wird den Druck aufs Portemonnaie nicht mehr ewig hinnehmen.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen