Darum gehts
Sie lassen Homosexuelle zu Tode steinigen, unterdrücken Frauen und Mädchen mit mittelalterlichen Methoden und nehmen jetzt die Weltwirtschaft als Geisel: Die 350'000 schwer bewaffneten Huthi-Rebellen im Jemen sind eine der brutalsten Gruppierungen der Welt.
Offenbar jagen die schiitischen Kämpfer sogar US-Präsident Donald Trump (80) Angst ein. Trotz mehrfacher Bitte durch seine arabischen Partner und trotz dem Vormarsch der Huthis bis an die Meeresenge Bab al-Mandab, durch die 12 Prozent des Welthandels passieren, tut Trump nichts. Zwei Gründe gibt es dafür. Und einen grossen Profiteur.
Trump hat Angst vor gigantischem Ölschock
Seit 199 Tagen (!) ist die Strasse von Hormus blockiert. Stillstand da, wo sonst rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Erdöls durchfliesst. Für Mitte September vorgesehene neue Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA sind auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Die Benzinpreise steigen derweil weiter.
Noch schlimmer macht die Situation die vorläufige Abschaltung der grossen Öl-Pipeline, die rund fünf Millionen Fass Öl pro Tag (etwa fünf Prozent des weltweiten Bedarfs) quer durch Saudi-Arabien direkt an die Häfen im Roten Meer gebracht hat. Die Huthi-Rebellen hatten die Pipeline vergangene Woche massiv angegriffen.
Wenn die USA jetzt eingreifen würden, riskierten sie, dass die Huthis sofort Angriffe auf Öltanker lancierten, die durch die Meeresenge Bab al-Mandab («Tor der Tränen») zwischen Jemen und Dschibuti fahren. Bislang sehen die Huthis von solchen Angriffen auf europäische und amerikanische Schiffe ab. Nur für die Frachter des sunnitischen Erzfeindes Saudi-Arabien haben die Rebellen eine Durchfahrtssperre verhängt.
Grund für die Zurückhaltung der Huthis ist ein gegenseitiger Nichtangriffspakt, den Trump mit der Gruppierung im Mai 2025 ausgehandelt hatte: «Wir lassen eure Schiffe in Ruhe, wenn ihr uns nicht bombardiert», forderten die Huthis. Trump will diesen Deal offenbar einhalten.
Eine zweite Meeresblockade und die damit verbundenen Preissteigerungen kann er sich anderthalb Monate vor den US-Zwischenwahlen nicht leisten. Der Krieg im Nahen Osten ist bei den Amerikanern jetzt schon extrem unbeliebt (nur ein Drittel befürwortet ihn). Eine weitere Eskalation würde das Wahlvolk kaum goutieren.
Den USA fehlen schockierenderweise die Waffen
Die Militärmacht Nummer 1 der Welt müht sich seit fast sieben Monaten mit dem Iran ab. Ein US-Erfolg ist weiter nicht in Sicht. Die Munitionsbestände der «greatest nation on earth» aber nähern sich einem kritischen Level.
Ein Beispiel: Laut der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) haben die USA im letzten halben Jahr gut zwei Drittel ihrer einstmals 2330 Patriot-Abwehrraketen im Nahen Osten verballert. Eine einzelne Patriot-Rakete kostet bis zu fünf Millionen Dollar. Ihre Produktion dauert mehrere Wochen.
Laut einem unabhängigen Expertenbericht zuhanden des US-Parlaments von Mitte September weisen die Munitionsbestände bei den Patriots und anderen Abwehrsystemen inzwischen eine «strategische Lücke» auf. Angesichts der anhaltenden Iran-Krise, des Krieges in der Ukraine und der latenten Taiwan-Bedrohung durch China kann es sich Washington schlicht nicht leisten, noch mehr der potenten Geschosse zu verschwenden – etwa an einer neuen Front gegen die Huthis.
Kommt hinzu: Die Huthis liessen sich mit Fernwaffen und Raketen allein sowieso kaum besiegen. Die von den USA unterstützten Saudis bombardieren die Rebellen seit 2015 immer wieder schwer – mit modernen amerikanischen Waffensystemen. Die Huthis stecken das offenbar weg. Ohne Bodentruppen sind sie kaum zu stoppen.
Amerikanische Soldaten in das unwegsame Gelände im Westen Jemens zu schicken, birgt zudem das grosse Risiko von Entführungen. Wie brutal die Huthis mit «Eindringlingen» und Verrätern umgehen, ist in grausamen Videos gut dokumentiert. Es sind Bilder, die sich keine US-Regierung politisch leisten könnte. Darum sagt sich Trump: Finger weg.
Kurzfristiger Profiteur: Israel
Der vorläufige Profiteur der amerikanischen Angriffsabstinenz ist Israel. Das Land ist existenziell darauf angewiesen, dass das «Tor der Tränen» offenbleibt. Israel bezieht rund ein Viertel seiner Importwaren durch die Meeresenge. Zudem kann es sich das militärisch geforderte Land nicht leisten, die Israel hassenden, «Tod allen Juden» rufenden Huthi-Schergen noch weiter gegen sich aufzubringen.
Ball flach halten, sagt sich Noch-Premier Benjamin Netanyahu (76) – und beliefert die Saudis trotzdem durch die Hintertür mit Geheimdienstinfos über die Huthis. Das stärkt die neue Partnerschaft zwischen dem jüdischen Staat und Saudi-Arabien, das mit zunehmender Verzweiflung auf die Huthi-Erfolge und die amerikanische Passivität schaut.
Erst im vergangenen Jahr hatte Saudi-Arabien versprochen, 600 Milliarden Dollar in die US-Wirtschaft zu investieren. Wie es scheint, ist das noch nicht genug, um sich Trumps Dienste als Freund und Helfer in Not zu sichern.