US-Amerikaner erleben ihr blaues Wunder
Auf diesem Schlachtfeld ist der Iran gerade am Gewinnen

Grosse Überlegenheit der US-Amerikaner gegen den Iran? Denkste! Die ultramodernen Waffen von Trumps Truppen haben einen gewaltigen Nachteil, den die Mullah-Krieger gekonnt ausnutzen.
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Im Krieg gefallen: US-Amerikanische Soldaten bringen die Leichen von getöteten Kollegen zurück.
Foto: Anadolu via Getty Images

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Guido FelderAusland-Redaktor

Gestern das Kommandozentrum der Mullahs, heute die Marine, morgen eine riesige Erdölanlage: Die US-Amerikaner und Israelis treffen das iranische Regime täglich präzise und schmerzhaft an den wunden Punkten. Auch der Oberste Führer Ali Chamenei (†86) sowie weitere Oberhäupter sind ausgelöscht worden.

Doch was bei den Iranern übrig bleibt, ist mehr als nur ein Rumpfteam. Mit Händen und Füssen wehren sich die Mullahs und die gefürchteten Revolutionsgarden. Und das oft sehr erfolgreich. Dank gezielter Schläge ist es ihnen gelungen, die aus den USA stammende, hochmoderne Raketenabwehr in mehreren Golfstaaten teilweise lahmzulegen. Die iranischen Einheiten haben einen Trumpf in der Hand, der Trump noch schwer zu schaffen machen dürfte.

Bei den getroffenen Abwehranlagen handelt es sich um Radarsysteme in Katar und Jordanien. Das rund 1,1 Milliarden Dollar teure System in Katar ist durch ein iranisches Geschoss schwer beschädigt worden. Die gegen eine halbe Milliarde Dollar teure Anlage in Jordanien wurde sogar vollständig zerstört. Beide mobilen Radare gehören zum Thaad-System, das Raketen in grosser Höhe erkennt. Nach dem erfolgreichen Beschuss der Iraner ist die Abwehr der Amerikaner und der Golfstaaten in gewissen Sektoren nun blind und somit verwundbar.

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Günstige Gefahr: Möglicherweise lagert der Iran noch Tausende von Drohnen.
Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Es sind nicht die einzigen erfolgreichen Gegenschläge der Iraner. Angriffe gelangen den Mullah-Truppen auch auf Satelliten-Terminals in Bahrain und weitere Infrastruktur in der ganzen Golf-Region.

Billig-Drohnen gegen Edel-Waffen

Der Trumpf der Iraner ist die Massenproduktion von Billigdrohnen, von denen eine 30'000 bis 50'000 Dollar kostet. Sie bringen die teure Verteidigung der Gegenseite ans Limit. Die Drohnen werden meistens nicht einzeln abgefeuert, sondern in Schwärmen gestartet, um die gegnerische Abwehr zu überlasten. Da kostet nämlich eine einzige Abwehrrakete des Typs Patriot bis zu 5 Millionen Dollar.

Das heisst: Irans Gegner müssen sich nach einer Flugbahnberechnung der Drohnen entscheiden, ob sie ihre teuren Raketen auf die kleinen Geschosse loslassen oder diese einschlagen lassen wollen.

Schon nach zehn Tagen Krieg steht fest: Der Kampf am Golf dürfte zu einer Abnützungsschlacht werden, sofern es den Amerikanern und Israelis nicht rechtzeitig gelingt, die iranische Drohnenproduktion, die Abschussrampen und die Lager zu vernichten.

«Enorme Vorräte»

Seit Kriegsbeginn haben die Iraner über 2000 Shahed-Drohnen gestartet. Wie viele noch übrig bleiben, weiss man nicht. Die einen Schätzungen sagen 2500, andere 10'000. Oder sind es noch viel mehr, die da in den unterirdischen Verstecken lagern? Das britische Centre for Information Resilience schätzt, dass der Iran vor dem Krieg monatlich rund 10'000 Shahed-Drohnen produzieren konnte. Auf jeden Fall sind es so viele, dass Teheran sie seit 2022 zu Tausenden an den Kreml für dessen Ukraine-Aggression liefern konnte.

Sowohl Politiker als auch Experten warnen vor der Macht der Iraner. Der demokratische US-Senator Mark Kelly (62) sagte: «Sie verfügen über enorme Vorräte.» Irgendwann bekomme man ein «mathematisches Problem». Auch Dara Massicot von der Denkfabrik Carnegie Endowment for International Peace warnt: Würden zu viele Patriot-Raketen eingesetzt, komme es «zu einer Erschöpfung der Vorräte».

Am meisten Erfahrung zur Bekämpfung von Drohnen hat die Ukraine. Präsident Wolodimir Selenski (48) hat den Amerikanern, Israelis und Golfstaaten seine Expertise angeboten. Er fordert allerdings eine Gegenleistung: Abwehrraketen für seine eigenen Patriot-Systeme, die ihm der Westen geliefert hatte. Sein Vorrat ist aufgebraucht.

Doch die Amerikaner brauchen diese Abwehrraketen zurzeit selber. Wegen der aufwendigen Technik ist die Produktion beschränkt. Hersteller Lockheed hat im vergangenen Jahr nur 620 produziert. Viel weniger als der Iran in der gleichen Zeit Drohnen herstellen konnte.

Amerikaner rüsten nach

Mit Hochdruck arbeiten die USA einerseits an eigenen Billigdrohnen, um den Iran mit gleicher Taktik angreifen zu können. Andererseits setzt man auch auf Abwehralternativen wie Drohnen-Abfangdrohnen und Laser. Bereits soll Israel eine Laserabwehr in Betrieb haben. Aber auch die hat ihre Nachteile: Das Zielobjekt muss eine gewisse Zeit bestrahlt werden, zudem wird die Wirkung von Wetter und atmosphärischen Bedingungen beeinflusst.

Die Drohnenangriffe des Iran zeigen, dass selbst gut ausgerüstete Staaten Schwierigkeiten haben, Drohnenwellen abzufangen. Die bisherigen Verluste sind für Trumps Superarmee eine Schmach. Christian Mölling, Direktor der Denkfabrik European Defence in a New Age, sagt gegenüber dem «Spiegel»: «Die Amerikaner erleben in diesem Krieg gerade etwas, das in ihrer Gedankenwelt kaum vorkommt. Auch sie sind in der Luft verwundbar.»

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