Trump braucht im Iran ein neues Rezept
Wie könnte ein Regimewechsel jetzt noch gelingen?

Das Regime in Teheran hält sich hartnäckig an der Macht. Mehr noch: Es schlägt mit erstaunlicher Härte zurück. Um an sein Ziel zu gelangen, muss sich Donald Trump jetzt etwas Neues überlegen.
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Nach tödlichen Angriffen auf Revolutionsgarden gingen regimetreue Iraner auf die Strasse.
Foto: Imago

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Guido FelderAusland-Redaktor

Der Krieg im Iran begann mit einem Volltreffer: Schon am ersten Tag gelang es den Amerikanern und Israelis, den Obersten Führer Ali Chamenei (†86) sowie viele weitere Mullahs zu töten. Doch dann geriet der Plan der Angreifer ins Stocken: Anders als wohl erwartet, leistet das Restregime mit Chameneis Sohn Modschtaba (56) und den Revolutionsgarden erbitterten Widerstand.

Auf die Angriffe der USA und Israels reagiert der Iran mit Vergeltungsschlägen gegen die Golfstaaten. Erfolgreich wurden Ziele wie Tanker, Containerschiffe, Militärbasen und Ölanlagen getroffen. Weil die Iraner die Schiffsstrasse von Hormus blockieren, explodiert weltweit der Ölpreis. Um das Regime ganz stürzen zu können, braucht Donald Trump (79) jetzt ein neues Rezept.

Den Amerikanern und Israelis geht es im Krieg darum, die Gefahr aus dem Iran und dessen Verbündeten zu bannen. Zur Erinnerung: Das Mullah-Regime in Teheran – und mit ihm die Hisbollah im Libanon, die Hamas im Gazastreifen und die Huthi im Jemen – wollen die Auslöschung des Staates Israel. Wichtigste Ziele der Amerikaner und Israelis sind daher: Vernichtung des Atomprogramms und Sturz des islamistischen Regimes. Dazu kommt auch die Kappung der iranischen Freundschaft mit Russland und China.

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Die Iraner schlagen hart zurück: Vor dem Irak trafen sie einen Öltanker.
Foto: keystone-sda.ch

Doch ein Regimewechsel ist zurzeit nicht in Sicht. Die Bomben der stärksten und 15.-stärksten Militärmacht richten im Iran zwar massiven Schaden an, konnten den Widerstand der gut vorbereiteten und ausgerüsteten Revolutionsgarden aber auch nach zwei Wochen nicht brechen.

Elite spalten

Wie könnte ein Regimewechsel jetzt noch gelingen? Israel verfolgt seit Jahren die gleiche Strategie: maximaler Druck von aussen, damit das geschwächte Regime über die Bevölkerung verliert. Amerikanische Iran-Experten spekulieren darauf, dass Teile der Revolutionsgarden überlaufen und die Wirtschaftskrise die Elite spaltet. Doch einen einheitlichen und konkreten Plan gibt es nicht. 

Klar ist: Trumps Bomben haben zwar den Weg zu einem gewissen Grad geebnet, genügen allein aber nicht. Es braucht laut Nahost-Experte Reinhard Schulze spätestens jetzt eine interne Unterstützung aus dem Iran selbst.

Umsturz ohne Pahlavi

Schulze erklärt, wie das gehen könnte: «Es vereinigen sich zum Beispiel Abtrünnige aus dem Regime, enttäuschte Reformisten oder Dissidenten und schliessen sich mit Verbündeten in den Reihen der Sicherheitsbehörden zusammen. So können sie im Zusammenwirken mit der Bevölkerung nach und nach Machtpositionen des Regimes übernehmen.»

Diese Vereinigung müsste sich zu einer überzeugenden und anerkannten Gegenmacht formieren, mit der sich die unterschiedlichen Teile der Bevölkerung identifizieren können. Einen Kopf wie den Schah-Sohn Reza Pahlavi (65) brauche es dazu nicht. «Iran braucht einen politischen Neuanfang, der auch das Erbe der Islamischen Republik verarbeitet, und keine romantische Rückbindung an die Monarchie», sagt Schulze.

Motivation bieten

Die iranische Bevölkerung ist sehr fragmentiert. Ein gemeinsames politisches Programm gibt es nicht. Was vier Fünftel verbinde, sei die Ablehnung des Mullah-Regimes, sagt Schulze. «Eine Oppositionsallianz müsste ein überzeugendes politisches Ziel vorgeben – beispielsweise die Etablierung eines Runden Tischs für eine Zukunftsdebatte.»

Um solche Gespräche zu ermöglichen, könnten Trump und seine Verbündeten Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Auch brauchen die Iraner Anreize. Das könnten unter anderem Sicherheitsgarantien und wirtschaftliche Perspektiven sein.

Düstere Zukunft

Dass das aktuelle Regime durch den militärischen Druck einknickt, bezweifelt Schulze. «Solange vor Ort keine Konkurrenten der Macht existieren, wird das Regime versuchen, den Konflikt auszusitzen.»

Persönlich malt Schulze für die nahe Zukunft des Iran schwarz. «Es stehen für mich zwei Optionen im Vordergrund: totalitäre Diktatur der ideologischen Ordnung der Islamischen Revolution unter den Revolutionsgarden oder ein bürgerkriegsähnlicher Kampf um die Macht.» 

Trumps Bomben haben zwar einen Teil des Regimes getroffen. Doch ob der Iran wirklich eine neue Zukunft bekommt, entscheidet sich nicht in Washington oder Tel Aviv, sondern in Teheran.

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