Darum gehts
- Huthi kontrollieren Bab al-Mandab und bedrohen globalen Seehandel
- 12 Prozent des Welthandels passieren jährlich diese Meerenge
- Somalische Piraten führten 2026 bereits 15 Angriffe durch
Eine furchteinflössendere Truppe als die jemenitischen Huthi-Kämpfer ist auf dieser Welt kaum zu finden. Seit zwölf Jahren terrorisieren die 350'000 schwer bewaffneten, vom Iran finanzierten Rebellen die Bevölkerung im Westen des Jemen. Und seit diesem Wochenende kontrollieren sie – nach einem überraschenden militärischen Vorstoss – die Meerenge Bab al-Mandab («Tor der Tränen») am Eingang des Roten Meers.
Während die Blockade der Strasse von Hormus weiter östlich primär den Öl- und Gashandel gefährdet, wäre eine Schliessung des «Tors der Tränen» weit gefährlicher – insbesondere für uns in Europa. Doch die Huthi verfolgen einen viel perfideren Plan – und dürfen dabei paradoxerweise auf die Unterstützung von US-Präsident Donald Trump (80) hoffen.
Was ist geschehen? Ende dieser Woche sind die islamistischen Rebellen vom Nordwesten des Jemen erfolgreich gegen Süden vorgedrungen. Sie haben sowohl die wichtige Hafenstadt Mokka als auch die mitten in der Bab-al-Mandab-Meerenge gelegene Insel Majun unter ihre Kontrolle gebracht.
Das macht es den Huthi einfacher, Handelsschiffe anzugreifen. Ihr Kommandeur hat seine Truppen bereits angewiesen, Artilleriegeschosse in Stellung zu bringen. Zudem verfügen die vom Iran unterstützten Terroristen nachweislich über moderne Seedrohnen, mit denen sie Schiffe attackieren können.
Auch Temu-Lieferungen wären betroffen
Der Iran feiert den Erfolg der verbrüderten Rebellen als «göttlichen Triumph». Wenig überraschend: Die drohende Schliessung des «Tors der Tränen» könnte den verhassten Westen und in besonderem Masse Israel weiter schwächen. Zwölf Prozent des globalen Seehandels (nicht nur des Öl- und Gashandels!) passieren auf ihrem Weg von Asien zum Mittelmeer das «Tor der Tränen».
Ist die nur 27 Kilometer breite Meerenge blockiert, bedroht das insbesondere unsere Autoindustrie, den Maschinenbau, die Textilindustrie und die Medizinalbranche. Alles, was in Containern aus Asien zu uns gebracht wird, bliebe stecken, auch die täglich Millionen von Temu- und Shein-Bestellungen, die von China her per Schiff an unsere Gestade gelangen.
Besonders prekär wäre die Lage für Israel, das ein Viertel all seiner Güter über das nördlich der Meerenge gelegene Rote Meer und seinen Hafen in Eilat bezieht. Die vor den Wahlen am 27. Oktober eh schon extrem angespannte Lage im Land käme weiter unter Druck. Das wäre durchaus im Sinn der Huthi, die sich seit ihrer Gründung den Slogan «Tod den USA! Tod Israel! Tod den Juden! Sieg dem Islam!» auf ihre Fahne schreiben.
Eine Alternativroute für die Waren, die von Asien her irgendwie ins Mittelmeer gelangen müssen, gäbe es. Die Schiffe könnten den rund zehn Tage längeren Umweg um ganz Afrika herum, vorbei am südafrikanischen Kap der Guten Hoffnung, nehmen. Das würde den Transport aber nicht nur viel teurer, sondern auch deutlich gefährlicher machen.
Somalische Piraten machen Umweg zur Horror-Reise
Grund dafür sind die erstarkten somalischen Piraten, die unterwegs lauern. Sie erleben nach ruhigeren Jahren 2026 ein regelrechtes Comeback. Allein in diesem Jahr haben sie bereits 15 Angriffe auf Handelsschiffe lanciert. Sie profitieren davon, dass grosse Militärmächte wie die Saudis oder die Amerikaner, die den internationalen Schiffsverkehr in der Region schützen, ihren Fokus auf den Nahen Osten verlegt haben.
Zudem ist Somalia in einem extrem instabilen Zustand. Blick-Reporter Samuel Schumacher war vor drei Jahren selbst im Land und hat gesehen, mit welcher Mühe sich die Zentralregierung gegen die islamistische Miliz Al-Shabaab stemmt, die praktisch das gesamte Land ausserhalb der Hauptstadt Mogadischu kontrolliert. Ressourcen für den Kampf gegen die Piraten – übrigens oft Fischer, die wegen der internationalen Fischerboote vor ihrer Küste kaum noch etwas fangen können und wirtschaftlich verzweifeln – gibt es kaum.
Zurück zum «Tor der Tränen»: Vorerst ist die Meerenge weiter offen – ausser für die Schiffe von Saudi-Arabien, gegen das die Huthi seit Jahren Krieg führen. Die Huthi-Bosse haben in einem Telefonat mit Donald Trump Ende Woche signalisiert, dass sie die Meerenge auch weiterhin offen liessen, solange die USA nicht angreifen und den Saudis keine militärische Unterstützung zukommen lassen würden.
So verdienen die Huthi jedes Jahr Milliarden
Die Huthi haben Trump am Telefon offenbar an den Deal erinnert, den die USA mit ihnen 2025 abgeschlossen haben: keine Angriffe auf uns, dafür lassen wir eure Schiffe ungestört passieren. Trump hat ganz offenkundig kein Interesse an einer neuen Kriegsfront im Nahen Osten – auch weil ihm nach fast sieben Monaten Krieg gegen den Iran allmählich die kostspielige Munition ausgeht.
Dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (41) sagte er diese Woche am Telefon laut Reuters, dass die USA die Saudis in ihrem Kampf gegen die Huthi nicht militärisch unterstützen würden. Alles, was er bieten könne, seien Geheimdienstinformationen.
Denkbar scheint, dass die Huthi am «Tor der Tränen» eine Art Zollsystem einführen und für die Passage von den Schiffscrews Gebühren kassieren werden. Heute schon verdienen sie mit Schmuggel und Hafengebühren jährlich mehr als 13 Milliarden Dollar, schätzt die jemenitische Denkfabrik Mokha Centre for Strategic Studies.
Das ist viel Geld, das die kruden Kämpfer zur Stärkung ihres Terrorregimes verwenden können. Ohne die militärisch mächtigen Amerikaner aber kann weder Saudi-Arabien noch der verängstigte Westen wirklich etwas dagegen unternehmen.